Mobile Couponing
31.08.2016, 14:30 Uhr

Gefahr für Affiliates? Facebook drängt ins Gutschein-Geschäft

Gutscheine sind im Online-Shopping heiß begehrt. Sie sind Trafficbringer und Standbein von Affiliate-Modellen. Jetzt startet Facebook eine Couponing-Offensive und könnte wieder einmal den Markt revolutionieren.
(Quelle: Shutterstock.com/igor kisselev )
Nicht erst seit gestern verändern Smartphones - und ein Stück weit auch Tablets - unseren Alltag. Die Kommunikation via Messenger findet ebenso weitestgehend mobil statt wie auch das Konsumieren und Kuratieren von Nachrichten.
Der nächste, konsequente Schritt aus Sicht von Händlern ist die Verlagerung des Online-Shopping vom Desktop auf das mobile Device. Und Mobile Commerce ist tatsächlich weiter im Aufwind. Wie eine aktuelle Studie von RetailMeNot zeigt, wächst der Online-Umsatz, der von Smartphone und Tablet kommt, 2016 um knapp 50 Prozent. Der Mobile-Anteil am gesamten Online-Umsatz in Deutschland hat mit 27,7 Prozent ebenfalls bereits eine signifikante Höhe erreicht.
(Quelle: RetailMeNot)
Einer der größten Treiber und auch Profiteure des Mobile-Booms ist Facebook. Der Konzerngigant von Mark Zuckerberg ist für Werbungtreibende beinahe unverzichtbar geworden und auch Online-Shops profitieren von den Angeboten des blauen Riesen.
Eine interessante Neuerung, die Facebook seit gestern Abend Advertisern und Unternehmen anbietet, ist ein breites, erweitertes Couponing- und Gutschein-Portfolio. Die Details:
  • Coupon Codes: Werbungtreibende können individuelle Gutscheine für Konsumenten erstellen, die auf ein Angebot reagieren.
  • Lesezeichen: Nutzer können Gutscheine und Angebote speichern und später einlösen. Über aktuelle News zu den Gutscheinen wird man per Benachrichtigung informiert.
  • Die Gutscheine können sowohl in stationären Geschäften (Scan vom Smartphone) als auch online eingelöst werden.

Auswirkungen auf die Affiliate-Branche

Sowohl der steigende Anteil an Mobile Commerce als auch das umfangreiche und durchaus nicht uninteressante Angebot von Facebook könnten sich mittelfristig zu einem Problem für die Gattung Affiliate Marketing entwickeln.
Hierzu meint Online-Marketing-Experte Ingo Kamps: "Die Ergänzung des Angebots um Gutscheine macht für Facebook absolut Sinn und könnten Gutscheine auch zu dem machen, was sie eigentlich sein sollen - Trigger für inkrementellen Absatz. Die typischen Affiliate-Gutscheine kommen hingegen häufig erst hinten in der Customer Journey zum Einsatz, wenn die Kaufentscheidung oft schon gefallen ist. Von daher glaube ich, dass beide Gutscheinvarianten durchaus koexistieren werden." Trotzdem, so fügt er hinzu: "Es könnte durchaus sein, dass sich Advertiser mit den neuen Möglichkeiten aus dem Gutschein-Affiliate zurückziehen. Also ist die Gefahr real."
Trotz stetigen Forderungen, dass die Provisionen fair entlang der Customer Journey verteilt werden, ist das "Last Cookie Wins"-Modell immer noch weit im Markt verbreitet. Darunter leiden Online-Shops gleich doppelt: Neben den Prozenten für den Gutschein, muss der Shop-Betreiber auch noch eine Provision an das vermittelnde Affiliate-Netzwerk zahlen.
Wie wichtig Gutscheine für das Affiliate-Marketing sind, ordnete Johannes Haupt auf "om8", einem Fachdienst für Online-Marketing, im Mai 2015 ein. Demnach entfielen im abgelaufenen Jahr 2014 80 Prozent der Affiliate-Umsätze auf Gutscheinseiten sowie Cashback- und Loyalty-Portale zurück.
Selbst wenn der Prozentsatz in der Zwischenzeit geringer ist, ist Couponing immer noch ein wichtiges Standbein für Affiliates. Wenn nun das durch und durch mobil-optimierte Facebook erfolgreich in den Markt eintritt und den Online-Shops eine kostengünstige Alternative zu Affiliate-Programmen anbietet, könnte das dem Affiliate-Marketing einen schweren Schlag zufügen. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Multitalent Facebook eine etablierte Branche ins Wanken bringt. 



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