Lukas Kircher von C3 09.05.2016, 08:15 Uhr

"Die Zukunft gehört der hybriden Agentur"

"Das dreckige Geheimnis von Content Marketing? Es macht Spaß." Das sagt einer, der es wissen muss: Lukas Kircher ist Mitgründer von C3 und spricht im Interview über London, Performance und Social Media.
Lukas Kircher, Editorial Designer, Gründer und Geschäftsführer von C3
(Quelle: C3 )
Bei der Medienagentur C3 dreht sich zwar immer noch alles um Content Marketing, den Alltag bestimmen inzwischen aber auch Themen wie Performance und Wirkungsnachweise. Was hinter der Akquisition der Londoner Agentur Seven steckt, welche KPIs Content Marketing wirklich braucht und warum Twitter von Kai Diekmann profitiert, erklärt uns Lukas Kircher, Editorial Designer, Gründer und Geschäftsführer von C3 im Interview.
Das erste Quartal des Jahres ist geschafft, ein kleines Resümee: Wie liefen die ersten Monate für C3?
Lukas Kircher: Wir haben es ja mit Müh und Not geschafft vor der großen Content-Marketing-Welle zu surfen. Dabei haben wir aber die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der sich das Thema in der Branche verbreitet hat. Normalerweise wird man als Gründer im Frühling immer sehr nervös, beinahe schon fast depressiv, weil am Jahresanfang nicht viel passiert. Man hat die laufenden Kosten, die Kunden sind aber noch sehr zögerlich. Dieses Jahr war das komplett anders. Wir haben aktuell 48 offene Stellen alleine in Deutschland, wir sind über 600 Leute und gewinnen laufend neue Kunden hinzu. Also es ist gerade hochspannend.
Gibt es intern noch eine Aufteilung in Burda und Kircher Burkhardt?
Kircher: Das ist alles ziemlich gut zusammengewachsen. Wir hatten keine Fluktuation, wir arbeiten auf allen Ebenen eng zusammen. Wir hatten auch das Glück, dass zwei menschlich sehr intakte Unternehmen zusammengekommen sind. Für die Mitarbeiter hat sich aber auch nicht viel geändert, es gab, wie auch im Portfolio, wenig Überschneidungen und viele Ergänzungen.
Sie haben jüngst die Londoner Agentur Seven übernommen. Was ist die Idee dahinter?
Kircher: Seven hat mehr eine strategische Rolle. Wir wollen damit einen europäischen Content-Marketing-Champion bauen. Denn wir sehen, dass das Thema Internationalisierung immer wichtiger wird. Daher ist London für uns auch strategisch so wichtig. Wir können so für amerikanische oder asiatische Marken Kampagnen in London bauen. Die Stadt ist einfach die Schaltstelle für Kommunikation in Europa.
In Sachen Content sieht es anders aus. Hier ist es wichtig, dass dieser nicht zentralistisch geführt wird. Eine Geschichte, ein Narrativ, das für die englische Kultur beispielsweise Sinn macht, muss nicht automatisch in Deutschland genauso gut funktionieren. Das macht Sprache nicht mit, sie ist untrennbar mit Kultur verbunden. Daher ist es aus Content-Sicht also unerlässlich, diverse länderspezifische Agenturen zu haben.
Eine andere wichtige strategische Rolle von London nenne ich gerne "Innovations-Arbitrage". Seven ist in bestimmten Themen einfach weiter, zum Beispiel bei der intelligenten Verknüpfung von Social und Campaigning oder bei der Data-Insights-getriebenen Bearbeitung von Content-Strategien. Da können wir unseren Kunden nun noch mehr Cutting Edge bieten. Wir überlegen beispielsweise, ob wir ein Innovation Lab in London gründen, wo wir Kunden und Mitarbeiter mitnehmen und ihnen zeigen können, was unsere Praktiken sind.
Umgekehrt ist es so, dass Seven keine eigene Technologie hat und wir eine starke Tech-Abteilung in den letzten Jahren aufgebaut haben, mit Mobile- und Backend-Erfahrung. Ideal ist es, wenn man den kreativen Freigeist, das Visionäre, mit dem Daten- und Technik-getriebenen Denken zusammenbekommt. Dann hat man schon ein tolles Angebot im Köcher.
So ganz ohne Konkurrenz sind Sie hier ja nicht. Bertelsmann, Telekom, Ströer…. Was ist Ihr USP?
Kircher: Wir hören tatsächlich oft, dass Größe alleine kein Argument ist. Da muss ich aber sagen, bei den Aufgaben, die jetzt bei unseren deutschen Kunden anstehen, ist Größe schon ein gewichtiges Argument. Wir sind in der Lage, Content Centric Communication zwei, drei, vier Jahre durchzuhalten - in gleichbleibender Qualität und Taktung. Content Marketing hat viel mit Taktung, mit Ausdauer, zu tun. Das ist auch, glaube ich, der größte strukturelle Unterscheid zwischen einer Content-Marketing-Agentur und einer klassischen Agentur. Man muss jeden Tag neu reagieren, man hat jeden Tag neue oder leicht angepasste Produktionsprozesse, weil sich wieder etwas getan hat am Markt, auf das man reagieren will. Hier ist ein völlig neuer Agenturtypus gefragt, die Zukunft gehört der hybriden Agentur, bei der ganze Agenturteams vor Ort tief in die Prozesse eines Unternehmens eingebunden sind, um in Echtzeit rund um die Uhr Content und kreative Ideen zu entwickeln. Die Agentur selbst wird eher zur Basis-Station, die als Think Tank für Mitarbeiter und Kunden intensiv über Strategie und Innovationen nachdenkt.



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