Affiliate-Marketing-Branche im Aufschwung

Ist Betrug noch ein Problem im Affiliate-Marketing?

Blick durch ein Fernrohr
Quelle: www.freepik.com
Für Ulrich Bartholomäus stellt sich diese Frage nicht. Für ihn hat sich die Affiliate-Marketing Branche bereits seit Langem von den ­Betrügern distanziert. In seinem Unternehmen habe es in der gesamten Zeit ­keine großen Betrugsfälle gegeben, sagt er. Er glaube, dass insbesondere die großen Netzwerke aus ihren Fehlern gelernt und ihre Hausaufgaben erledigt haben.
Auch Kellermann hält Betrug nicht für ein spezielles Problem der ­Affiliate-Marketing-Sparte: "Überall, wo im Internet Geld verdient wird, gibt es nun mal Betrug. Das ist kein reines Affiliate-Problem, sondern ein Phänomen der Online-Welt, ob das nun eBay oder etwas anderes ist.“
Dennoch sollten sich alle Parteien rechtlich absichern. Bei den Advertisern oder deren Agenturen müsse die Erfahrung vorhanden sein, was Betrug ist und was nicht. Denn ein Schaden, erklärt Kellermann, entstehe beim Advertiser letztendlich erst, wenn Umsätze verprovisioniert werden, die vielleicht betrügerisch generiert wurden.
Doch die Netzwerke des Affiliate-Marketing verlassen sich nicht mehr auf Einschätzungen, sondern setzen vermehrt auch auf Technik, um Betrug zu verhindern. Eine genaue Analyse des Suchmaschinen-Traffics entlarvt beispielsweise Affiliates, die unerlaubt auf fremde Markennamen bieten (Brand Bidding).
Auf diese Weise fliegen auch Ad Hijacker auf, die Werbemittel oder gar ganze Websites des Advertisers kopieren. Das Verhältnis von Klicks zu getätigten Verkäufen kann ebenfalls ein Indiz für ­einen möglichen Betrug sein.

Gefühl statt Daten

Auch bei der Verteilung des Werbebudgets im Affiliate-Marketing schöpft der Großteil der Werbungtreibenden noch nicht das vorhandene Potenzial aus. Anstelle auf Daten verlassen sich viele Advertiser auf ihr Gefühl, weiß Kellermann.
Dabei führt im Affiliate-Marketing an der Analyse der Daten kein Weg vorbei. Denn durch die Überwachung der Customer Journey können nicht nur mögliche fehlerhafte Zahlungen aufgrund von Betrug rechtzeitig erkannt und gestoppt werden, Tracking- und Retargeting-Anwendungen wie Ad Clear erlauben außerdem eine effektivere Verteilung der Werbebudgets auf die einzelnen Kontaktpunkte.
Bislang dominiert das Modell "Last Cookie Wins“ den Affiliate-Markt. Hierbei wird dem letzten Klick vor einer Aktion (etwa ­Registrierung oder Kauf) die gesamte Conversion - und damit in vielen Fällen auch das gesamte Budget - zugesprochen.
Über gezieltes Customer Journey Tracking können die Werbungtreibenden messen, wie groß oder klein der Anteil der Affiliate-Netzwerke am Verkauf war. Dadurch kann der Affiliate-Kanal eine vollkommen neue Bedeutung erhalten.
Auch wenn das Thema in der Affiliate-Marketing-Szene noch heiß diskutiert wird, setzen zum Beispiel der Versandhändler Otto und die Online-Apotheke Doc Morris - beide wichtige Advertiser im Affiliate-Marketing - Customer Journey Tracking erfolgreich ein, berichtet Kellermann.

Performance Display als Lösungsansatz für das Affiliate-Marketing

Durch den Einsatz von Tracking-Tools und die Einführung von neuen Abrechnungsmodellen hat die Affiliate-Marketing-Branche einen möglichen Weg aus der Krise aufgezeigt und begonnen, die Kritik aufzuarbeiten.
Performance Display ist dabei für Kellermann nur ein Teilbereich des Affiliate-Marketing, der jedoch nicht ignoriert werden darf: "Was auf jeden Fall in ­Zukunft ein Thema ist, sind Publisher-Modelle, die auf Basis von Display-Advertising-Technologien arbeiten und über hybride Provisionsmodelle auf Performance-Basis mit einem Ziel-CPO (Cost per order) abrechnen.“
Damit schlägt er in die gleiche ­Kerbe wie Affilinet-Chef Bartholomäus, der ­leistungsbasierten Modellen eine große Bedeutung zuspricht: "Performance ist Trumpf. Das gilt über sämtliche Pub­lisher-Modelle hinweg."
Ein Beispiel hierfür ist die Verwendung von RTB-Technologien, die bereits im vergangenen Jahr neue Umsatzpotenziale für das Affiliate-Marketing aufgezeigt haben.



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