Streaming-Dienste: Alles werbefrei oder was?

Durex verschenkt Amazon-Mitgliedschaften

Werbungtreibenden bleibt also vor allem die Präsenz bei Streaming-Diensten, die ausdrücklich Werbung vorsehen. Dazu zählt der Live-Sport-Streaming-Anbieter Dazn. Hier sind Pre-Roll-Formate möglich, die nationale Werbungtreibende wie Heineken oder Nissan nutzen. Sportübertragungen werden bislang noch nicht unterbrochen. "Unterbrecher und Splitscreen-Werbung wird es vorerst weiterhin nicht ­geben, um die zahlenden Nutzer nicht zu verärgern", so Anja Liebig von Pilot. Bei Dazn wollte sich dazu niemand äußern.
Quelle: Roland Berger, Uni Münster, Statista
Auch die Streaming-Ableger der großen privaten Sendergruppen bieten sich an. Im Juni startete Pro Sieben Sat.1 mit Discovery den kostenfreien Streaming-Dienst Joyn, in der Hoffnung, die schwindenden jüngeren Zielgruppen an ihre Angebote zu binden. Joyn bietet ein breites Portfolio an ­digitalen Werbeformen. "Die klassischen Sender sind gerade dabei, ihre Modelle neu auszurichten", kommentiert Roland Köster, Managing Director der JOM Group, diese Entwicklung. "Die Modelle, die sie vorher hatten, dümpelten ein wenig herum und lagen bei der Nutzung deutlich hinter Netflix, Amazon und Sky. Da gehen sie jetzt dagegen an."
Auch bei den eigentlich werbefreien Platzhirschen wie Netflix und Amazon bestehen einige handverlesene Möglichkeiten, werblich präsent zu sein. Beispielsweise über Produktplatzierungen innerhalb der Serien, was allerdings einen ­langen zeitlichen Vorlauf erfordert. Bei Amazon Prime kann man zudem auf den Zugangsseiten wie dem Fire TV Stick ein Banner buchen. Von dort kann der User auf eine Produktseite weitergeleitet werden - der Spielwarenhersteller Zapf ­machte davon beispielsweise Gebrauch. Auch über den Homescreen bei der Öffnung der Amazon-App ist eine werbliche Präsenz möglich. Der Kondomhersteller Durex wiederum verschenkte an jüngere Zielgruppen eine Jahresmitgliedschaft von Amazon Prime und nutzte damit höchst kreativ das Umfeld.

Netflix eröffnet Büro in Berlin 

Viel ist das aber alles nicht, die Nach­frage der Kunden ist deutlich größer. "Es kämpfen alle um die guten Flächen", sagt Roland Köster. "Zu wünschen wäre deshalb schon, dass man sich bei Netflix ­irgendeine Idee oder Lösung einfallen lässt, wie man Werbung integrieren ­könnte. Irgendwann werden sich die Streaming-Dienste annähern. Sie wissen ja auch, was da für Werbegelder schlummern."
Möglicherweise sind auch die Zuschauer bereit dafür Werbung zu akzeptieren. Immerhin stehen sie mittlerweile vor dem Problem, ein ganzes Bündel an Streaming-Abos abschließen zu müssen, wen sie die besten Formate sehen wollen. Nach einer Umfrage des Technologieunternehmens The Trade Desk würde die Hälfte der Befragten Werbung unter Umständen akzeptieren, wenn der Streamingdienst damit günstiger oder gar kostenlos wäre.
Experten hoffen deshalb, dass es dort schon bald schon buchbare Bewegtbildformate geben könnte. Denn, so Andrea Zenner: "Bewegtbildflächen im Netz sind ein rares Gut." Netflix selbst äußert sich hierzu nicht. Aber immerhin nähert man sich dem deutschen Markt an. In diesen Tagen wird in Berlin ein Office eröffnet. Bislang wurden die Geschäfte von Amsterdam aus geführt.



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