Soziale Netzwerke 11.02.2019, 13:42 Uhr

Neue Chefs, neue Werbeplätze, neue Player: Social Media in Bewegung

Von Instagram über Pinterest bis hin zu TikTok und WhatsApp: Es tut sich was bei den Sozialen Netzwerken, derzeit ist viel in Bewegung. Wir nennen die spannendsten Entwicklungen.
(Quelle: shutterstock.com/tanuha2001)
Die aktuellen Zahlen sorgten unter den Anlegern für Erleichterung: Bei Snapchat geht es wieder aufwärts. Zuletzt ­waren die User-Zahlen und die Umsätze kontinuierlich gesunken. Doch im vergangenen Quartal, so die offizielle Bilanz, konnte die Social-Media-Plattform ihren Nutzerschwund stoppen. 
Analysten wie Debra Aho Williamson vom Marktforscher eMarketer sehen ­darin eine Wende. Die Umstellung auf den automatisierten Werbeverkauf habe die Anzeigenpreise bei Snap gedrückt, so Williamson. "Jetzt aber erwarten wir, dass sich der Trend stabilisiert und langfristig wieder zu einem Anstieg der Anzeigenerlöse führt." Wenn Snap nun demnächst die überarbeitete Android App ausrolle, könne es wieder zu alter Stärke auflaufen.
Der Fall zeigt: Es gerät wieder Bewegung in die Landschaft der Social-Media-­Kanäle. Snapchat wurde lange gehypt, ­sollte sogar Facebook gefährlich werden. Dann aber verlor die Plattform viele ihrer überwiegend jungen Nutzer an Instagram. Diverse Features, wie die von Snapchat ­kopierte "Stories"-Funktion oder "IGTV", mit dem Videos bis zu einer Stunde Länge hochgeladen werden können, machten ­Instagram zur angesagtesten Social-­Media-Adresse. "In den letzten Jahren", so die Influencerin Laura Noltemeyer, "hat die Bedeutung von Instagram zugenommen."

TikTok: Werbekunden und Influencer stehen bereit

Jetzt aber tritt mit TikTok ein neuer Konkurrent auf die Social-Media-Bühne. Die App, mit der User kurze, musikalisch ­untermalte Clips aufnehmen und  ähnlich - wie bei Snapchat - mit optischen Filtern bearbeiten können, war hierzulande bis August unter dem Namen Musical.ly bekannt. Inzwischen soll die chinesische Kurzvideo-App weltweit bereits 130 Millionen User haben, davon vier Millionen in Deutschland, die meisten von ihnen im Teenager-Alter. Nach einem Ranking des Start-ups Priori Data war TikTok in Deutschland im Januar (nach "Color Bump 3D") die beliebteste App im ­Google Play Store: Sie wurde knapp 1,2 Millionen Mal heruntergeladen.
TikTok: erste Versuche mit Werbung
(Quelle: Screenshot/Twitter/teedamc)
Tatsächlich weist viel darauf hin, dass TikTok der nächste "heiße Scheiß" wird. Zahlreiche Influencer stehen bereits in den Startlöchern, um dort einen Kanal zu betreiben. Unternehmen wie Red Bull sind schon mit einem Channel aktiv. Der 16-jährige Agenturchef Charles Bahr, der derzeit ein gefragter Speaker auf Marketing-Kongressen ist, rät Markenartiklern dringend, TikTok werblich zu nutzen und darüber Teenager anzusprechen. "Die Aufmerksamkeit ist derzeit überpropor­tional günstig", so Bahr auf dem deutschen Medienkongress in Frankfurt.

WhatsApp: Werbung zwischen den Stories

Auch WhatsApp, das mit Abstand meistgenutzte Social Network in Deutschland, will nicht länger warten. Am 1. Februar lief eine Vereinbarung mit den Gründern aus, die dem Messenger-Dienst bis zu diesem Zeitpunkt die Werbefreiheit sicherte. Noch ist unklar, wann Unternehmen die ersten Ads buchen können und wie diese aussehen werden. Einiges deutet aber darauf hin, dass die Ads nicht in den Chat-Blasen auftauchen werden, wohl aber zwischen den Stories der User.
Auch das Bildernetzwerk Pinterest will hierzulande in das Anzeigengeschäft einsteigen. Im April tritt dort Philip Missler an, der bisherige Vermarktungschef von Amazon in Deutschland. Er soll in der DACH-Region für Pinterest ein Sales-Team aufbauen und zusammen mit Markenartiklern an Konzepten arbeiten, die deren Umsätze steigern. Er freue sich, ­einem Unternehmen beizutreten, das er lange bewundert habe, wird Missler von W&V zitiert. Jetzt wolle er das Anzeigenprogramm von Pinterest auf den deutschsprachigen Raum ausweiten.

Facebook: Ausbau des Werbegeschäfts

Tiktok, WhatsApp, Pinterest: Es ist zu erwarten, dass in den nächsten Monaten weitere Teile der Werbeetats auf soziale Netzwerke umgeschichtet werden, allein deswegen, weil die Kunden dort auf Möglichkeiten zugreifen können, die sie vorher nicht hatten. Auch Snapchat verstärkt ­unter der Regie von Marianne Bullwinkel seine Anstrengungen, Werbekunden zu gewinnen - zuletzt mit einer Studie zum Automarkt. Diese ergab, dass vor allem in den Familien viel über den Kauf eines Neuwagens debattiert wird, in denen Teenager leben, die Snapchat nutzen. Es werde Zeit, so Bullwinkel, die Generation Z und damit auch die Snapchat-Nutzer ernst zu nehmen.
Und Facebook? Wie reagiert das Netzwerk, das weltweit immerhin 48 Milliarden Euro mit Werbung umsetzt, auf die jüngsten Entwicklungen? Mit einer Personalie. Seit wenigen Tagen hat das Netzwerk endlich wieder einen Deutschland-Chef. Es ist Tino Krause, bis vor Kurzem Chef der größten deutsche Media-Agentur Mediacom. Sein Job: Das Geschäft mit den Werbekunden ausbauen.



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