Netflix-Angriff 25.06.2018, 12:00 Uhr

ProSiebenSat.1 baut lokale Streaming-Plattform

Kein deutscher Player will Netflix und Amazon den lukrativen Streaming-Markt alleine überlassen: Wie viel Hoffnung die großen Medienhäuser auf das Segment Online Video setzen, zeigen die neuesten Vorstöße der RTL- und ProSiebenSat.1-Gruppe.
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Nicht nur auf dem internationalen, auch auf dem nationalen Markt ist der Kampf um die Gunst der Streaming-Nutzer längst entbrannt. Das zeigen die aktuellen Bemühung der RTL-Gruppe und ProSiebenSat.1. Erstere gab jüngst bekannt, ein eigenes Video-on-demand-Angebot für ein Massenpublikum an den Start bringen zu wollen - und auch ProSiebenSat.1 geht jetzt stärker in die Offensive.
Zusammen mit Discovery - Anbieter von Real-Life-Entertainment - will das Medienhaus ein neues Portal launchen, das 7TV, maxdome, Eurosport Player und andere Inhalte streamt. Geplant ist eine OTT-Plattform, die ein "Entertainment-Paket mit Live-Streaming, einer Mediathek mit deutschen Inhalten und dem Besten aus Hollywood sowie qualitativ hochwertige Sportübertragungen" bietet. OTT steht dabei für "Over-the-top" und bezeichnet die Online-Übermittlung von Video- und Audioinhalten, ohne dass ein Internet-Service-Provider in die Kontrolle oder Verbreitung der Inhalte involviert ist.

Ziel: Zehn Millionen Nutzer

Neben einem breiten werbefinanzierten Angebot soll es auch ein kostenpflichtiges werbefreies Paket sowie Premiumpakete mit Zugang zu exklusiven Sportübertragungen und Filmen geben. ProSiebenSat.1 und Discovery wollen nicht nur maßgeschneiderte Inhalte entwickeln, sondern auch in den Ausbau der Plattform investieren.
Der Aufbau eines Teams von über 200 Experten soll den Start der Plattform in der ersten Jahreshälfte 2019 unterstützen. Das neue Joint-Venture-Team arbeitet unter der Leitung von Alexandar Vassilev, der zuvor bei Google und YouTube war. Max Conze, CEO von ProSiebenSat.1, wird Vorsitzender des Gesellschafterbeirats des Joint Ventures. Discovery wird von Jean Briac Perrette, President und CEO Discovery Networks International, im Beirat vertreten sein.
Max Conze, CEO von ProSiebenSat.1, wird Vorsitzender des Gesellschafterbeirats des Joint Ventures.
(Quelle: ProSiebenSat.1)
ProSiebenSat.1 und Discovery wollen nach eigenen Angaben "die führende Streaming-Plattform für Deutschland aufbauen" - mit dem Ziel, in den ersten zwei Jahren zehn Millionen Nutzer zu gewinnen. "Wir werden die entsprechenden Ressourcen und Mittel dafür einsetzen. Ich lade hiermit RTL, ARD und ZDF ein, mit uns gemeinsam einen deutschen Champion zu schaffen. Dies ist nur der Beginn unseres Weges. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln", so Max Conze.

Auch RTL baut aus

Der Aufruf an die RTL-Gruppe kommt nicht von ungefähr. Diese will selbst mit ihrem Videoangebot Netflix Paroli bieten und zum Massenanbieter werden. "Deswegen ist es wichtig, unsere Investitionen deutlich zu erhöhen und auch mehr Risiko zu wagen." In Deutschland will der Sender sein Videoangebot TV Now in diesem Winter mit einem neuen, deutlich erweiterten Angebot ausbauen.
"Wenn wir für Deutschland eine Massenmarke aufbauen wollen, wie es Netflix global ist, müssen wir dabei vor allem in lokale Inhalte investieren", sagte Habets. Liebhaber von Serien sollten genauso bedient werden wie Kunden, die sich mehr für Shows oder für Reality TV interessierten. Der Preis bleibe "auf jeden Fall ein einstelliger Eurobetrag im Monat".
Die ProSiebenSat1-Transaktion bedarf noch der Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden.



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