Julian von Eckartsberg, Stylight 18.06.2019, 08:08 Uhr

"Viele Marken-Shops wollen sich eigene Reichweiten aufbauen"

Stylight ist eine Aggregationsplattform, auf der User Produkte von Online Shops von Retailern und Marken finden. Diese profitieren vom zusätzlichen Traffic und können sich Amazon-unabhängige Reichweiten aufbauen. CEO Julian von Eckartsberg erklärt das Modell.
Julian von Eckartsberg, CEO Stylight
(Quelle: Stylight)
Einen großen Hype erleben derzeit Inspirationsplattformen wie Pinterest und Instagram. Davon profitieren Online-Händler - Stichwort Social Commerce - aber auch Aggregationsplattformen wie Stylight. Das Portal wurde 2008 von vier Studenten in München gegründet. Inzwischen gehört Stylight zur ProSiebenSat.1-Tochter NuCom und hat fast 30 Millionen Produkte aus über 1.250 Online Shops von Retailern und Marken auf seiner Seite.
Julian von Eckartsberg, CEO Stylight, erklärt, was die Strategie seines Unternehmens ist, warum sie nicht gegen Amazon kämpfen und warum Google Shopping ein klassischer "Frenemy" ist.
"Online-Shopping-Plattform", "Modesuchmaschine", "Aggregationsplattform": Für Ihr Geschäftsmodell findet man im Netz viele Begriffe. Was ist Stylight denn nun genau?
Julian von Eckartsberg: Im Kern sind wir eine Aggregationsplattform für die Mode- und Lifestyle-Branche. Wir haben fast 30 Millionen Produkte aus über 1.250 Online Shops von Retailern und Marken auf unserer Plattform. Diese strukturieren und personalisieren wir so, dass der Nutzer die für ihn bestmögliche Auswahl zum gesuchten Produkt erhält.
Gibt es bei so vielen Shops überhaupt eine klar definierte Zielgruppe?
von Eckartsberg: Die gibt es. Unsere Kernzielgruppe, die ungefähr 70 Prozent ausmacht, sind weibliche Nutzer zwischen 20 und 35 Jahren, die gut ausgebildet und kaufkräftig sind. Entsprechend führen wir auch viele Luxusmarken. Doch natürlich personalisieren wir und sprechen aufgrund unseres breiten Portfolios weitere Zielgruppen an. Insgesamt erreichen wir monatlich mehr als zwölf Millionen Nutzer.
Wie finanziert sich Stylight?
von Eckartsberg: Unsere Partner sind die Online Shops. Auf deren Webseiten verlinken wir mittels UTM-Parametern. Die Abrechnung erfolgt über ein CPC-Modell. Von unserem Marketing-Mix profitieren die Shops enorm. Unser Ziel ist es, Traffic zu liefern, jeder Klick muss konvertieren. Damit haben wir im Gegensatz zu einem CPO- oder CPA-Modell einen großen Anreiz, eine gute Performance und einen guten ROI zu liefern, um für Shops ein bevorzugter Partner zu sein.

"Wir kämpfen nicht gegen Amazon"

Wie ist das Verhältnis der Shops und Marktplätze auf Ihrer Plattform?
von Eckartsberg: Etwas mehr als die Hälfte sind klassische Retailer wie Yoox, Net-a-Porter, Asos oder Otto.de. Das ist unsere DNA. Sehr nachgefragt sind Marken-Shops, eines unserer größten Wachstumsfelder. Denn viele Hersteller wollen unabhängiger von Amazon und Retailern werden und eigene Reichweiten aufbauen. Für Marken wie Gucci, Burberry und Co sind wir damit der logische Partner. Daneben gibt es bei uns ein paar weitere ausgewählte große Marktplatz-Partner wie Amazon oder Farfetch.
Kannibalisieren sich die einzelnen Teilnehmer da nicht gegenseitig?
von Eckartsberg: Nein, denn wir kämpfen nicht wie 99 Prozent der Marken und Retailer gegen Amazon. Unser Ziel ist es, die Reichweiten der Shops zu vergrößern. Dabei haben wir maßgeschneiderte Tech- und Marketing-Lösungen für Shops und Marken aller Größenordnungen im Programm. Gerade die kleineren und mittleren Shops profitieren massiv und generieren mit uns deutlich höheren Traffic. Die Alternative für sie wäre es, auf Amazon zu verkaufen - das wollen sie aber meist nicht. Wir bieten ein markensicheres Umfeld mit einer konzentrierten Zielgruppe, was von unseren Partnern sehr geschätzt wird.
Haben Sie so etwas wie eine "Best-Preis-Garantie"?
von Eckartsberg:
Wir bieten unseren Nutzern einen Mehrwert, indem wir sie einladen, neue Produktwelten zu entdecken und sich inspirieren zu lassen. Bei uns gibt es aber auch Preisvergleiche, Rabatte oder Sales-Aktionen wie in unserem "House of Sneakers". Wir sind einer ersten und wenigen Anbieter mit funktionierendem Preisvergleich im Fashion-Segment. "House of Sneakers" stellt ein absolutes Pionierprojekt dar, das unsere Innovationsfähigkeit unterstreicht, und derzeit enorme Zuwachsraten verzeichnet.
Stylight gehört seit 2016 zu ProSiebenSat.1. Wie ist das Verhältnis?
von Eckartsberg: Sehr gut. ProSiebenSat.1 ist mit einer Minderheitsbeteiligung bei uns eingestiegen und hält über die NuCom Group heute 100 Prozent. Die NuCom ist Sparrings-Partner und unterstützt uns dabei, unsere Ziele zu erreichen, unser Wachstum und die Internationalisierung voran zu treiben. Bei strategischen Themen kooperieren wir eng und partnerschaftlich, operativ sind wir weitestgehend unabhängig.



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