Das Ende des Anschreibens? 26.06.2018, 11:12 Uhr

Recruiting: Unternehmen vereinfachen Bewerbungsprozess

Wer einen Job sucht, hängt meist eine ganze Weile am Bewerbungsschreiben. Selbst was ausdenken oder kopieren? Manche Unternehmen verabschieden sich davon und machen so die Online-Bewerbungen einfacher.
(Quelle: shutterstock.com/Rawpixel.com)
Darüber hat sich bei der Jobsuche wohl jeder schon mal den Kopf zerbrochen: Was schreibe ich als ersten Satz ins Bewerbungsschreiben? Wer nicht lange rumschwafeln will oder sich mit Formulierungen schwer tut, hält sich oft an die Standardzeile: "Hiermit bewerbe ich mich um...". So oder so, ein Anschreiben gilt bisher als Pflicht. Das könnte sich aber langsam ändern.
Die Deutsche Bahn zum Beispiel will bei angehenden Azubis künftig auf das Bewerbungsschreiben verzichten. Ab Herbst soll es möglich sein, über eine Online-Plattform nur noch Lebenslauf und Zeugnisse einzureichen. "Wir wollen es den Bewerbern so einfach wie möglich machen", sagt Personalerin Carola Hennemann.
Sie leitet die Personalgewinnung in Baden-Württemberg und ist bundesweit für die Einstellung von Ingenieuren zuständig. Der Staatskonzern sucht händeringend neue Mitarbeiter, weil Tausende Kollegen in den Ruhestand gehen. Allein dieses Jahr sollen rund 19.000 Kollegen eingestellt werden, darunter 3.600 Auszubildende.
"Für Schüler ist so ein Motivationsschreiben schon schwierig", sagt Hennemann. Auch andere seien froh, wenn sie nicht so viel schreiben müssten. "Wir prüfen die Motivation der Bewerber sowieso noch mal in einem Gespräch ab." Der Konzern überlegt, bei welchen Berufsgruppen er noch auf das Motivationsschreiben verzichten könnte.

Lufthansa überdenkt das Anschreiben

Auch die Lufthansa überdenkt das Anschreiben. Sie verlangt es noch von Azubis. Bei verschiedenen Berufsgruppen aber reicht seit Frühjahr eine Kurzbewerbung ohne das klassische Anschreiben, etwa bei Flugbegleitern oder IT-Mitarbeitern. Das solle ausgeweitet werden, sagte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. "Die Motivation lässt sich sehr gut im Bewerbungsgespräch abfragen."
Auch bei der Drogeriemarktkette Rossmann brauchen manche Gruppen seit rund einem Jahr kein Anschreiben mehr. "Letztendlich liegt es beim Bewerber, ob er uns ein Anschreiben schicken möchte", erklärt Sprecherin Nadine Leinewerber. Bei Azubis interessiere sie dagegen die Motivation noch. Der Softwarekonzern SAP legt nach eigenen Angaben ebenfalls weniger Wert auf alte Formalitäten.
Stattdessen sei wichtig, was Kandidaten als Individuum ausmache, sagt SAP-Personalchef Cawa Younosi. "Die Form, wie das transportiert wird, ist nachrangig." Ob mit oder ohne Anschreiben, online per LinkedIn-Profil oder digitalem Lebenslauf; Vorstellung per Video oder klassisch. "Wir wollen keine Barrieren schaffen, die besten Talente für uns zu gewinnen." Auch die Berliner Verkehrsbetriebe BVG prüfen, ob sie bei Azubis das Anschreiben streichen.
Andere Unternehmen halten dagegen am Bewerbungsschreiben fest. Beim Autobauer Daimler und der Berliner Stadtreinigung ist das Anschreiben noch gefragt. Die Post plant auch keine Änderung. Und auch der Medizinkonzern Fresenius verlangt von Azubis weiterhin ein klassisches Bewerbungsschreiben. "Es hilft, sich ein besseres Bild vom Bewerber zu machen", sagt ein Sprecher am Montag.



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