Influencerin Laura Noltemeyer 12.03.2019, 14:12 Uhr

"Ich glaube, dass es ­Influencer Marketing immer geben wird"

Unternehmen wollen immer öfter längerfristig mit Influencern zusammenarbeiten. Zudem prüfen sie inzwischen genau, ob sich das Engagement wirklich rechnet. Ein Gespräch mit der Bloggerin Laura Noltemeyer.
(Quelle: Designdschungel)
Laura Noltemeyer gehört zu den erfolgreichsten Influencern in Deutschland. Nach einem Masterabschluss in Architektur startete sie 2014 den Blog "Design­dschungel", in dem sie über Fashion, Lifestyle, Reisen und Design berichtet. Sie ­arbeitet mit Unternehmen wie L’Oréal, Sensai und Westwing zusammen und ist ein gefragtes Gesicht für Werbekampagnen. Zudem designt sie eine eigene Tapeten- und Schmuckkollektion und hat mit ihrem Partner Julian Pabel vor einem Jahr die Agentur Influencing 101 gegründet.
Frau Noltemeyer, traditionell gibt es zu Jahresbeginn auch immer zahlreiche Trend-Prognosen. In diesem Kontext war zu lesen, dass Influencer Marketing seinen Zenit überschritten habe. Ich nehme an, Sie sehen das anders?
Laura Noltemeyer: Ich glaube, dass es ­Influencer Marketing immer geben wird. Ich glaube, die Branche verändert sich ­gerade, weil sie professioneller wird. Ich glaube aber auch, dass die Influencer ­gezwungen sind, guten Content zu schaffen, der einen Mehrwert für ihre Follower bietet. Sie müssen den Lesern das Gefühl geben, dass es ihnen was bringt, wenn sie sich ihren Kanal ansehen. Für alle, die das nicht so machen, wird es schwierig. Aber Influencer, die interessante Inhalte zeigen, wird es immer geben.
Aus Ihrer Sicht: Welche Trends zeichnen sich derzeit ab?
Noltemeyer: Erstens kommt es zwischen Influencern und Brands immer öfter zu ­einer langfristigen Zusammenarbeit. Man produziert nicht nur einmalig Content, sondern denkt und plant für einen langfristigen Zeitraum. Dabei können vor allem der Marketingplan des Unternehmens mit einbezogen und kreative Ideen der Umsetzung für bestimmte Trends seitens des Unternehmens integriert werden. Manchmal wird ein Influencer sogar Ambassador, also Werbegesicht einer Marke. Dadurch wird alles viel authentischer und es entsteht bestenfalls eine starke Beziehung zur Marke.
Ein zweiter Trend ist, dass die Performance immer genauer getrackt wird. Brands schauen sich sehr genau an, mit welchen Influencern es am besten läuft, wer am besten zu ihnen passt. Und drittens wird immer stärker auf Persönlichkeit geachtet. Influencer werden also nicht mehr nur nach ihrer Reichweite aus­gewählt, sondern auch danach, was sie in ihrer Freizeit machen, wie sie sich nach ­außen präsentieren und ob ihre Persönlichkeit zur Brand-ID oder den Werten des Unternehmens passt.
Diese längerfristige Zusammenarbeit: Ist dies ein Wunsch der Influencer oder geht das von den Marken aus?
Noltemeyer: Da spielen mehrere Faktoren mit. Wir bei Designdschungel achten seit langer Zeit schon darauf, dass wir nur längerfristige Sachen machen. Aber auch Firmen wünschen sich, dass man nicht nur einmal auf dem Kanal gesehen wird und dann wieder weg ist, sondern öfter, damit man auch mit der Marke in Verbindung gebracht wird. Wir achten auch auf einen permanenten Austausch, damit man sich immer wieder anpassen kann. Ein logischer Effekt ist die engere Verbindung zur Marke. Ich merke dies am Feedback meiner Leser. Sie fragen mich immer wieder explizit nach Brands, mit denen ich schon länger zusammenarbeite. Es ist also ein Win-win für alle Beteiligten.
Was bedeutet längerfristig? Ist das ein Zeitraum von Monaten oder einem Jahr?
Noltemeyer: Das kommt auf das Produkt an. Wir machen es meistens so, dass wir mit drei Monaten anfangen. Wir haben aber auch Verträge über ein Jahr oder länger.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch: Ein Influencer sollte sich gut überlegen, für welche Marke er wirbt. Denn er geht eine Beziehung ein.
Noltemeyer:
Genau. Es bedeutet zudem auch, dass er mit weniger Brands zusammenarbeitet. Also nicht: Heute ist die Marke A cool, morgen die Marke B. Er muss sich festlegen. Ich würde auch nichts empfehlen, was mir nicht gefällt. 
Was bedeutet es für einen Influencer, wenn alles genauer getrackt wird: Muss er sich besser an die Wünsche der Kunden anpassen, weil er sonst seinen Job wieder los ist?
Noltemeyer: Das würde ich so nicht sagen. Es geht einfach darum zu prüfen, ob die Leserschaft des Influencers zur Marke passt. In den vergangenen Jahren war es so, dass die Brands vor allem auf reichweitenstarke Influencer fixiert waren. Die hatten zwar eine große Followerschaft, aber nicht den hundertprozentigen Brand-Fit. Das ändert sich gerade. Unternehmen merken, dass es nicht unbedingt ein reichweitenstarker, internationaler Influencer sein muss. Ein lokaler Influencer kann das Produkt vielleicht viel besser promoten. 
Laura Noltemeyer ist übrigens auch Speakerin auf der INTERNET WORLD EXPO. Diese findet am 12. und 13.3 in München statt. Holt euch noch schnell ein kostenloses Ticket!
L. Noltemeyer auf Instagram
(Quelle: Instagram/Designdschungel)



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