Moses Velasco von Socialbakers 12.07.2018, 11:01 Uhr

"Der Facebook-CPC in Deutschland ist höher als im weltweiten Durchschnitt"

Werbungtreibende sollten auf Facebook deutlich relevantere Inhalte posten, wenn sie ihre Kosten im Griff haben wollen. Ein Interview mit Moses Velasco, Chief of Strategy bei der Social Media Marketing-Plattform Socialbakers.
Moses Velasco, Chief of Strategy bei Socialbakers, Prag
Vor rund 100 Tagen wurde Facebook durch den Cambrigde-Analytica-Skandal erschüttert. Welche Auswirkungen hatten die Schlagzeilen?
Moses Velasco:
Wir haben unmittelbar nach Bekanntwerden eine kurze Zurückhaltung unter den Usern verspürt, Inhalte zu posten. Und wir haben eine kleine Delle beim Paid Content bemerkt. Das aber war ein saisonaler Rückgang und hat sich sehr schnell wieder gegeben und auf normalem Niveau eingependelt. Wir haben nur sehr wenig Verwirrung unter Marken und Unternehmen feststellen können. Facebook ist einfach so groß und hat so unglaublich viele Nutzer, dass Werbungtreibende, die Reichweite, Awareness und Engagement suchen, daran nicht vorbeikommen. Also: Die Auswirkungen waren nur sehr gering.
Gibt es denn keine Alternativen?
Velasco:
Doch. Wir stellen seit einiger Zeit einen starken Zuwachs der Werbeausgaben auf Instagram fest. Das steht nicht unmittelbar in Zusammenhang mit dem Cambridge-Analytica-Skandal. Instagram ist unabhängig davon gerade dabei, mit seiner Performance die Nummer eins unter den Social-Media-Kanälen zu werden. Das Engagement ist dort dreimal so hoch wie auf Facebook und die Marken gehen bekanntlich dorthin, wo die Nutzer sind und ihre Zeit und Aufmerksamkeit verbringen.
Hängt das nicht auch von den Zielgruppen ab?
Velasco:
Das hängt von der Branche ab. Beauty, Fashion und Retail sind stark auf Instagram aktiv, weil sie dort ein höheres Engagement als auf Facebook erzielen können. Facebook sollten wir eher als Advertising-Channel sehen. Dort sind die Medien sehr präsent, weil viele User Facebook als einzige Newsquelle nutzen. Facebook ist ihr tägliches Nachrichten-Update. Wenn ich dagegen wunderbare Landschaften, gut aussehende Menschen und eindrucksvolle Fotos sehen will, gehe ich auf Instagram.
Gibt es eigentlich typische Eigenheiten des deutschen Marktes?
Velasco:
Unsere Daten zeigen, dass der Cost-per-Click (CPC) in Deutschland höher ist als im weltweiten Durchschnitt. Das liegt daran, dass der Content, der hierzulande gepostet wird, unter den Usern zu wenig Engagement hervorruft. Facebook aber belohnt Engaging Content. Deshalb steigt der CPC, wenn Inhalte gepostet werden, die keine Resonanz hervorrufen. Marketers in Deutschland sollten dies als klare Botschaft verstehen: Sie müssen sicherstellen, dass ihr Content relevant, zielgruppengenau und ansprechend ist. 
Was ist eigentlich mit Snapchat? Vor zwei Jahren gab es noch einen regelrechten Hype um den Kanal…
Velasco:
Snapchat ist immer noch sehr gefragt, vor allem bei den Generation Z. Doch die Bedeutung als Kanal für Marketers nimmt ab. Der Grund ist, dass sich Snapchat nie wirklich für Werbung geöffnet hat, Marken konnten dort nie wirklich ihre Performance messen. Als dann auch Instagram die Stories anbot, setzte dort ein regelrechter Aufschwung ein. Heute hat Instagram eine Milliarde User. Die Performance in Zusammenarbeit mit Influencern ist nirgendwo so hoch wie auf Instagram, nicht einmal auf YouTube.



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