Donata Hopfen von Verimi 12.04.2018, 14:03 Uhr

"Wir müssen dringend europäische Lösungen finden"

Nicht jeder Publisher oder jeder Adserver-Betreiber kann eine eigene Nutzer-Einwilligung erreichen. Deswegen formen sich Allianzen. Welche gibt es und welche werden sich durchsetzen?
Donata Hopfen, Ex-Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung Bild-Gruppe und seit Oktober 2017 CEO von Verimi
(Quelle: Axel Springer )
Europäische Datenallianzen sind gerade der Trend schlechthin, um US-Playern wie Google und Facebook endlich in Ansätzen Paroli bieten zu können, und um der baldigen Umsetzung der neuen DSGVO gerecht zu werden. Auch auf der Programmatic-Konferenz d3con stand das Thema im Mittelpunkt.
In Deutschland stehen derzeit zwei Bündnisse im Fokus. Die Identitätsplattform Verimi ging erst vor wenigen Tagen an den Start. Dahinter stehen der Versicherungskonzern Allianz, Daimler, der Medienkonzern Springer, die Deutsche Telekom, die Lufthansa sowie der Sicherheits-Spezialist Giesecke+Devrien. Von den Verimi-Partnern haben zunächst die Deutsche Bank und die Bundesdruckerei den Dienst eingebunden.
Das heißt: Konnte sich der Nutzer auf der Webseite der Deutschen Bank bisher nur mit seinen normalen LogIn-Daten für das Online Banking anmelden, hat er nun zusätzlich über den grünen Button die Option, den zentralen Verimi-LogIn zu nutzen.
Verimi möchte langfristig gesehen so eine digitale Identität, einen "digitalen Zwilling" für jeden Nutzer aufbauen. Das ist für CEO Donata Hopfen auch der Dreh- und Angelpunkt für die weitere Digitalisierung. Mit der E-Signature, dem zentralen SignIn, soll das Thema Sicherheit und Transparenz gestärkt werden. Ziel ist es nun, schnellstmöglich Reichweite aufzubauen.

European Net-ID Foundation und E-Commerce-Bündnis

Ein ähnliches Konzept steckt hinter der European Net-ID Foundation der Medienkonzerne ProSiebenSat.1, RTL und United Internet. Wie Thomas Duhr, Executive Vice-President Interactive beim RTL-Vermarkter IP Deutschland, erklärt, sei der wesentliche Unterschied der, dass die Net-ID eine Stiftung sei und ein offenes Rollenmodell fahre. Es gebe keine Gesellschafterstruktur wie bei Verimi.
Zudem liege der Fokus eher auf Marketing- und Advertising-Seite sowie auf dem sogenannten Consent Management, bei dem der Nutzer entscheidet, ob er die Angebote annehmen möchte. Er kann über die Net-ID seine Zustimmungen verwalten. In der Theorie gebe es laut Duhr aktuell rund 30 bis 40 Millionen Accounts, die Net-ID-fähig wären. Tatsächlich aber ist die Net-ID noch nicht live - möglicherweise der entscheidende Vorsprung für Verimi. Oder, wie es Donata Hopfen spitz formulierte: "Das Gute an der Net-ID ist, dass es sie noch nicht gibt."
Nicht nur Facebook und Google sind für deutsche und europäische Unternehmen ein Dorn im Auge. Auch Amazon sorgt auf E-Commerce-Seite für beträchtlichen Ärger. Um hier vor allem kleinere Retailer zu unterstützen, will Criteo mit weltweit rund 20.000 Händler-Kunden eine Art eigene Allianz aufbauen. Stimmt der E-Commerce-Anbieter zu, werden Daten anonymisiert weitergegeben, so dass ein Netzwerk-Kunde vom anderen profitieren soll.

Nicht vorschnell agieren

Solche Datenallianzen sind schön und gut, meinte dazu Tobias Wegmann, Chief Technical Officer bei Prex Programmatic Exchange, einem Joint Venture von Plan.Net und Mediaplus. Er warnt jedoch davor, sich vorschnell in ein komplettes OptIn-Modell zu flüchten. Denn die DSGVO sei erstmal noch keine Gefahr für die Ausspielung datenbasierter Kampagnen.
Zudem muss der Vorteil für den Nutzer klar werden. Der liege aber auf der Hand, sagte Alexander Gösswein von Criteo. Die wesentlichen Punkte würden hier "Transparenz, Kontrolle und Einfachheit" lauten. "Der Mehrwert liegt darin, dass man kann, wenn man will", ergänzte Hopfen von Verimi.
Eine Frage stand dann aber doch noch im Raum: Wird es irgendwann eine mögliche Allianz aus Verimi und Net-ID geben? Grundsätzlich sind sowohl Duhr als auch Hopfen offen für Bündnisse - denn aus User-Sicht sei ein Button einfacher als viele verschiedene. Allerdings gebe es akutell doch noch die genannten, zu unterschiedlichen Schwerpunkte. Hopfen machte aber auch klar, dass der Fokus ohnehin ein anderer sein müsse: "Am Ende geht es weder um Verimi, noch um die Net-ID, sondern schlicht darum, dass wir europäische Lösungen finden", so die klare Botschaft von Hopfen, die auch bei allen Teilnehmern auf große Zustimmung stieß.



Das könnte Sie auch interessieren