Strategische Partnerschaft 12.06.2019, 13:45 Uhr

Investor KKR steigt bei Axel Springer ein

Der Investor KKR steigt bei Axel Springer ein. Aktionären soll ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Preis von 63 Euro je Aktie gemacht werden. Das Medienhaus will sich mit KKR strategische und finanzielle Unterstützung ins Haus holen.
(Quelle: shutterstock.com/Stephan Schlachter)
Axel Springer hat eine Investorenvereinbarung mit Traviata II S.à r.l getroffen. Dahinter steht eine Holding-Gesellschaft, die wiederum im Besitz von Fonds ist, die von der US-Beteiligungsgesellschaft KKR gehalten werden. Der Investor KKR will der Vereinbarung nach mit Axel Springer den Aktionären ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot zum Preis von 63 Euro je Aktie machen und mit mindestens 20 Prozent für mindestens fünf Jahre Aktionär von Springer werden.
Die strategische Partnerschaft und das Angebot von KKR seien das Ergebnis einer Überprüfung strategischer Optionen und stünden im Zusammenhang mit der Wachstumsstrategie. Soll also heißen, Axel Springer holt sich mit KKR strategische und finanzielle Unterstützung ins Haus, um künftige "Wachstumsprojekte" umsetzen zu können.

Schwächen bei der wirtschaftlichen Entwicklung 2019

Denn finanziell läuft es aktuell nicht so befriedigend: Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung verlaufe 2019 schwächer als geplant, "wodurch die Erlösentwicklung vor allem bei den Job Classifieds schwächer ausfällt." Hieraus und aus der zwischenzeitlich in Frankreich verabschiedeten Digitalsteuer ergebe sich eine teilweise Anpassung der für 2019 erwarteten Umsätze und Erlöse.
Der Konzernumsatz soll im Geschäftsjahr 2019 auf berichteter Basis im niedrigen einstelligen Prozentbereich zurückgehen und organisch im niedrigen einstelligen Prozentbereich ansteigen. Das bereinigte EBITDA soll einen Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich zeigen respektive organisch auf Vorjahresniveau liegen. Der Umsatz im Segment Classifieds Media soll berichtet auf Vorjahresniveau liegen bis zu einem Anstieg im niedrigen einstelligen Prozentbereich und organisch im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich ansteigen.
Vorstand und Aufsichtsrat heißen die Offerte daher willkommen. "Vorbehaltlich der sorgfältigen Prüfung der Angebotsunterlage und der Wahrnehmung ihrer gesetzlichen Verpflichtungen gehen Vorstand und Aufsichtsrat von Axel Springer davon aus, in ihrer begründeten Stellungnahme den Aktionären des Unternehmens zu empfehlen, das Angebot anzunehmen", heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

Zukünftige Unternehmensführung

Die derzeitigen Aktionäre Friede Springer, die 42,6 Prozent der Anteile kontrolliert, und der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, der 2,8 Prozent der Anteile besitzt, haben mit KKR gesondert vereinbart, ihre Beteiligungen an der Axel Springer SE zu behalten.
Die Aktionärsvereinbarung ist abhängig vom Abschluss des Angebots. Es sollen aber keine Entscheidungen auf Gesellschafterebene ohne die Zustimmung von Friede Springer getroffen werden können. Die Kontinuität "in Bezug auf die Governance und die Unternehmensführung" sei damit gewährleistet.
Die derzeitigen Vorstandsmitglieder von Axel Springer sollen auch weiterhin das Unternehmen führen. Der Aufsichtsrat setzt sich auch in Zukunft unter der Führung des derzeitigen Vorsitzenden Ralph Büchi aus neun Mitgliedern zusammen. Unter der Voraussetzung, dass das Angebot erfolgreich ist und alle Bedingungen erfüllt werden, will KKR aber eine "angemessene" Vertretung im Aufsichtsrat von Axel Springer einnehmen.

"Hervorragende strategische Perspektive"

"Der Vorstand begrüßt eine mögliche Partnerschaft mit KKR, da sie für das Unternehmen eine hervorragende strategische Perspektive eröffnet. Unsere Wachstumspläne werden in den nächsten Jahren erhebliche Investitionen in Mitarbeiter, Produkte, Technologie und Marken erfordern", so Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer. Durch die strategische Partnerschaft mit KKR könne man erhebliche Wachstumschancen ergreifen, "da wir uns zusätzliche finanzielle Ressourcen erschließen und uns zugleich von der reinen Fokussierung auf kurzfristige Finanzziele lösen."
KKR operiert in nahezu allen Branchen und war unter anderem Mehrheitseigner der Duales System Deutschland AG, der Autowerkstattkette ATU oder der Bertelsmann-Tochter BMG Rights Management sowie von ProSiebenSat.1. Aktuell ist KKR über die Holding Acceleratio an der GfK beteiligt. Auch im Filmgeschäft tummelt man sich: Im Februar übernahm der Investor die Tele München Gruppe, Universum Film, I&U TV und Wiedemann & Berg Film. Daraus soll eine Mediengruppe unter der Führung von Fred Kogel entstehen.



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