Gastkommentar 20.09.2018, 10:48 Uhr

Hat der Job als Affiliate Manager noch Zukunft?

Philip Kopp arbeitet seit elf Jahren im Affiliate Marketing. Erzählt er von seinem Beruf, erntet er oft mitleidige Blicke oder Stirnrunzeln. Als "hip" gilt sein Job in Zeiten von Social Media und Programmatic Advertising nicht. Das war früher anders.
Philip Kopp, Head of Affiliate Marketing bei netzeffekt
(Quelle: netzeffekt)
Von Philip Kopp, Head of Affiliate Marketing bei netzeffekt
Ich arbeite seit über elf Jahren im Affiliate Marketing bei einer Performance-Agentur. Wenn ich heute jemandem von meinem Job erzähle, ernte ich oft mitleidige Blicke oder Stirnrunzeln. In Zeiten von Social Media, Programmatic Advertising und Influencer Marketing ist man mit meiner Jobbezeichnung nicht gerade Hipster. Das war früher anders und zeigt mir, dass sich meine Position sowie das gesamte Berufsbild in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert hat.

Affiliate - der Performance Star

Früher kamen die Affiliates quasi von alleine und ich hatte schnell ein breites Portfolio an SEO-Affiliates, Preisvergleichen, Deal- und Gutscheinseiten, die konstanten Traffic lieferten. Meine Sorge war nicht die Traffic-Beschaffung, sondern die Qualität.
Bei der Kommunikation mit meinen Kunden konzentrierten wir uns auf die Zahlen in meinem System, ansonsten ließ man mir weitgehend freie Hand. Einblicke in die Gesamtstrategie oder die übergreifenden Werbekampagnen meines Kunden bekam ich nicht. Wozu auch, das Programm lief auch so sehr erfolgreich.
Als einzigen weiteren Performance-Kanal wurde oft auf SEA gesetzt. Das führte dazu, dass mein größter Konkurrent auf der Jagd nach dem letzten Klick (Last Cookie wins-Prinzip) nicht selten mein eigener Kollege aus der SEA-Abteilung war. Statt miteinander die beste Lösung für den Kunden zu finden, wetteiferten wir um die Führung im Performance Marketing.

Früher war alles besser. Oder nur leichter?

Warum konnten wir damals mit relativ geringen Anforderungen so gute Ergebnisse erzielen? Einer der Hauptgründe ist Google - die Suchmaschine war damals noch ein Paradies für SEO-Affiliates. Gerade bei produktbezogenen Suchanfragen konnten sich Affiliates in der Ergebnisliste breitmachen. Die Advertiser selbst hatten das Thema noch nicht für sich erobert und die Konkurrenz durch Shop-Giganten wie Amazon und Co hielt sich in Grenzen. Für mich war Google ein unerschöpflicher Jagdgrund bei der Akquise neuer Publisher.
Neben den SEO-Affiliates waren es aber auch die anderen Segmente, die sich mit großem Engagement ein großes Stück vom wachsenden Performance Marketing-Kuchen abschnitten. Unsere Branche verzeichnet laut Umfragen unter Netzwerken und Agenturen wohl auch 2018 weiter steigende Umsätze. Um ein erfolgreiches Partnerprogramm zu betreiben, müssen Advertiser und Agenturen aber deutlich mehr Ressourcen investieren.

Content ist King

Affiliate Marketing galt früher als reiner Abschlusskanal und stand am Ende einer kurzen User Journey: Einem User mit relativ konkretem Interesse an einem Produkt fehlte zur Kaufentscheidung noch die nötige Information, oder ein Preisvergleich. Die Recherche nach Informationen, Erfahrungsberichten und Tests fand überwiegend in Google statt. Affiliates, die sich mit SEO-optimierten Seiten in den Google Suchergebnissen platzierten, gaben somit den letzten Anstoß zum Kauf.
Heute werden die organischen Suchergebnisse von den großen Plattformen und den Advertisern selbst dominiert. Sie haben gelernt Content für die Suchmaschinen zu schaffen und diesen gepaart mit ihrer Marke in Top Rankings zu verwandeln. Content Affiliates fällt es dadurch zunehmend schwerer, ihre Besucher aus den Suchmaschinen zu gewinnen. So müssen sie heute neben Google alternative Traffic-Quellen anzapfen, um bestehen zu können. Die Folge: Kleine Content Affiliate verschwinden und die verbleibenden großen machen sich ihre starke Position zu Nutze.
Der Content selbst steht heute im Vordergrund, besonders wenn es um reichweitenstarke Seiten oder Meinungsbildner geht. Wenn ich verhindern möchte, dass Advertiser und Affiliates im direkten Austausch oder über Influencer-Netzwerke ihre Geschäfte am Affiliateprogramm vorbei abwickeln, muss ich proaktiv eigene Ideen entwickeln, um mir Platzierungen in den hart umkämpften SEO-Rankings zu ergattern.



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