Gastkommentar 09.04.2018, 08:11 Uhr

Wenn Adblocker über die Funktion von Anzeigen im Internet bestimmen

Die Werbefilterentwicklung und -anwendung hat mittlerweile geradezu groteske Züge angenommen. Wenn nun ein Goliath wie Google einem David wie eyeo in seinem Metier versucht die Butter vom Brot zu nehmen, dann sollte die gesamte Branche genau hinschauen.
Nicolas Poppitz, Managing Director Deutschland bei Teads
(Quelle: Teads)
Von Nicolas Poppitz, Managing Director Deutschland bei Teads
Mit dem integrierten Werbeblocker im Google Chrome Browser geht der Kampf um die Deutungshoheit, was als "Bad Ads" von einem Werbeblocker zu filtern sei, in seine nächste Runde. Und kaum ist ein nennenswerter Mitbewerber des führenden Adblockers AdBlockPlus am Markt, tönt es vom (noch) amtierenden Marktführer sinngemäß: "Wir blocken mehr als ihr - keiner blockt so gut wie wir!" Ring frei also, für das Adblock-Battle.
Diese Spiele haben gerade erst begonnen. Wenn allerdings ein Goliath wie Google einem David wie eyeo in seinem Metier versucht die Butter vom Brot zu nehmen, dann sollte die gesamte Branche genau hinschauen.

Unter Druck

Dass die Werbefilterentwicklung und -anwendung mittlerweile geradezu groteske Züge angenommen hat, ist dabei mehr als bedauerlich. Da weisen Adblocker störende Werbung seit Jahren in ihre Schranken. Worauf sich im Jahr 2016 im Kampf gegen lästige Adblocker die Coalition for Better Ads bildet. Die sichtbarste Maßnahme eines ihrer einflussreichsten Mitglieder manifestiert sich dann leider wieder in Form eines Adblockers - diesmal im beliebten Chrome Browser von Google, der auf dem Desktop einen Marktanteil von mehr als 60 Prozent aufweist, und zudem der Android-Standardbrowser ist.
Ein Schwergewicht also, mit großem ökonomischen Druck. Abermals soll schlechte Online-Werbung mit Hilfe integrierter Technologie unterbunden werden, so etwa Popup-Werbung oder Autoplay-Videos mit Ton. Der Druck auf betroffene Webmaster wird so größer und sie dürften dazu tendieren, kritisierte Werbeformen zu entfernen.

Werbefilter als Geschäftsmodell

Spätestens mit Googles Auftritt als strategischer Adblocker scheint diese Technologie nun salonfähig zu werden. Allerdings: Nur aufgrund der Tatsache, dass Werbeblocker zu einer gängigen Instanz innerhalb der digitalen Werbewirtschaft und der Lebenswirklichkeit der User werden, ist längst nicht ausgemacht, dass sich dadurch auch die Akzeptanz für Werbung im Netz erhöht. Und darum sollte es allen Beteiligten doch schlussendlich gehen.
Denn: Was geblockt wird, entscheiden die jeweiligen Werbefilter nach eigener Logik und entsprechend ihrem Geschäftsmodell - die Bandbreite der unterbundenen Anzeigen spiegelt dabei nur die dahinterstehenden Interessen wider. So können die Maschen im Filternetz entsprechend eng oder weit gestrickt sein. Je nach Bedarf. Oder man "kauft" sich in die Acceptable-Ads-Modelle der Mitbewerber ein, damit eigene Anzeigen nicht mehr durch weitverbreitete Werbeblocker blockiert werden. Geht auch. Nur, wo führt das hin, wenn nicht direkt in die Sackgasse der Online-Werbewirtschaft?



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