Roaming-Gebühren: Ein Jahr nach der Abschaffung

Internet-Datenverkehr bei Roamingdienstleistern

Das bestätigen auch Zahlen der europäischen Regulierungsstelle für elektronische Kommunikation von März dieses Jahres. Demnach stieg etwa der Internet-Datenverkehr bei Roamingdienstleistern im dritten Quartal 2017 um nahezu 150 Prozent. "Der deutliche Anstieg des Datenverkehrs hängt zweifellos zusammen mit der Einführung von "Roam Like At Home"-Diensten", schreibt das Gremium in seiner Untersuchung.
Wenn Mobilfunk-Kunden im Ausland surfen oder telefonieren, nutzen sie dafür in der Regel die Netze ausländischer Anbieter. Die stellen dem eigenen Provider diese Nutzung in Rechnung. Damit EU-Bürger im Ausland zum gleichen Preis wie zu Hause mobil surfen können, mussten diese Vorleistungen zwischen den Mobilfunkanbietern drastisch sinken. Bei Datenvolumen etwa von 50 Euro pro Gigabyte auf inzwischen maximal 6 Euro. Weitere Absenkungen sieht die EU-Verordnung in den kommenden Jahren vor.

Umsatzeinbußen für deutsche Mobilfunkanbieter

Für deutsche Mobilfunkanbieter machte sich der Wegfall der Roaming-Verordnung in den Bilanzen bemerkbar. Telefónica etwa rechnet für 2018 nach eigenen Angaben mit Umsatzeinbußen in Höhe von 30 bis 50 Millionen Euro. "In diesem Jahr ergibt sich der weitaus größte Anteil daran aus den wegfallenden Roaming-Einnahmen", teilte ein Sprecher mit. Auch Vodafone machte im vergangenen Geschäftsjahr 1,4 Prozent Umsatzverluste durch Regulierungsvorgaben geltend. Daran hätten aber auch andere regulatorische Maßnahmen Anteil gehabt.
Die Bilanz von Verbraucherschützern indes ist durchweg positiv. "Der prophezeite Bärendienst am Verbraucher durch steigende Preise ist ausgeblieben", sagt Lina Ehrig, die beim Bundesverband der Verbraucherzentrale in Berlin das Team Digitales und Medien leitet. Und Ursula Pachl, stellvertretende Chefin des europäischen Verbraucherschutzverbands Beuc, sagt: "Verbraucher brauchen keine Sorgen mehr zu haben, wenn sie im Urlaub nach dem Weg suchen, Videoanrufe mit den Eltern machen oder während einer Geschäftsreise Daten runterladen."

Schwachstelle der EU-Regeln

Eine Schwachstelle haben die EU-Regeln aus Sicht der Verbraucherschützer allerdings noch: Sie gelten nicht für Anrufe aus dem Heimatland in ein anderes EU-Land. Ruft ein Deutscher also einen Freund in Spanien an, kann es nach wie vor teuer werden.
Doch auch das hat bald ein Ende: Erst in der vergangenen Woche einigten sich Unterhändler des Europaparlaments, der EU-Länder und der EU-Kommission darauf, diese Kosten künftig zu deckeln. Demnach dürfen Anrufe ins EU-Ausland künftig nur noch maximal 19 Cent pro Minute kosten. "Das ist ein Erfolg für Verbraucher und ihren Geldbeutel", sagt Lina Ehrig von der Verbraucherzentrale.



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