Bewerbung via Smartphone 15.05.2018, 14:28 Uhr

Wie die Mobile-Nutzung Recruiting-Prozesse verändert

Unser Alltag ist mobil. Das ist in erster Linie praktisch, verändert aber auch unsere Erwartungshaltung und unser Verhalten. Auswirkungen davon zeigen sich auch vermehrt im Recruiting, denn Mobile-Commerce-Kunden sind gleichzeitig auch potenzielle Bewerber.
(Quelle: shutterstock.com/Antonio Guillem)
Von Wolfgang Weber, Geschäftsführer meinestadt.de
Alle sieben Minuten greifen wir zu unserem mobilen Alleskönner und verbringen durchschnittlich bis zu drei Stunden täglich online. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Uni Bonn. Dass die digitale Mediennutzung immer weiter zunimmt, bestätigt auch die aktuelle Online-Studie von ARD und ZDF. Die Auswirkungen sind unweigerlich: Unsere Art zu konsumieren, zu kommunizieren, nicht zuletzt unsere Art zu denken, verändert sich: Schnell muss es heutzutage gehen. Kurze Ladezeiten, Overnight oder sogar Same-Day-Delivery: Wir haben gelernt, dass nahezu alles immer und sofort verfügbar ist. Amazon macht es vor: Der Klick zur Buchbestellung und die Lieferung des Fundstücks liegen oft nur wenige Stunden auseinander. Die Folge? Schneller Mobile-Konsum macht uns ungeduldig.

Lange Wartezeiten verprellen potenzielle Bewerber

Ist eine mobile Einkaufsseite nicht innerhalb von drei Sekunden geladen, springen bereits bis zu 40 Prozent der Kunden ab. Eine zweite Chance geben sie dem Händler nur selten. Eine Erwartungshaltung, die sich auch auf den Non-Commerce-Bereich überträgt. Gerade in puncto Bewerbung können Unternehmen deswegen von E-Commerce-Anbietern lernen und auf die veränderten Ansprüche - sprich die wachsende Ungeduld - der Bewerber reagieren.
Bei über 60 Prozent der potenziellen Kandidaten hat sich innerhalb von einem Jahr die Einstellung dahingehend verändert, dass nach der erfolgten Bewerbung eine zügige Antwort über den weiteren Verlauf erfolgen soll. Wo Bewerber vor einem Jahr also noch eher Geduld aufgebracht hätten, ziehen sie heute weiter. Das macht eine Arbeitsmarktstudie des Personaldienstleisters Robert Half deutlich. Weitere Studien belegen, dass knapp ein Drittel innerhalb von einer Woche eine Rückmeldung auf eine Bewerbung erwartet.

Wunsch versus Wirklichkeit

Oftmals kommt es aber erst gar nicht zu einer Bewerbung. Denn Unternehmen verlieren derzeit fast jeden zweiten Bewerber durch unzureichende mobile Angebote. Mehr als zwei Drittel der potenziellen Kandidaten sucht bereits heute über das Smartphone nach passenden Stellenanzeigen. Etwa genau so viele Bewerber würden sich gerne mobil bewerben. Das macht deutlich: Auch der Wunsch nach mobilen Bewerbungsmöglichkeiten wird immer größer.
Dieser Erkenntnis hinken Unternehmen allerdings noch zu häufig hinterher: Weniger als die Hälfte der deutschen DAX30-Unternehmen bietet laut der aktuellen Online Recruiting Studie von Wollmilchsau mobil optimierte Bewerbungsformulare an. Arbeitgeber sind sich zwar oft der Dringlichkeit des Themas bewusst, es scheitert aber an der praktischen Umsetzung. Auf die Wünsche und Erwartungen der Bewerber einzugehen, kann jedoch für das erfolgreiche Recruiting ausschlaggebend sein.

Auf Formen der Kurzbewerbung setzen

Wollen Unternehmen mobile Bewerbungen ermöglichen, müssen sie bedenken, dass traditionelle Prozesse nicht 1:1 übernommen werden können. Beispielsweise ist es sehr mühsam und umständlich, mit dem Smartphone ein ausführliches Anschreiben zu erstellen. Es braucht daher neue, abgespeckte Lösungen, wie eine Kurzbewerbung. Insbesondere Arbeitgeber, die um besonders gefragte Fachkräfte werben, sollten Hürden im Erstkontakt senken. Mit einem vorgeschalteten kurzen Fragenkatalog kann die Auswahl wesentlich leichter und effizienter gestaltet werden.
Unternehmen wie Telefonica, eismann oder Henkel haben neue, zeitgemäße Strategien in Form von Kurzbewerbungen eingeführt. Bei der Daimlertochter Daimler TTS sind die sogenannten One-Click-Bewerbungen, beziehungsweise die 15 Sekunden-Bewerbung, ausdrücklich erwünscht.

Mobile-Commerce-Wissen nutzen

Es gibt fast kein Unternehmen, das derzeit nicht von Fachkräfteengpässen betroffen ist. Die Bedürfnisse der Bewerber in den Blick zu nehmen und im Recruiting zu berücksichtigen, ist vor dem Hintergrund umso bedeutender. Amazon, Google und Co. geben das Tempo vor. Die damit verbundenen Erwartungshaltungen sind kein vorübergehender Hype. Im Gegenteil. Sie werden sich mit dem Aufkommen neuer Technologien vermutlich verstärken.
Auf diesen Wandel sollten Arbeitgeber flexibel reagieren können und heute aktiv werden. Bewerber fordern jetzt schon mobile Optimierung und Schnelligkeit ein. Unternehmen können hier von Mobile-Commerce lernen. Denn das Wissen zur Kundengewinnung kann in Sachen Geschwindigkeit und Nutzerfreundlichkeit gleichermaßen zur Mitarbeitergewinnung angewendet werden.



Das könnte Sie auch interessieren