Tracking unterbinden 15.01.2020, 14:17 Uhr

Kampf der Smartphone-Schnüffelei

Webseiten und Apps tracken unentwegt die Aktivitäten von Smartphone-Nutzern. Doch es gibt Wege, um sich gegen die Datensammelei zur Wehr zu setzen.
(Quelle: shutterstock.com/Trismegist san)
Smartphone-Nutzer stehen ständig unter Beobachtung. Webseiten tracken die Aktivitäten der Nutzer und auch zahllose Apps sammeln munter Nutzungsdaten. Der Grund liegt auf der Hand: Mit gläsernen Internet-Nutzern und Smartphone-Besitzern lässt sich Geld verdienen.
"Unternehmen sammeln Tracking-Daten aus unterschiedlichsten Gründen. Einige nutzen sie für die eigene Entwicklung, andere Unternehmen bieten sie zum Verkauf an, und weitere verbessern das Nutzererlebnis",  erklärt Benjamin Lucks vom Technikportal "Netzwelt.de". "Hierfür passen sie Suchergebnisse und Werbeanzeigen an die Interessen des jeweiligen Nutzers an."
Das Geschäft mit den Daten ist für Unternehmen oft die einzige mögliche Einnahmequelle. Denn Anwender seien es mittlerweile gewohnt, Dienste kostenlos nutzen zu können, sagt Martin Gobbin von der Stiftung Warentest: "Personalisierte Werbung finanziert viele kostenlose Web-Dienste."

Konsequenzen für Nutzer

Je detaillierter die Informationen, die Unternehmen über ihre Nutzer besitzen, desto mehr Geld geben andere Unternehmen für diese Daten oder entsprechend personalisierte Werbung aus. Die Konsequenzen für Nutzer: "Durch die kontinuierliche Überwachung entsteht mit der Zeit ein sehr umfassendes Profil von den Interessen, Vorlieben, Wünschen, Sorgen und Persönlichkeitsmerkmalen eines Menschen", so Gobbin.
Wer dies einschränken möchte, hat es auf Android-Smartphones leichter als auf iPhones. Das liegt vor allem am vergleichsweise offenen Android-System, das auch die Installation von Apps erlaubt, die nicht im offiziellen App-Store zu finden sind.
Daten übers mobile Surfen zu sammeln, gelingt Unternehmen am einfachsten über Cookies im Browser. Diese auf dem Smartphone gar nicht erst zuzulassen oder sie etwa täglich zu löschen, ist eine einfache Möglichkeit, um dem Gros personalisierter Werbung auf Webseiten den Riegel vorzuschieben. Anderen Tracking-Spielarten wie IP-Tracking oder Fingerprinting entkommt man aber nicht immer - paradoxerweise auch nicht durch "Anonyme Tabs" oder "Inkognito-Tabs", so Gobbin.

Von den Bezeichnungen sollte man sich nicht täuschen lassen. Diese beziehen sich eher auf die Surfhistorie auf dem Mobilgerät: Es wird keine Chronik angelegt, sodass eventuelle Mitnutzer des Gerätes nicht sehen können, wo gesurft wurde. "Tracking-Firmen und auch der jeweilige Internet-Dienstleister kriegen aber dennoch mit, was der Nutzer online macht", stellt Gobbin klar.

Browser und Apps gegen Tracking

Aber es gibt auch alternative Browser, die oftmals nicht nur unerwünschte Werbung unterdrücken, sondern auch die meisten Tracking-Spielarten unterbinden. Zudem können zumindest in der Android-Version von Firefox vom Desktop-Browser bekannte Erweiterungen wie Privacy Badger oder Ublock Origin installiert werden, um Tracking zu unterbinden. In Firefox für iOS können allerdings keine Add-ons installiert werden.

Aber was ist mit der Kontrolle des Datenverkehrs der zahllosen Apps, die man installiert hat oder die vorinstalliert sind? Viele Apps enthalten nicht ein, sondern gleich mehrere Tracking-Module, etwa von Werbenetzwerken, die Nutzer- und Nutzungsdaten sammeln und verschicken. Hier setzen Apps an, die den gesamten Datenverkehr des Smartphones mit dem Internet überwachen können - etwa Blokada.
Nach vorgefertigten Filterlisten blockiert Blokada die Kommunikation mit Tracking-Servern. Das bedeutet, dass Daten das Gerät gar nicht erst verlassen. Nutzerinnen und Nutzer können aber auch beliebige Server-Adressen manuell auf eine Blacklist setzen.



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