Erste Tests von Google Glass ernüchtern Experten 06.05.2013, 14:45 Uhr

Datenbrille wird ein Flop

Das definitive IT-Gadget der Saison kostet 1.500 US-Dollar, ist nur mit extrem viel Glück und guten Beziehungen zu bekommen - und ernüchtert Tester nach den ersten Begegnungen. Das Urteil ist wenig schmeichelhaft: Das Gerät und sein Nutzen sind äußerst zweifelhaft.
Google Glass
Werden wir alle in ein, zwei Jahren mit einer kamerabewehrten Datenbrille auf der Nase herumlaufen? Entwickler und ein paar glückliche Gewinner einer Lotterie können derzeit die ersten Exemplare von Google Glass für 1.500 US-Dollar kaufen - und dürfen sicher sein, damit das Gadget der Saison zu besitzen, das selbst das nächste iPhone noch alt aussehen lassen wird, wenn es denn erst einmal kommt. Die Brille blendet ihrem Träger Informationen ins Gesichtsfeld, sie hat eine Kamera, eine Telefon-Freisprecheinrichtung und einen Bluetooth-Anschluss. 2014 will Google die Datenbrille auch an Normalsterbliche ausliefern, und nicht wenige Experten werden nicht müde, dies als Anfang einer Revolution zu sehen.
Schenkt man dagegen Jay Yarov Glauben, dann wird Google Glass ein Flop. Der Autor des angesehenen US-Blogs hat die Brille zwar noch nie aufgesetzt, aber er hat sich die Mühe gemacht, die Testergebnisse derer zu sichten, die ihm in dieser Beziehung voraus sind. Und die sind ernüchternd:
 
  • Kurze Batterielaufzeit: Tester kommen auf Werte zwischen drei und fünf Stunden, Yarov hält 3,5 Stunden für realistisch. Viel zu kurz für ein Device, das den ganzen Tag im Einsatz sein soll.
  • Verwirrung und Kopfschmerzen: Yarov zitiert mehrere Quellen, die davon berichten, dass das Lesen der eingeblendeten Infos sehr anstrengend sei und einen Brummschädel verursachen würde. 
  • Zu dunkel für die Sonne: In hellem Sonnenlicht, schreibt , sei das eingeblendete Bild kaum zu erkennen.
  • Fehlende Einstellmöglichkeiten: Derzeit kann man die Reihenfolge der Services nicht einstellen, auch ein Lautlos-Modus ist nicht verfügbar.
  • Fehlende Konnektivität: Da Glass kein Mobilfunk-Modul hat, muss man draußen immer noch ein Smartphone mitnehmen, weil sonst keine Datenkonnektivität zur Verfügung steht
  • Unpraktisches Gestell: Im Gegensatz zu anderen Brillen kann man Glass nicht zusammenklappen. Nimmt man die Brille ab, ist sie ausgesprochen sperrig.
  • Fehlerhafte Sprachsteuerung: Das Antworten auf eine Mail per Spracherkennung klappt nur in ruhiger Umgebung und bei sehr disziplinierter Sprechweise. Ähnliches gilt für die Sprachsteuerung
Viele dieser Dinge, so hofft Jarov, würden sich mit der Zeit durch Hard- und Software-Upgrades noch mildern lassen. Äußerst skeptisch ist er jedoch, was den Sinn des Konzeptes an sich angeht. So zitiert er seinen Kollegen Robert Scoble, der sich . Für Scoble ist einer der größten Vorteile der Brille die Möglichkeit, mit der eingebauten Kamera viel einfacher Bilder zu machen als mit einem Smartphone. Allerdings ist die Glass-Kamera auch deutlich schlechter als die in einem iPhone oder Samsung S4. Und in einem anderen Punkt kann Yarov Scoble auch nicht zustimmen: Dieser meint, es sei weit weniger störend, im Gespräch mit einem Menschen Google Glass zu verwenden, als zwischendurch immer wieder auf sein Smartphone zu blicken. Yarov sieht das anders: "Um die Kamera zu aktivieren muss man den Kopf heben, und um den Schirm zu sehen, muss man nach oben blicken. Das alles kriegt das Gegenüber mit und merkt sofort, dass man sich jetzt nicht mit ihm befasst, sondern mit Google Glass."
Wie ist Ihre Meinung: Wird Google Glass ein Erfolg oder nicht? Hier gehts zur .



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