Expert Insights 22.06.2017, 08:15 Uhr

Verändern Instant Apps das App-Ökosystem?

Googles 2016 angekündigte Projekt der Instant Apps soll nun endlich Fahrt aufnehmen. Werden sie das App-Ökosystem verändern? Potenzielle Anwendungsgebiete gibt es jedenfalls viele.
Der große Vorteil nativer Apps gegen über dem mobilen Web liegt ihn ihrer komfortablen Nutzbarkeit. Aber sie haben auch ein großes Manko, denn vor der ersten Anwendung müssen sie erst heruntergeladen werden. Das kostet Zeit und verbraucht unter Umständen wertvolles Datenvolumen.
Was läge also näher als die Vorzüge beider Varianten miteinander zu kombinieren? Google hat dafür jetzt eine mögliche Lösung: Android Instant Apps.

Was sind Instant Apps?

Erstmals angekündigt wurden Instant Apps auf der Entwicklerkonferenz Google I/O im Jahr 2016. Nachdem die Testphase also etwas mehr als ein Jahr in Anspruch genommen hat, soll das Projekt nun endlich Fahrt aufnehmen.
Mit Instant Apps erhalten Nutzer den Komfort einer nativen App, ohne sie zuvor aus dem App Store herunterladen zu müssen. Sie sind quasi ein Teil der kompletten App und lassen sich über einen normalen Web-Link öffnen. Dadurch sind sie für Suchmaschinen-Ergebnisse, Display-Anzeigen oder andere Werbemittel verwendbar und können auch dann noch gestartet werden, wenn für die Voll-Installation der App nicht mehr genügend Speicherplatz auf dem Mobilgerät vorhanden ist. Kurz gesagt sind Instant Apps mobile Websites, die auf der App-Plattform laufen.
Verfügbar sind Instant Apps aktuell für Android Smartphones und Tablets, auf denen mindestens die Version 6.0 (Marshmallow) installiert ist. Das sind momentan (Stand: Juni 2017) etwas über 40 Prozent aller verwendeten Geräte.
Ursprünglich hatte Google angekündigt, dass alle Geräte mit der Version 4.3 (Jelly Bean) oder höher in den Genuss des Features kommen. Zumindest die Unterstützung für Android 5.0 (Lollipop) soll aber demnächst nachgereicht werden, wodurch dann über 70 Prozent aller Android-Geräte Instant App-fähig wären. Mit der demnächst erscheinen Android-Version 8.0 (O) sollen weitere Verbesserungen eingeführt werden.

Funktionsweise, Erstellung und Einschränkungen

Beim Fingertipp auf einen Instant-Link überprüft der Google Play Store zunächst, ob eine native App installiert ist. Ist das nicht der Fall, wird die Instant App geöffnet. Diese kann vom Nutzer dann wie eine kleine Website verwendet und anschließend wieder geschlossen werden. Außerdem lässt sich auf Wunsch die komplette APK-Datei der App installieren.
Erstellt werden Instant Apps mit der neuesten Version der App-Entwicklungstools Android Studio 3.0 und dem Instant Apps-SDK. Eigener Quellcode ist nicht notwendig. Für die Bereitstellung einer Instant-Version gibt Google in seinem Developer Blog eine ungefähre Entwicklungszeit von vier bis sechs Wochen an. Sobald die Instant App-Teile fertig ist, werden sie zusammen mit der regulären APK-Datei über die Google Play Console hochgeladen.
Es gibt auch einige Einschränkungen. So soll die Dateigröße einer Instant App nicht die Marke von 4 Megabyte nicht überschreiten. Das kann vor allem für Entwickler aufwändiger Spiele durchaus ein Problem darstellen. Außerdem stehen einige typische App-Funktionen wie Push-Nachrichten nicht zur Verfügung.

Wie werden Instant Apps auf Smartphones aktiviert?

Um Instant Apps nutzen zu können, muss die Funktion zunächst aktiviert werden. In den Einstellungen von Android befindet sich ein Menüpunkt "Google", hinter dem sich ein weiterer Menüpunkt "Instant Apps" befindet. Nach einer Bestätigung wird im Hintergrund eine Datei heruntergeladen und installiert. Nun wird der Schalter aktiviert (siehe Bild 3) und durch "Ich bin dabei" bestätigt.
Quelle: Google
Noch ist das Angebot an Instant Apps sehr überschaubar. Knapp 60 verschiedene Instant-Varianten stehen bisher bereit, darunter Periscope, New York Times, Vimeo und One Football. Das Angebot wird sich allerdings bald ausweiten, nachdem Google Instant Apps am 17. Mai für alle Entwickler freigegeben hat.

Für wen sind Instant Apps interessant?

Potenzielle Anwendungsgebiete für Instant Apps gibt es viele: E-Commerce-Anbieter können Instant Apps nutzen, ihr mobiles Shopping-Erlebnis deutlich schneller und komfortabler zu gestalten. Auch im Reisebereich existieren zahlreiche Szenarien, in denen Instant Apps Sinn machen: Für den schnellen Abruf von Abfahrtszeiten, zur Reservierung eines Bahntickets, die Buchung eines Hotelzimmers oder einer Taxi-Bestellung in einer fremden Stadt.
Mobile-Gaming-Anbieter können Preview-Versionen ihrer Spiele zur Verfügung stellen und potentielle Nutzer dadurch vom Download der kompletten App überzeugen. Weitere Use Cases sind beispielsweise Fußball-Live-Ticker, Kochrezepte, Restaurantreservierungen, Kontostände, TV-Programme, Veranstaltungskalender und viele mehr.

Werden Instant Apps das App-Ökosystem verändern?

Noch ist es zu früh, um die Auswirkungen von Instant Apps zu bewerten. Grundsätzlich haben sie das Potenzial, die Art und Weise, wie Apps von Nutzern entdeckt werden, nachhaltig zu verändern. Und nicht nur das - auch App-Marketing-Kampagnen zur Gewinnung neuer und Reaktivierung bestehender Nutzer werden Neujustierungen erfahren. Wahrscheinlich wird es auch zu neuen Spam-Versuchen von halbseidenen App-Anbietern kommen.  
Zunächst muss aber erst mal abgewartet werden, wie schnell sich das Instant App-Angebot verbreitert und wie gut Nutzer die neue Option annehmen. Dass Google von der ersten Ankündigung bis zur tatsächlichen Veröffentlichung über ein Jahr gebraucht hat, sollte nicht als problematisches Signal gewertet werden.
Es wird interessant sein zu beobachten, wie sich das Vorhandensein einer Instant-Variante auf die Download-Zahlen der entsprechenden Apps auswirkt. Wird Google zukünftig auch Instant-App-Nutzungsraten neben den Installationszahlen als zusätzliche Statistik ausweisen? Und wird Apple für iOS mit einer ähnlichen Funktionalität nachziehen? Wir werden es erleben.



Das könnte Sie auch interessieren