Expert Insights 23.07.2015, 08:30 Uhr

Kreativität in der mobilen Werbung

Kreative Ansätze in der mobilen Werbewelt finden sich bislang eher selten. Aktuell macht ein Anbieter mit einer neuen Idee von sich reden, der frischen Wind in die mobile Werbeszene bringen könnte.
Heiko Genzlinger, CEO von Trademob
Erinnern Sie sich noch an diese wahnsinnig ausgefallene Mobile-Kampagne, über die alle gesprochen haben? Nein? Ich auch nicht! Vermutlich liegt das daran, dass kreative Ansätze in der mobilen Werbewelt bislang selten zu finden sind. Man könnte meinen, auf kleine Screens passen eben auch nur kleine Banner und die bieten Kreativen nur wenig Platz, sich auszutoben.
Oftmals ist mobile Werbung aber auch einfach bewusst als Störer konzipiert, da Anbieter von Freemium-Apps ihre Nutzer gerne von der kostenpflichtigen Variante überzeugen wollen und die Nutzererfahrung gezielt unterbrechen. Mangelnde Kreativität ist ein Vorwurf, dem sich mobile Werber stellen müssen. Wenn ein Anbieter dann mit einer frischen Idee von sich reden macht, sind das daher grundsätzlich gute Nachrichten für die ganze Branche.

Ein Affe als mobiler Tour-Guide

InMobi ist einer der Player, der diese Woche mit einem neuen Konzept überrascht hat. Der indische Anbieter schickt einen Affen namens "Miip" ins Rennen, um bei Nutzern die Freude an mobiler Werbung zu wecken. Miip ist als Tour-Guide konzipiert, der Nutzer von App zu App begleitet und dabei personalisierte Produktvorschläge unterbreitet. Die Interaktion ist als Dialog über Sprechblasen gestaltet. Smartphone-Nutzer können dem Avatar Feedback geben, ob die Empfehlung hilfreich war und damit die Relevanz künftiger Werbeeinblendungen steigern.
Ich werde die Entwicklung von Miip mit Spannung verfolgen, denn ich freue mich über frischen Wind in der mobilen Werbeszene. Das Konzept kann aufgehen, wenn die User den Affen mit einem besonders guten und individuellen Angebot assoziieren und qualitative Empfehlungen erwarten und erhalten. Dadurch bekommen der Affe und damit das beworbene Produkt eine hohe Aufmerksamkeit. Über das Feedback des Nutzers lernt das System ständig mit und hat damit das Potenzial, persönlicher Einkaufsberater statt Marktschreier zu sein.
Ob der Avatar selbst gut ankommt, ist sicher Geschmacksache. Ein niedliches Maskottchen kann der Nutzerakzeptanz zuträglich sein oder sich zur kleinen Nervensäge entwickeln. Ein tierischer Follower ist sicher nicht jedermanns Sache. Daher muss ein Opt-out vorgesehen sein. Spannend ist außerdem die Frage, wie sich der Affe zu anderen Werbeeinblendungen verhält, denn Nutzer sehen beispielsweise beim Besuch von Google-Diensten oder Facebook weiterhin die regulären Werbeeinblendungen der jeweiligen Ad-Networks.



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