Expert Insights 24.01.2017, 08:05 Uhr

Meine 12 Mobile-Marketing-Trends für 2017

Vorhersagen im Technologie-Sektor sind so eine Sache: Viele Entwicklungen lassen sich relativ zuverlässig vorhersagen, doch fällt es schwer zu antizipieren, wann diese vom Massenmarkt angenommen werden.
Ingo Kamps, freier Online Marketing Consultant und Berater der Electronics Online Group (EOG) der Media-Saturn-Holding
Daher habe ich mich auf Vorhersagen für das Mobile Marketing konzentriert, deren Eintreffen ich tatsächlich für 2017 erwarte und nicht erst für 2018. Um mich aber selbst zu überprüfen, plane ich für Dezember 2017 einen weiteren Artikel, in dem ich dann schonungslos beleuchten werde, welche Entwicklungen wirklich eingetreten sind und welche noch auf sich warten lassen.

1. Das Smartphone wird noch mehr zur persönlichen Schaltstation

Ein großer Teil der Bevölkerung kann sich ein Leben ohne Smartphone schon heute nicht mehr vorstellen. Immer mehr Aufgaben lassen sich per App oder Mobile Web erledigen - 2017 wird auch das Shopping immer stärker direkt vom Mobilgerät aus erfolgen. Für das Internet of Things spielt das Smartphone als Bedienungselement ebenfalls eine zentrale Rolle. Für Marketer bedeutet dies, dass sie das Smartphone ins Zentrum all ihrer Marketing-Bemühungen rücken müssen.

2. Native Anzeigenformate weiter auf dem Vormarsch

Viele Websites sind immer noch auf der Suche nach den geeigneten Instrumenten, ihren immer weiter steigenden Mobile Traffic adäquat zu monetarisieren. Display-Ads haben es unter anderem wegen den kleineren Smartphone-Bildschirmen und einer steigenden Adblocker-Quote schwer und dürften 2017 anteilsmäßig abnehmen. Native Anzeigenformate sind deutlich besser geeignet, bringen neben Chancen aber auch neue Herausforderungen durch größere Fragmentierung für Advertiser und Publisher.

3. Die mobile Betrugswelle rollt über die Mobile Advertising-Branche

Impression Fraud, Click Fraud, Install Fraud, In-App-Fraud - wo im Online-Marketing Geld verdient wird, sind zwielichtige Zeitgenossen leider nicht weit. Machine Learning und künstliche Intelligenz machen es darüber hinaus immer schwieriger, echte Nutzer und Bots voneinander zu unterscheiden. Da in verstärktem Maße Budgets in den mobilen Kanal wandern, wird Betrug im kommenden Jahr leider noch deutlich zunehmen. Dementsprechend werden Technologie-Dienstleister, Advertiser und Publisher verstärkt versuchen, gegenzusteuern. Davon hängt für das weitere Wachstum viel ab!

4. Bots werden besser und häufiger genutzt

Apps werden die mobile Nutzung auch 2017 und darüber hinaus dominieren. Für Touchscreen-Geräte haben sie sich als das komfortabelste Eingabeformat herauskristallisiert. Dennoch werden sie in immer stärkerem Maße durch Bots ergänzt, deren Funktionsvielfalt und Zuverlässigkeit weiter zunimmt. Mit dem Erscheinen von Google Home in Deutschland und der weiteren Verbesserung von Amazon Echo werden die persönlichen Assistenten auch in immer mehr Wohnzimmer einziehen und zunächst dort Aufgaben von Apps übernehmen. Darüber hinaus werden Messenger zu treibenden Kraft von Bots avancieren.

Amazons Smart-Home-Lautsprecher Echo gibt es nun auch in Deutschland. Wir zeigen, wie gut die Anpassung an die deutsche Sprache gelungen ist.

5. AMP setzt sich durch

Google ist sehr daran gelegen, AMP (Accelerated Mobile Pages) zum Standard für mobile Websites zu machen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand (schnellere Ladezeiten, sauberes Design), die Nachteile für Publisher auch (eingeschränktes Design, begrenzte Vermarktungsmöglichkeiten). Dennoch werden mehr und mehr Websites ihre Seiten im AMP-Format anbieten, um gegenüber dem Wettbewerb nicht ins Hintertreffen um die Suchmaschinen-Sichtbarkeit zu geraten.

6. Predictive Analytics & Machine Learning

Nachrichten-Apps zeigen Inhalte, die zu den Interessen der Nutzer passen, Restaurant-Apps schlagen zum Geschmack passende Gaststätten vor und Reise-Apps kennen die passenden Urlaubswünsche - kaum eine moderne App kommt noch ohne den Einsatz von Algorithmen aus. App-Anbietern gelingt es durch Einsatz von Daten und Analysen immer besser, Umsatzpotentiale ihrer Nutzer zu entdecken, deren Wünsche zu erahnen und ihnen dementsprechend passende Angebote zu unterbreiten.

7. Ausgaben für App-Re-Engagement werden deutlich steigen

Auch wenn es Anbietern gelingt, ihre neue App durch gute App Store Optimierung (ASO), App-Install-Kampagnen oder virale Effekte auf vielen Smartphones und Tablets zu platzieren, haben fast alle das Problem, dass die Aktivitätsquote der Nutzer nach einiger Zeit stark abflacht. Mit intelligenten Push-Nachrichten oder mobilen Ads lassen sich Nutzer reaktivieren und der Lebenszyklus der App signifikant steigern. Auch für das Erreichen von In-App-Warenkorbabbrechern, App-Löschern und für Upselling werden größere Budgets als in der Vergangenheit eingesetzt.

8. Social Media wird "mobile only"

Dieser Trend hat schon in der Vergangenheit eingesetzt, wie man am Beispiel Facebook sehen kann, deren Nutzer das soziale Netzwerk schon primär mobil aufsuchen. Mit der weiter steigenden Popularität von Networks wie Snapchat, Instagram und Co. wird sich Social Media in diesem Jahr endgültig als rein mobiler Kanal etablieren.

Bei Jahresausblicken stehen häufig neue Trends und Buzzwords im Fokus. Dass das im Social-Media-Marketing 2017 nicht so ist, zeigt unsere Branchenumfrage.

9. Android Instant Apps erscheinen auf der Bildfläche

Die Idee klingt bestechend und könnte einen Ausweg aus verwaisten Apps darstellen. Mit der Google-Technologie lassen sich Apps sofort nutzen, wenn sie benötigt werden. Sie müssen vorher nicht mehr heruntergeladen, installiert und auf dem Mobilgerät vorgehalten werden. Nutzer können einfach bei Google suchen, die App nutzen und dann weiterziehen - bis zum nächsten Mal. Die mobile Nutzererfahrung steigt dadurch deutlich.

10. Abmelderaten für Push-Nachrichten werden steigen

Push-Nachrichten sind ein hervorragendes Instrument, um App Nutzer zum wiederholten Öffnen einer installierten App zu bewegen. Allerdings müssen diese dosiert eingesetzt werden, um Nutzer nicht zu verärgern und Abmeldequoten gering zu halten. Leider werden sich einige Anbieter nicht an diese Vorgaben halten und versuchen, in kurzer Zeit so viele Botschaften wie möglich auf den Smartphones und Tablets der Nutzer zu platzieren. Darunter können auch seriöse Push-Versender leiden, die für den Spam anderer App Anbieter in Sippenhaft genommen werden.

11. Premium-Spiele sind keine Game-Changer

Am Beispiel Super Mario Run zeigt sich, dass Nostalgie in Zeiten von Mobile Gaming nur wenig Platz hat. Presse und Nostalgiker scheinen das Spiel zu mögen, aber der Markt scheint anderer Meinung zu sein, wie die vielen negativen Bewertungen im App Store beweisen. Es ist davon auszugehen, dass Super Mario Run einen baldigen Abwärtstrend hinlegen wird. Wenn überhaupt noch weitere Premium-Umsetzungen erscheinen, werden diese nicht mal den Hype erzeugen, den der Klempner noch für sich beanspruchen konnte. Möglicherweise ist das Ende dieser Spiele schon eingeleitet.

12. Sicherheit und Datenschutz

Wie im ersten Punkt bereits genannt, werden Smartphones immer häufiger für Transaktionen wie Shopping und andere Bezahlvorgänge genutzt und es werden immer mehr persönliche Daten gespeichert. Dass dabei einiges schiefgehen kann, haben wir im Jahr 2016 an Beispielen wie Yahoo oder Dropbox gesehen. App-Anbieter sind daher gezwungen, sich dem Thema noch mehr zu verschreiben als in der Vergangenheit. Die Zwei-Wege-Authentifizierung wird bei mehr und mehr Anbietern zum Standard werden.



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