Gastkommentar 22.02.2018, 09:33 Uhr

Deutsche Shopping Apps: Wo sind sie geblieben?

Im E-Commerce lässt sich der deutsche Handel von Amazon die Butter vom Brot nehmen. Im App Commerce sind ausländische Anbieter wie Wish oder AliExpress bereits zur Gefahr geworden, so Gerrit Heinemann. Auf der TrendArena der Internet World Expo erklärt er, warum.
Gerrit Heinemann ist Leiter des eWeb Research Centers an der Hochschule Niederrhein
(Quelle: Heinemann)
von Gerrit Heinemann, Leiter des eWeb Research Center an der Hochschule Niederrhein
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland annähernd 40 Prozent der E-Commerce-Umsätze über mobile Devices erzielt - Tendenz steigend. Alleine im dritten Quartal 2017 stieg der Anteil der über ein Smartphone getätigten Umsätze in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um mehr als 27 Prozent.
Vor dem Hintergrund, dass 63 Prozent der Mobile-Commerce-Umsätze über Apps erzielt werden, wie eine Studie von Criteo untermauert, erscheint das aktuelle Ranking von Similarweb, das die meistgenutzten Shopping-Apps auf iPhone- und Android-Geräten auf Basis der vergangenen 28 Tage darstellt, mehr als erschreckend.
Auf der iPhone-Liste liegt eBay ganz klar auf Platz 1 - vor Amazon. Deutsche Shopping Apps kommen mit Ausnahme von Payback (Platz 7) und Zalando (Platz 8) im Ranking der größten zehn nicht vor. Aboutyou findet sich auf Platz 14 und damit deutlich hinter dem britischen Konkurrenten Asos (Platz 10). Otto ergatterte Platz 16. Der erste stationäre Händler, nämlich Lidl, findet sich auf Platz 22, vor Mediamarkt (Platz 23) und Douglas (Platz 24). Bonprix liegt weit abgeschlagen auf Platz 33 - und damit immerhin nur wenig vor dem deutlich weniger bekannten Online-Discounter Lesara, der auf Rang 35 kommt.
In Deutschland ist Zalando der einzige einheimische Händler, der es in die Top Ten der meistgenutzten Shopping-Apps von iPhone-Nutzern geschafft hat
(Quelle: Gerrit Heinemann)
Die Android-Liste zeigt ein noch düsteres Bild für den deutschen Handel. Hier liegt Amazon inklusive Tablets knapp vor eBay, während Payback auf Platz 3 und Barcoo auf Platz 8 kommen. Einen deutschen Händler sucht man in den Top Ten vergeblich. Erst auf Platz 12 findet sich der Kleiderkreisel, auf Platz 14 kaufDA. Otto liegt auf Rang 17, Mediamarkt auf Platz 31 und Lidl auf Rang 35.
In den Android-Top-Ten ist überhaupt kein deutscher Händler zu finden
(Quelle: Gerrit Heinemann)
Was sagt uns die Liste sonst noch? Zumindest, dass Aliexpress schon alle deutschen Händler überholt und sich auf Platz 6 hochkatapultiert hat. Der absolute Shooting-Star aber ist Wish auf Rang 3 bei iPhone und Rang 4 bei Android. Soviel zum Thema "Mobile First" oder gar "Mobile Only" in deutschen Landen. Auch hier lassen wir uns einmal mehr die Butter vom Brot nehmen.
Und das Ausland? Auch in den USA und UK liegen Amazon und eBay vorne, zumindest bei Android. Die iPhone-Nutzer haben in den USA sowie in UK und Frankreich Wish zur meistgenutzten Shopping App gemacht. Wenn der Handel hierzulande das Thema weiter so stiefmütterlich behandelt, wird Wish sich wahrscheinlich auch bald in Deutschland zur Nummer 1 der Shopping Apps mausern.
Gerrit Heinemann spricht auch am 6. März 2017 auf der Bühne der TrendArena der Internet World Expo in München.



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