Auktion zeigt, wie alles anfing 04.12.2017, 10:46 Uhr

Das sind die Hacker-Wurzeln von Apple

Steve Jobs und Steve Wozniak haben in den siebziger Jahren mit den ersten brauchbaren Personal Computern das Fundament für den Mega-Erfolg von Apple gelegt. Kaum vorstellbar, dass die beiden Gründer durch einen illegalen Hack zusammengeschweißt wurden.
(Quelle: shutterstock.com/hans engbers)
Eine Zufallsbegegnung hat den Lauf der Computergeschichte entscheidend geprägt: Über einen gemeinsamen Freund lernten sich 1971 der 15 Jahre alte Highschool-Schüler Steve Jobs und der fünf Jahre ältere College-Student Steve Wozniak kennen.

Das ist die "Blue Box", mit der man das Telefonsystem manipulieren konnte.
(Quelle: Bonhams/dpa)
Die beiden "Steves" konnten sich für Elektronik begeistern, liebten derbe Späße und scheuten auch vor Aktivitäten nicht zurück, die eigentlich illegal waren. Eine Auktion in New York erinnert nun an die frühen dubiosen Hacker-Aktivitäten der beiden Apple-Gründer. Beim Auktionshaus Bonhams kommt am Nikolaustag eine sogenannte Blue Box von Steve Wozniak unter den Hammer, mit der man in den 70er Jahren das Telefonsystem manipulieren und kostenlos Ferngespräche führen konnte.

Wozniak, den alle nur Woz nannten, war damals ein Einzelgänger und leidenschaftlicher Tüftler, der als technisches Genie unter den vielen anderen jungen Computer-Bastlern im Silicon Valley herausragte. Jobs fehlte dieses technische Talent, er hatte aber schon als junger Mann - im Gegensatz zu Wozniak - eine konkrete Vorstellung davon, wie man mit Technologie die Welt verändern und damit auch Geld verdienen kann.

Blueboxing: Weltweit kostenlos telefonieren

Eine erste prägende Erfahrung, wie man mit neuer Technik alte Strukturen überlisten kann, machten die beiden Steves beim Blueboxing. In einem Artikel der Zeitschrift "Esquire" las Wozniak, wie Hacker eine Methode gefunden hatten, kostenlos Ferngespräche zu führen. Held des Artikels war der Bastler John T. Draper, der unter dem Hacker-Namen "Captain Crunch" berühmt wurde. Er hatte mit Hilfe einer Plastikpfeife aus einer Cornflakes-Packung ("Cap'n Crunch") herausgefunden, wie man mit bestimmten Tönen die Systeme des Telefongiganten AT&T manipulieren konnte, um kostenlose Telefonate zu ermöglichen. Die beiden Steves waren wie elektrisiert.

Apple-Mitbegründer Steve Wozniak baute als junger Mann sogenannte Blue Boxen.
(Quelle: Christoph Dernbach/dpa)
Wozniak konstruierte aus billigen Elektronik-Teilen ein vollgestopftes Kästchen, mit dem man die Tonfolgen viel präziser und zuverlässiger erzeugen konnte als mit der Spielzeug-Pfeife. "Mit einer Blue Box konnten wir dem System vorgaukeln, wir seien ein Telefon-Computer", erinnerte sich Steve Jobs später.

"Du konntest aus einer Telefonzelle White Planes, New York, anrufen, dann eine Satellitenverbindung nach Europa aufbauen, eine Kabelstrecke in die Türkei legen, nach Los Angeles zurückverbinden. Man konnte eine Verbindung drei, vier Mal um den Globus herum aufbauen und ein Telefon in der Nachbarschaft anrufen. Wenn man etwas in den Hörer rief, kam es 30 Sekunden später auf dem anderen Hörer an." Woz erzählt noch heute gerne die Geschichte, wie er auf diesem Weg beim Papst angerufen hatte - indem er sich als US-Außenminister Henry Kissinger ausgab.

Die Manipulation des Telefonsystems war natürlich illegal. Das hinderte Wozniak und Jobs nicht daran, Blue Boxes zu bauen und im Bekanntenkreis zu verkaufen. "Zwei Teenager konnten damals für hundert Dollar eine Box bauen und damit eine Infrastruktur kontrollieren, die mehrere hundert Milliarden US-Dollar wert war, nämlich das gesamte Telefonsystem der Welt. Das war magisch", schwärmte Jobs.

Bei der Blue-Box-Episode blitzte zum ersten Mal der Geschäftssinn von Steve Jobs auf. Während Wozniak vor allem seine Kumpel im Homebrew Computer Club beeindrucken wollte, ging es seinem Freund auch ums Geldverdienen und die Erkenntnis, dass man mit einem kleinen Einsatz große Wetten gewinnen kann.



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