INTERNET WORLD Business Logo Abo
Smartphone und Geldscheine

Bitkom-Prognose Smartphone-Markt: Absatz Top, Umsatz Flop

Schutterstock.com/Tashatuvango
Schutterstock.com/Tashatuvango

Der Bitkom verzeichnet steigende Verkaufszahlen bei Smartphones und Tablets, doch die Umsätze gehen zurück.

Das Wachstum des Smartphone-Absatzes soll sich laut Bitkom in diesem Jahr abschwächen. Schätzungen zufolge wird 2015 in Deutschland mit einem Verkauf von 24,6 Millionen Smartphones gerechnet. Dies entspricht einem Plus von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Extrem hohe Wachstumsraten, wie wir sie in den letzten Jahren hatten, lassen sich auf keinem Markt dauerhaft halten, noch dazu, wenn dieser schon so groß ist wie der Smartphone-Markt“, sagt dazu Jens Schulte-Bockum, Mitglied des Bitkom-Präsidiums und Geschäftsführer von Vodafone Deutschland.

Trotz der noch steigenden Absatzzahlen wird beim Smartphone-Umsatz ein Minus von 1,2 Prozent erwartet. Demnach soll das Marktvolumen im Jahr 2015 um rund 100 Millionen Euro auf 8,2 Milliarden Euro zurückgehen. Einer der Gründe für die rückläufigen Umsatzzahlen sind der anhaltende Preiskampf sowie das wachsende Smartphone-Angebot im mittleren und unteren Preissegment.

Funktionen mit Zukunft

Doch womit können Hersteller und Händler trotz der stagnierenden Smartphone-Verkäufe noch punkten? Der Bitkom hat zu diesem Thema eine Bevölkerungsumfrage in Auftrag gegeben. Ziel der Befragung war es herauszufinden, auf welche Smartphone-Funktionen die Nutzer besonders großen Wert legen. Das Ergebnis: längere Akkulaufzeiten und bessere Fotokameras.

Dem Branchenverband zufolge entwickelt sich die Verbesserung der Akkulaufzeit für die Hersteller zu einer der wichtigsten Herausforderungen im Hardware-Bereich.

Außerdem werden Smartphone-Kameras nicht mehr nur für schnelle Schnappschüsse, sondern zunehmend als vollwertiger Kameraersatz benutzt. Weiterhin zählen mehr Speicher und ein größeres Display zu den am häufigsten genannten Wünschen der Smartphone-Nutzer.

Auch der Tablet-Umsatz schwächelt: Der Absatz der Geräte kann Prognosen zufolge zwar ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen, und die Verkaufszahlen haben erstmals die Neun-Millionen-Marke geknackt.

Der Tablet-Markt wächst demnach also weiter, wenn auch deutlich verhaltener als bislang. So wird der Umsatz in diesem Jahr voraussichtlich 2,6 Milliarden Euro betragen, ein Plus von 3,6 Prozent im Vergleich zu 2014.

Allerdings hatte 2013 das Tablet-Geschäft mit einem Absatzplus von 52 Prozent auf acht Millionen Stück und einem Umsatzanstieg um 37 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro bereits hohe Werte erreicht. Vor allem der Preiskampf und die zunehmende Bedeutung der Phablets sind für das abgeschwächte Umsatzwachstum am Tablet-Markt verantwortlich.

Mobile Internet-Nutzung nimmt weiter zu

Dabei sind Tablets und Smartphones längst im Alltag angekommen. Videos streamen, Fotos in sozialen Netzwerken hochladen oder Mobile Payment: Der Trend der mobilen Internet-Nutzung bleibt ungebrochen.

84 Prozent der Verbraucher surfen mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop mobil im Internet. So wird das Datenvolumen, das die Mobilfunknetze in diesem Jahr voraussichtlich bewältigen müssen, auf 480 Millionen Gigabyte geschätzt.

Dies entspricht einer Steigerung um 110 Millionen Gigabyte im Vergleich zum vorherigen Jahr. „Der Wachstumstrend bei den mobilen Datendiensten wird sich in Zukunft noch weiter beschleunigen“, prognostiziert Schulte-Bockum.

Auch aktuelle Trends wie beispielsweise Mobile Payment, das Bezahlen mit dem Smartphone, werden noch deutlich zunehmen. Zudem beschleunige die Digitalisierung in der Industrie, wodurch immer mehr Autos und Maschinen große Datenmengen senden und empfangen können, diese Entwicklung zusätzlich.

Den Prognosen zufolge werden 2015 erstmals die mobilen Sprachdienste als wichtigster Umsatzbringer im Mobilfunkmarkt abgelöst. In Deutschland wird in diesem Jahr bei mobilen Daten ein Anstieg auf 10,3 Milliarden Euro erwartet. Dies entspricht einem Plus von 600 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr.

Zwar werden die Deutschen 2015, wie auch schon im Jahr zuvor, Voraussagen zufolge 111 Milliarden Minuten mit dem Handy telefonieren. Dennoch sinken die Umsätze mit Sprachdiensten erneut. So wird mit Einbußen um 8,0 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro gerechnet, dies sind 900 Millionen Euro weniger als noch 2013.

Jens Schulte-Bockum

Jens Schulte-Bockum; Geschäftsführer Vodafone Deutschland

"Ein wichtiger Grund für den Abwärtstrend bei der mobilen Telefonie ist die weiter zunehmende Verbreitung von Sprach-Flatrates und der damit einhergehende steigende Preisdruck. "Wer heute einen Mobilfunkvertrag abschließt, erwartet meist, dass er zu sehr günstigen Tarifen unbegrenzt mobil telefonieren kann", so Schulte-Bockum.

Auch schnelle Übertragungsstandards wie LTE, die Popularität sozialer Netzwerke, Cloud Computing, Apps, Video-Streaming sowie die zunehmende Kommunikation zwischen Endgeräten werden bei mobilen Datendiensten auch in Zukunft für eine hohe Nachfrage sorgen, ist sich Schulte-Bockum sicher.

Sie gilt als der erste richtig große Hit der Ära Cook: die Apple Watch. Doch Umfragen zeigen, dass das Interesse an der teuren Smartwatch verhalten ist. Zwei Drittel aller Kunden wollen sie nicht.

Das könnte Sie auch interessieren