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Kaum eigene Webshops Einzelhandel hat Online-Nachholbedarf

shutterstock.com/Ikonoklast Fotografie
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Bei mittelständischen Unternehmen herrscht offenbar Skepsis gegenüber dem Internet: Sechs von zehn Einzelhändlern verfügen über keinen eigenen Online-Shop - und wollen auch in Zukunft ohne auskommen.

Sie fürchten die Zeit (41 Prozent), die Kosten (34 Prozent) oder halten es schlicht für nicht lohnenswert (34 Prozent) - das sind die wichtigsten drei Gründe, warum Einzelhändler in Deutschland auf einen eigenen Webshop verzichten. Nur etwa jeder Dritte von ihnen (33 Prozent) bietet seine Produkte online an. Knapp zehn Prozent (9 Prozent) planen zumindest, bald online zu gehen.

Die Mehrheit allerdings, nämlich 57,3 Prozent, haben keinen Webshop und planen auch nicht, daran etwas zu ändern. Acht Prozent der Händler sind online gar nicht präsent und verfügen nicht einmal über eine eigene Unternehmens-Webseite. Knapp 60 Prozent von ihnen (58 Prozent) bieten darüber hinaus ihre Waren auf keinem Marktplatz wie Amazon oder eBay an.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Studie "Handel im Mittelstand: Wohin geht die Reise?" des ECC Köln, für die in Zusammenarbeit mit 25 Industrie- und Handelskammern insgesamt 386 vorwiegend kleine und mittlere Einzelhändler zum Status quo und zu zukünftigen Erwartungen im Handel befragt wurden.

ECC Köln

Bedrohung für den Einzelhandel

Zwar stimmen mehr als 60 Prozent der Befragen der Aussage zu, dass der Online-Handel eine Bedrohung für den Einzelhandel darstellt, und über 80 Prozent sind der Meinung, dass der stationäre Handel Maßnahmen ergreifen muss, um im Zeitalter der Digitalisierung aktiv zu bleiben. Aber nur jeder Zweite ist davon überzeugt, dass ausschließlich Händler, die auf Multichannel-Kundenansprache setzen, dauerhaft erfolgreich sein werden.

"Das ist ein erschreckend geringer Anteil", sagt Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln. "Aktuelle Studien zeigen deutlich, dass ein Großteil der Kunden schon heute während eines Kaufvorgangs nahtlos von einem Kanal zum nächsten wechselt. Cross-Channel ist kein Hype, sondern eine klare Konsumentenanforderung. Nicht jeder Händler benötigt dabei auch gleich einen eigenen Online-Shop, aber eine Unternehmens-Website mit Kontaktmöglichkeiten, Öffnungszeiten und Sortimentsinformationen ist auch im inhabergeführten Einzelhandel Pflicht, um wettbewerbsfähig zu bleiben."

Immerhin sind knapp die Hälfte der Händler auf Social-Media-Kanälen aktiv. Sie werden vor allem dazu genutzt, um potenzielle Kunden über neue Produkte (75 Prozent) und aktuelle Angebote (67 Prozent) zu informieren. Facebook ist dabei wenig überraschend die attraktivste Plattform.

Für die Zukunft erwarten beinahe alle Händler (94 Prozent), dass besonders die Bedeutung mobiler Endgeräte zunehmen wird. Bereits heute verfügen 44 Prozent von ihnen über eine mobil optimierte Homepage. Zudem glauben 48 Prozent der Befragten, dass bargeldlose Bezahlung in stationären Geschäften per Smartphone in Zukunft Normalität wird. Auch Same Day Delivery und die Funktion von stationären Geschäften als Showroom halten 38 Prozent beziehungsweise 20 Prozent für realistisch.

Die Händler könnten von der Einführung von Mobile-Payment-Lösungen profitieren: Einer Studie des IFH Kölns zufolge beurteilen rund 61 Prozent der Konsumenten Händler, die diese Bezahlmöglichkeit anbieten, als besonders innovativ.

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