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Hand mit Fernrohr

bevh-Studie Arbeitsmarkt E-Commerce: Kosten für Recruiting steigen massiv

Der Boom im Online-Handel treibt die Personalkosten

shutterstock.com/Antikwar

Der Boom im Online-Handel treibt die Personalkosten

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Der E-Commerce boomt, tut sich aber schwer damit, geeignete Fach- und Führungskräfte zu finden. Und das, obwohl für Arbeitnehmer das Gehalt als finaler Entscheidungsgrund immer unwichtiger wird, zeigt eine bevh-Studie.

Der Boom im E-Commerce treibt die Personalkosten - und hat Auswirkungen auf die Arbeitskultur bei den Online-Händlern. Das zeigt eine aktuelle Erhebung des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh).

So lassen sich heute laut bevh bereits Positionen im unteren und mittleren Management ab 40.000 Euro nur noch schwer ohne Personalberater besetzen. Der überwiegende Anteil der Recruiter wird inzwischen für Positionen ab einem Jahresgehalt von 60.000 Euro eingeschaltet.

"Getrieben von der digitalen Transformation stellen sich auch die Unternehmen des Online- und Versandhandels heute neu auf. Sie werden mutiger und gehen neue Wege. In den nächsten Jahren wird sich die Art, wie wir arbeiten und unsere Arbeit wahrnehmen, drastisch verändern", glaubt Christoph Wenk-Fischer, bevh-Hauptgeschäftsführer. Dazu gehört auch, selbst aktiv auf die Suche nach Kandidaten zu gehen, Stellenausschreibungen alleine haben nur noch wenig Wirkung.

Mehr internationale Fach- und Führungskräfte nötig

Zwar erwarten fast zwei Drittel der über 25 befragten Personalberatungs-Unternehmen, dass sich künftig mehr Bewerber dafür interessieren, im Online- und Multichannel-Handel zu arbeiten. Nur 46 Prozent der Befragten glauben aber, dass der Mittelstand künftig seinen Fachkräftebedarf im Inland decken kann. Firmen, die Jobs im interaktiven Handel bieten, müssen künftig vermehrt international suchen, um Fach- und Führungskräfte zu finden.

Grundsätzlich schätzen nur 24 Prozent die Aussichten, in den kommenden fünf Jahren die offenen Fach- und Führungspositionen im E-Commerce zu besetzen, als "gut" oder "befriedigend" ein.

Gehalt ist nicht mehr entscheidend

Mit welchen Faktoren lassen sich Bewerber locken? Der Studie nach ist heute das Gehalt nach dem dominierenden Faktor "Standort des Unternehmens" zwar noch entscheidend für die Arbeitsplatzwahl, die Entlohnung soll aber zukünftig immer mehr an Bedeutung verlieren. So glaubt jeder vierte befragte Personalberater, dass künftig das Gehalt "nicht so wichtig" für die finale Entscheidung des Kandidaten ist.

Stattdessen werden für drei von vier Beratern das Arbeitsumfeld, flache Hierarchien und Eigenverantwortung fast so wichtig wie die finanziellen Komponenten, dicht gefolgt von der Gestaltung des Arbeitsplatzes nach eigenen Bedürfnissen und den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Klassische Incentives wie Dienstwagen (vier Prozent), betriebliche Altersvorsorge (16 Prozent) oder die wahrgenommene "Sicherheit des Arbeitsplatzes" (28 Prozent) sind nach Ansicht der Recruiter für die neuen Manager weit weniger relevant als beispielsweise Familienfreundlichkeit (56 Prozent).

Das wollen die Arbeitgeber

Und was wiederum suchen nun die Arbeitgeber im E-Commerce? Die Top Five der Anforderungen laut bevh sind für 88 Prozent der Befragten die Berufserfahrung, für 80 Prozent die Führungs- und Projekterfahrung, für 56 Prozent die Leistungsbereitschaft, für 40 Prozent die Sozialkompetenz - gleichauf mit dem geforderten Gehaltsrahmen.

62 Prozent der Beratungen gaben zudem an, dass bei der Besetzung von Führungspositionen die größeren Fehler gemacht werden. Eine nicht vorhandene Führungskompetenz ist bei Einstellungen häufig schwerer zu beurteilen als die Fachkompetenz.

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