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Nachhaltiges zukunftsweisendes Wort auf Asphaltstraßen mit Markierungslinien

Gastkommentar Nachhaltigkeit beim Online-Shopping: Sind Kunden schon bereit dafür?

Shutterstock/smshoot
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Es gibt kaum eine Brand im Konsumgüterbereich, die bei ihren Produkten nicht auf  Nachhaltigkeit setzt. Das ist gut so, findet Daniel Goihl, Co-Founder der Yoga-Marke Ikarus. Aber sind die Kunden auch wirklich schon bereit, für Nachhaltigkeit mehr Geld zu zahlen?

Von Daniel Goihl, CEO von TACSY & Co-Founder von IKARUS

Nachhaltigkeit ist in aller Munde - und das ist gut so. Als Co-Founder von Ikarus - Yoga Wear For Men - war Nachhaltigkeit in allen Prozessen für uns von Tag Eins ein wichtiges Thema. So suchten wir nach Produktionspartnern, die unter fairen Bedingungen mit nachhaltigen Materialien arbeiten, investierten hunderte Stunden Recherchearbeit in eine möglichst umweltschonende Verpackung, die ressourcenschonend ist aber trotzdem hochwertig aussieht, und haben nach langer Suche einen Fulfillment-Dienstleister gefunden, der ein Bio-zertifizierter Spezialist für ökologisches Verpackungsmaterial ist.

Schnell mussten wir feststellen: Nachhaltigkeit hat ihren Preis. Für das gleiche Geld könnten wir in vielen Produktionsstätten in Nah- und Fernost vermutlich die fünf- bis zehnfache Menge an Produkten herstellen lassen, und Flyer und Verpackungsmaterial aus Reispapier & Co. schlagen auch stärker zu Buche, als die herkömmlichen Varianten. Das sind alles Aspekte, die die Rentabilität verringern. Also muss sich die Nachhaltigkeit auch letztlich im finalen Preis widerspiegeln und somit an den Endkunden weitergegeben werden.

Sind Kunden bereit, das zu bezahlen?

Häufig stellen wir fest, auch im Gespräch mit anderen Brands am Markt: "Die Kunden fordern Nachhaltigkeit, aber sind häufig nicht bereit, den Preis dafür zu bezahlen." Diese Doppelmoral kann für viele nachhaltige Marken zum Problem werden. Obwohl Nachhaltigkeit eigentlich selbstverständlich sein sollte, machen wir sie zum Teil unserer Kommunikation - auch um in anderen Lebensbereichen zu inspirieren, ohne zu missionieren.

Von unseren Kunden bekommen wir häufig besonders gutes Feedback aufgrund der Nachhaltigkeit. Es fühlt sich gut für sie an, nicht nur ein hochwertiges Produkt in den Händen zu halten, das unter fairen Bedingungen hergestellt wurde, sondern auch beim Gang zur Tonne später kein Plastikmüll verursacht zu haben.

Die Lösung ist also eine Mischung aus Aufklärung bzw. Bewusstseinsschaffung für nachhaltiges Verhalten, aber stets auch die Suche nach intelligenten Wegen, nachhaltig aber gleichzeitig kosteneffizient zu agieren.

Retouren sind ein "Nachhaltigkeits- und Rentabilitätskiller". Nachhaltigkeit beim Online-Shopping bezieht sich nicht nur auf das Produkt und die Verpackung an sich, sondern auch auf die Retouren-Quote. Nicht selten bestellen Kunden mehrere Größen - die Erfahrung macht jeder Händler. Das ist aus Kundensicht auch nachvollziehbar, aber nicht nachhaltig – und für die Rentabilität eines Unternehmens ein absoluter Killer.

Wir versuchen dem entgegenzuwirken und bieten den Kunden möglichst viele Informationen darüber an, welche Größe ihnen am besten passen könnte. Je aktiver wir hier in den Dialog mit den Kunden gehen via Mail und Social Media, desto geringer ist die Retouren-Quote. Ein gutes Community Management ist der Schlüssel, um Kosten zu sparen und unnötigen Verpackungsmüll und Aufwand zu vermeiden.

Daniel Goihl

Daniel Goihl ist CEO der Berliner Social Media Agentur Tacsy, Co-Founder der Marke Ikarus – Yoga Wear For Men und Mit-Initiator der gemeinnützigen Organisation Stift & Papier.

Tacsy GmbH / Viviane Grigull

Wir machen es unseren Kunden aber auch bewusst "schwer", indem wir keinen Retourenschein mitschicken. Sollte ein Kunde seine Ware zurückschicken bzw. umtauschen wollen, muss dieser sich aktiv bei uns melden. Auf unserer Seite erinnern wir daran, dass jede Retour Verpackungsmüll verursacht.

Natürlich muss im Endeffekt auch hier ein Etikett gedruckt werden, aber in nicht seltenen Fällen entscheiden sich die Kunden, vielleicht auch aus Bequemlichkeit, gegen eine Rücksendung. Seit einigen Wochen arbeiten auch mit dem Anbieter Keepist zusammen. Keepist ist ein Belohnungssystem, das Kunden mit Goodies und Rabatten belohnt, wenn sie klimafreundliche und faire Produkte kaufen - natürlich auch unter der Bedingung, dass die Kunden diese nicht zurückschicken.

Der Nachhaltigkeit gehört die Zukunft

Nachhaltigkeit ist kein vorübergehender Trend, sondern ein Teil der Lösung, wie wir in unserer Gesellschaft ein bewussteres Konsumverhalten etablieren können. Jedes Unternehmen steht meiner Auffassung nach in der Pflicht, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und herauszufinden, was es tun kann, um zumindest Teilaspekte in Sachen Nachhaltigkeit zu identifizieren und umzusetzen.

Und wenn uns Kunden aktuell noch beim Kaufverhalten verhaltener gegenübertreten, werden perspektivisch eher die Player am Markt abgestraft, die keine nachhaltigen Lösungen vorzuweisen haben.

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