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Julia Jäkel zur Transformation von Gruner + Jahr

Julia Jäkel zur Transformation von Gruner + Jahr Mehr Lässigkeit, mehr Dynamik

Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende Gruner + Jahr

Julia Jäkel, Vorstandsvorsitzende Gruner + Jahr

Vom Medienhaus zum Haus der Inhalte: Vor gut einer Woche gab der Gruner + Jahr-Vorstand den Startschuss zur strategischen Neuausrichtung des Verlags. Was genau dahintersteckt und wie die Zukunft aussehen soll, erklärte die Vorstandsvorsitzende Julia Jäkel auf der dmexco.

Julia Jäkel hat zum Aufbruch geblasen: Vor gut einer Woche gab die Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr eine grundlegende strategische Veränderung des Verlags bekannt. Das traditionelle, etwas steif wirkende Medienhaus soll zum neuen modernen "Haus der Inhalte" werden. "Aktuell sind wir - vor allem im Denken - in erster Linie ein Zeitschriftenhaus, das nur bedingt über digitalen Content verfügt", erklärte Jäkel auf der dmexco. Und das soll sich ändern. "Mehr Lässigkeit, mehr Dynamik" will Jäkel in das Unternehmen bringen. Dabei bleibt das klassische Print-Geschäft aber weiter wichtiger Teil des Profils, denn: "Um im digitalen Geschäft erfolgreich zu sein, müssen wir die Interaktion mit den Zielgruppen in den Segmenten suchen, in denen wir stark sind - also in Print." In Zukunft soll nun aber zunehmend das Online-Geschäft in den Vordergrund gestellt werden - unter anderem in Form von E-Magazines, beispielsweise für das Reportage-Heft "Geo".

Inhalte und Nutzer

Zentrales Schlagwort für die Transformation ist aber der Content. "Inhalte, Inhalte, Inhalte" soll es geben, so die G+J-Chefin im Gespräch mit Götz Hamann, Deputy Head of the Economics Department bei der Zeit. Die Bandbreite dieser Inhalte ist für Jäkel groß: "Das können herausragende Reportagen, spannende Texte oder qualitativ wertvolle Servicestrecken sein". Gute Inhalte sind für Jäkel aber beispielsweise auch individuelle Rezepte auf chefkoch.de, die von Usern erstellt wurden und in der Community großen Anklang finden.

Neben der Aufwertung des Contents setzt der Verlag auch auf den Nutzer. Man wolle den Menschen in den Vordergrund stellen und sich künftig stärker fragen, was denn der User eigentlich möchte und welche Interessen er habe, so die Vorstandsvorsitzende. Die Frage nach der richtigen Plattform sei dann sekundär. Ziel sei es, sich auf "Communities of Interest" zu fokussieren.

Eine dieser Communities und zugleich auch eines der erfolgreichsten digitalen Produkte von G+J ist die Kochplattform chefkoch.de. Auch hier will Jäkel den Fokus auf Content setzen. Allerdings soll dabei der "Oldschool"-Weg gefahren und die digitale Version in eine Print-Variante transformiert werden. Die erste Ausgabe von Chefkoch als neues Food-Magazin soll bereits am 10. Oktober 2013 erscheinen. In jeder Ausgabe werden die beliebtesten und am besten bewerteten Rezepte von chefkoch.de ausgewählt, von Profis nachgekocht und dabei fotografiert. So soll das erste Kochmagazin "aus Deutschlands Küchen für Deutschlands Küchen" entstehen. Zum Start ist eine Auflage von 300.000 Exemplaren geplant.

Insgesamt wird G+J mehrere hundert Millionen Euro in die Neuausrichtung stecken. Die Umwandlung ist als langfristiger Prozess angelegt. Dabei sei kein "Blueprint" für alle Marken geplant, eher eine individuelle Vorgehensweise, so Jäkel. Das Gießkannen-Prinzip gebe es nicht.

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