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Curt Simon Harlinghausen

BVDW Start-up-Forum 2015 Gründer liest Start-ups die Leviten

Curt Simon Harlinghausen auf dem BVDW Start-up Forum 2015

Frank Kemper

Curt Simon Harlinghausen auf dem BVDW Start-up Forum 2015

Frank Kemper

Er hat selbst schon über ein Dutzend Unternehmen gegründet und gilt als glänzend vernetzt. Am Vortag der dmexco richtete Curt-Simon Harlinghausen kritische Worte an die Gründer von morgen.

Ein Drittel mehr Start-ups als im vergangenen Jahr kann der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) 2015 im Start-up Village in der Halle 6 der dmexco begrüßen - die Förderung junger Gründer ist dem Verband ein Anliegen. Einen Wattebauschweitwurfwettbewerb will der BVDW dagegen nicht gewinnen, das zeigte die Keynote, die Curt Simon Harlinghausen auf dem Start-up Forum 2015 am Vortag der Messe hielt. Harlinghausen ist nicht irgendwer, er ist Chief Digital Officer EMEA der Starcom Mediavest Group, Germany, Vorsitzender der Initiative Start-ups im BVDW und hat selbst bereits mehr als ein Dutzend Unternehmen gegründet.

"Elf grundlegende Erkenntnisse und Regeln für ein erfolgreiches Start-up in der Digitalen Wirtschaft", so der Titel seines Vortrags - und zu Beginn schildert er die Entwicklung der Katzenklappe. Sie wurde im 17. Jahrhundert vom Sir Isaac Newton erfunden, der nicht wollte, dass seine Katze an der Tür kratzt, wenn sie hinein will. Heute gibt es Katzenklappen, die auf einen Chip unter der Haut der Katze reagieren und die Tür nur dann öffnen, wenn der "richtige" Stubentiger vor der Tür steht. In den USA gibt es inzwischen Matten, die registrieren, ob die Katze eine Maus oder einen Vogel im Maul hat - und die mit einem leichten Stromschlag dafür sorgen, dass sie ihre Mitbringsel nicht ins Haus schleppen. Bald, so Harlinghausen, wird die Katze einen Biosensor bei sich tragen, der ihren Gesundheitszustand erfasst und diese Erkenntnisse an einen Futterautomaten weitergibt, der daraufhin die passende Diät mischt. Und bevor das Futter knapp wird, bekommt der Besitzer eine Nachricht, dass er neues bestellen soll, das füllt dann der Kurierfahrer durch eine Öffnung in der Hauswand direkt nach.

"So merken Sie gar nichts mehr von Ihrer Katze. Und wenn sie tot ist, dann bestellen Sie einfach online eine neue." sagt Harlinghausen: "Scary, nicht wahr? Aber was hat das mit Start-ups zu tun?" Die Antwort: "Von der Klappe, die auf einen Chip reagiert bis zum Biosensor hat die Entwicklung nur drei Jahre gedauert."

Die Digitalisierung, so seine These, sei ein unaufhaltsamer, nicht endender Prozess, der "zum ersten Mal in der Geschichte der Industrialisierung mehr Jobs vernichtet als wir neu aufbauen können." Die Mittelklasse werde dabei zerstört werden. "Kaum ein Unternehmen ist in der Lage, die Tragweite der Digitalisierung wirklich zu überblicken" so Harlinhausen weiter, und deshalb werde die Digitalisierung in kleine Schritte  zerlegt und "Digitale Transformation" genannt. Dieser Begriff gefällt Harlinghausen nicht, denn er "ist zu kurz gedacht." Niemand, auch niemand in der politischen Klasse, wolle wirklich Verantwortung für die Folgen der Digitalisierung übernehmen.

Für Start-Ups bedeutet diese Situation: Nur wenn sie diese Entwicklung verstehen und weiter denken als nur für die nächsten paar Jahre, dann haben sie eine gute Chance für einen dauerhaften Erfolg.

Nach diesen überraschend skeptischen Worten folgten dann die versprochenen 11 Erfolgsfaktoren, "aufgeteilt in 5 P und 6 S, weil ich bin ein Nerd und habe es mit Zahlen:"

Die 5 P für den Erfolg:

  1. People - das richtige Team, die richtigen Kontakte
  2. Prozesse - verstehen, was man tun möchte
  3. Plan - ein von A bis Z durchdachter Business-Plan
  4. Präsentation - "was ich da zu sehen bekomme ist zum Teil grauslig !"
  5. Produkt - das Produkt entscheidet über den Erfolg

Die 6 S für den Erfolg:

  1. Simplicity - das Geschäftsmodell muss klar und einfach sein
  2. Shareable - es muss sich schnell weiterverbreiten können
  3. Snackable - es muss sich schnell erschließen und Appetit machen
  4. Surpriseable - es muss die Nutzer überraschen
  5. Speed to Market - man darf nicht Jahre warten, bis die Idee läuft
  6. Stringenz - das Geschäftsmodell darf nicht zerfasern


Das Start-Up Forum des BVDW ist die Auftaktveranstaltung des BVDW zum Thema Start-ups auf der dmexco. Am Dienstag trafen sich rund 120 Teilnehmer und verfolgten Vorträge zu Themen wie "Start-up-Ökosystem 2020" und "Geschäftsmodelle der Zukunft." Die Start-up-Initiative des Verbandes hat auch eine eigene Website: www.bvdwstartups.de

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