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Gestresste Mutter im Homeoffice

Stress und mentale Belastungen Homeoffice erhöht (auch) den Drogenkonsum

Shutterstock/Kzenon
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Laut einer Nfon-Studie genießen viele Mitarbeiter die Flexibilität und die Freiheit, die hybrides Arbeiten ihnen ermöglicht. Sie fühlen sich aber häufig vom Spagat zwischen Job und Familie überfordert.

Homeoffice erhöht (auch) den Drogenkonsum - das ist ein Ergebnis des "Wohlfühlreports Homeoffice 2022" von Nfon. Das Unternehmen hat gemeinsam mit Statista Q in acht Ländern jeweils rund 1.000 Mitarbeiter befragt, wie sie nach zwei Jahren Pandemie das hybride Arbeiten persönlich empfinden. Dabei ging es nicht wie sonst üblich um die technische Ausstattung des heimischen Arbeitsplatzes, sondern um die sozialen Aspekte beim Spagat zwischen Job und Freizeit. Und dieser hat sich offenbar in den vergangenen Jahren verschärft.

Auf den ersten Blick erscheinen die Ergebnisse zu den Fragen, was sich während der Pandemie im Homeoffice geändert hat, widersprüchlich: Bei 28 Prozent der Befragten hat das Arbeitspensum im Homeoffice zugenommen, bei 25,2 Prozent hat sich die Arbeitszeit erhöht. Gleichzeitig betonten aber 36 Prozent, sie haben im Homeoffice eine bessere Work-Life-Balance und mehr Zeit für Familie und Freunde.

Grundsätzlich aber sorgt die Arbeit zu Hause bei vielen Mitarbeitern (37 Prozent) für mehr Stress in unterschiedlicher Ausprägung. Dabei werden als Stressfaktoren unter anderem die notwendige Selbstverpflegung, eine schlechte Internetverbindung sowie die ständige Erreichbarkeit genannt. Zudem ist der fehlende Austausch mit Kollegen für 35,3 Prozent ein Stressfaktor und für 30,3 Prozent eine fehlende Abgrenzung von Privatem und Beruflichem.

Mentale Belastung

Auf der einen Seite genießen Mitarbeiter also die neue Freiheit - auf der anderen Seite führt sie zu einer stärkeren, auch mentalen Belastung und auch zum Trend zu mehr Drogenkonsum. 34,4 Prozent aller Teilnehmer geben an, dass sie seit Beginn der Pandemie Präparate wie etwa Melatonin, legale Hanfprodukte oder Pflanzenextrakte zur Verbesserung des Wohlbefindens eingenommen haben, 18,2 Prozent zur Steigerung der Konzentration, 13,4 Prozent zur Erholung. Der Konsum anderer Drogen wie Alkohol wurde bei der Studie nicht abgefragt.

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IDC

Arbeitnehmer sehen sich also in einem Zwiespalt zwischen Job und Privatem, der sich durch das Homeoffice noch verstärkt hat. Und offenbar suchen viele nach einem Ausweg, der nicht selten in der Kündigung endet. 21,7 Prozent der Befragten geben an, aufgrund der Erfahrungen während der Pandemie im Homeoffice ihr Ausscheiden bereits geplant zu haben, 9,9 Prozent haben ihren Job schon gekündigt.

Zwickmühle

Ein alarmierendes Signal und auch eine Herausforderung für Unternehmen: Denn auch sie befinden sich in der Zwickmühle. Einerseits verlangen Mitarbeiter die Möglichkeit zum Remote Work, andererseits fühlen sich manche damit aber auch überfordert. Klar ist aber auch, dass hybrides Arbeiten zum Standard geworden ist und wohl bleiben wird. Laut einer aktuellen IDC-Studie wollen 62 Prozent der Unternehmen dies weiterhin anbieten, eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr mit 36 Prozent.

Christian Montag, Autor der Nfon-Studie und Professor für Molekulare Psychologie in Ulm, fordert deshalb: "Europas Unternehmen müssen in der Zukunft wissen, dass Digitalität und Psychologie zusammengehören. Diskussionen über den Burn-out im digitalen Zeitalter oder Technostress werden zunehmend wichtig!"

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