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Homeoffice

Corona-Studie Arbeit im Homeoffice und Wirtschaftskrise schlagen auf Körper und Psyche

shutterstock.com/Kzenon
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Eine deutschlandweite Studie des Personaldienstleisters Avantgarde Experts zeigt, wie es den Menschen seit April 2020 bis heute im Homeoffice ergangen ist. Innovationsgeist und der Drang nach Veränderung sind einer Lethargie gewichen.

Die Studie von Avantgarde Experts und dem Marktforschungsinstitut Splendid Research zeigt, welche Themen die Menschen in Deutschland während der Corona-Krise im Arbeitsalltag besonders beschäftigen.

Nach einem Jahr scheinen die ArbeitnehmerInnen innerlich zerrissen: Einerseits sind sie sehr zufrieden wieder Office-Luft zu schnuppern, um der sozialen Isolation zu entkommen. Andererseits bieten die eigenen vier Wände weiterhin mehr Produktivität und Entspannung sowie weniger Stress. Trotz dieses Dilemmas ist die Bereitschaft zur Veränderung - beruflich oder privat - im Gegensatz zum Oktober 2020 drastisch gesunken. Dennoch bleibt die Loyalität zum Arbeitgeber trotz Homeoffice und Remote Work hoch.

Unternehmerisch wünschen sich die StudienteilnehmerInnen im Vergleich zum April 2020 vor allem eines: dass ihr Unternehmen die Krise überlebt. Die Sehnsucht nach Innovation im Vergleich zum Oktober 2020 ist abgeklungen und einem loyalen Überlebenskampf gewichen. Etabliert hat sich Homeoffice bereits in der Arbeitskultur der Unternehmen und die Menschen haben sich mal besser, mal schlechter arrangiert - über die Hälfte der Befragten würde am liebsten für immer von zu Hause arbeiten. Wäre da nicht dieses sich immer deutlicher herauskristallisierende Gefühl von Einsamkeit. Und auch die Stimmung wandert immer weiter in den Keller.

Leben im Lockdown: Körper und Psyche schlagen Alarm

Die Umfragewerte der Studie lassen erkennen, dass die Befragten die Auswirkungen der Pandemie wieder ähnlich stark spüren wie im April 2020. Sie sind niedergeschlagen und leiden unter Einsamkeit und psychischen Beschwerden.

Überraschenderweise haben vor allem Paare mit einem verstärkten Gefühl von Einsamkeit (65 Prozent) und negativer Stimmung (71 Prozent) zu kämpfen.

Home oder Office? Jeder Zweite will im Homeoffice bleiben

In Bezug auf die Arbeitsstätte scheint sich nach einem Jahr Corona eine innere Zerrissenheit breitzumachen. Erstaunlicherweise sind diejenigen am zufriedensten, die wieder jeden Tag im Büro verweilen, an letzter Stelle die, die ausnahmslos im Homeoffice sitzen.

Trotz geringerer Zufriedenheit will jedoch über die Mehrheit am liebsten für immer im Homeoffice bleiben. Was immer mehr bröckelt, ist die Work-Life-Balance. 52 Prozent der befragten Männer macht die mentale Entgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben mittlerweile zu schaffen.

Loyaler Überlebenskampf statt Innovation

Für Unternehmen zeichnet die Krise eine überwiegend gute bis sehr gute Bilanz. Die Umstrukturierung auf digitale Kanäle bekommt aktuell sogar von über 80 Prozent der Befragten Lob. Vor allem die Konzerne sind es, die hier von ihren Angestellten positiv bewertet werden. Im Vergleich zur zweiten Welle ist der Sehnsucht nach Innovation und Macher-Typen dem Wunsch nach wirtschaftlichem Fortbestehen und dem Erhalt von Arbeitsplätzen gewichen.

Die Welt nach Corona: Ernüchterung statt Euphorie

Abwarten, das geht schon schnell wieder vorbei. So dachten sich wohl viele ArbeitnehmerInnen noch zu Beginn der Pandemie. Passend dazu war der Veränderungswille zum Zeitpunkt der ersten Befragungswelle nicht sehr ausgeprägt. Im Oktober 2020 hingegen wollte der Großteil der Befragten sowohl ihr berufliches als auch ihr privates Leben umkrempeln. Aktuell streben nur noch knapp 15 Prozent private und ein Drittel berufliche Veränderungen an.

Studienleiter Philipp Riedel, Geschäftsführer von Avantgarde Experts, kommentiert die Ergebnisse so: "Unternehmen müssen einen stärkeren Fokus auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter legen. Das Arbeiten im Homeoffice sowie die wirtschaftlich unsichere Lage zahlreicher Unternehmen zeigt gravierende Auswirkungen auf Körper und Psyche."

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