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Feed mit unbegrenztem Scrollen Taboola läutet Ende der "Widget-Economy" ein

shutterstock.com/Mooshny
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Die Content-Empfehlungs-Plattform Taboola launcht einen News Feed, der endloses Scrollen auf einer Website verspricht. Das neue Produkt soll "das Ende der Widget-Ära" einläuten.

Einer der umkämpftesten Märkte in der deutschen Digitalbranche ist der der Content-Empfehlungs-Plattformen. Anbieter wie Plista, Ligatus, Outbrain oder Taboola setzen alle auf ein großes Geschäftsmodell: Native Advertising. Sie implementieren ihre Widgets in nahezu alle großen Publisher-Portale und spielen dort unter dem eigentlichen redaktionellen Artikel am Seitenende weitere "empfehlenswerte Artikel" aus. Anbieter Taboola geht nun einen Schritt weiter und will "das Ende der Widget-Ära" einläuten.

Möglich machen soll das das neue Produkt "Taboola Feed". Das israelische Unternehmen mit Hauptsitz in New York launcht damit einen News Feed, der endloses Scrollen auf einer Website verspricht. Soll heißen: Nutzer können nach dem Lesen eines Artikels unbegrenzt weiterscrollen, sie bekommen dabei verschiedene Informationen wie Inhalte, In-Feed-Videos, Produkte oder App-Downloads eingeblendet.

Open Web

Sinn und Zweck des "Open Webs"-Ansatzes ist es, die Konsumgewohnheiten aus sozialen Medien bei der Nutzung von Content nachzuempfinden. Dafür besteht das Interface des Feeds aus sogenannten Cards mit verschiedenen Informationen und in unterschiedlichen Formaten.

Taboola hofft vor allem mit der Platzierung "neben sicheren und hochwertigen redaktionellen Inhalten" überzeugen zu können - soziale Medien müssen sich oft dem Vorwurf stellen, "unseriösen" Content, Stichwort Fake News, zu verbreiten.
 
Der Publisher soll die volle Kontrolle darüber haben, welche Cards organisch (Neuverbreitung eigener redaktioneller Inhalte) und welche gesponsert (bezahlt von einem Vermarkter, Sponsored Content, In-Feed-Video, Produkte, Apps etc.) sein sollen. In jedem Fall soll der Leser mehr Zeit auf der eigenen Website und im Website-Umfeld des Publishers verbringen.

Erster Verlagspartner

Mit der "New York Daily News" (NYDN) gibt es auch bereits einen ersten Verlagspartner, die deutschen Publisher sollen demnächst verkündet werden. Die NYDN testete und implementierte "Taboola Feed" auf ihren mobilen und Desktop-Seiten. Seit der Einführung des "Taboola Feed" im letzten Monat soll die NYDN einen Umsatzanstieg von 26 Prozent und eine Steigerung der Leser-Interaktion von 40 Prozent im Mobilbereich verzeichnet haben.

NYDN

Taboola

"Das User-Verhalten entwickelt sich im Wandel der digitalen Welt weiter. Social-Media-Plattformen haben die Leser an das unbegrenzte Scrollen gewöhnt", kommentiert Grant Whitmore, Executive Vice President, Digital, bei der "New York Daily News". "Ich bin der Überzeugung, dass sich das Nutzererlebnis im Open Web zu einem integrierten und ganzheitlichen Erlebnis verändern muss und eine Weiterentwicklung von Widgets, die über dem Artikel, in der Mitte des Artikels, entlang der rechten Leiste und am Ende des Artikels platziert sind, zu erfolgen hat. Hier können wir von den sozialen Netzwerken viel lernen", ergänzt Adam Singold, CEO und Gründer von Taboola.

Taboola erreicht zurzeit nach eigenen Angaben weltweit über eine Milliarde Nutzer pro Monat. Zu den internationalen Publishern gehören USA Today, Huffington Post, MSN, Business Insider, Techcrunch, engadget, Chicago Tribune und Weather Channel. In Deutschland nutzen unter anderem Axel Springer Media Impact mit "Die Welt", Ströer Content Group, Sport1 und MHS Digital GmbH den individualisierten Discovery Service.

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