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Beat Knecht von Zattoo im Interview

Beat Knecht von Zattoo im Interview "Youtube kann sich nur Google leisten"

Live-TV im Netz - das ist das Geschäft von Zattoo. Das Unternehmen hat in Deutschland 2,5 Millionen angemeldete Nutzer, weltweit sind es acht Millionen. Auf den Audiovisual Media Days hält Gründer und Geschäftsführer Beat Knecht die Keynote zum Thema "New Generation TV". internetworld.de sprach mit ihm über das Fernseherlebnis der Zukunft, beliebte Werbeformen und Youtube als Konkurrenz.

Herr Knecht, sind Sie die Zukunft?

Beat Knecht: Ja, aber ich würde es ein bisschen neutraler formulieren: Das, was Zattoo erfunden hat, ist die Zukunft. Wir versuchen, mit dem Markt zu wachsen und unsere Führungsrolle zu behalten.

Auf den Audiovisual Media Days geben Sie am kommenden Mittwoch einen Ausblick auf das Fernsehen der nächsten Generation – wie sieht das aus?

Knecht: Die Zuschauer werden digital auf allen Endgeräten fernsehen – und der Wechsel zwischen den Geräten wird nahtlos sein. Werbung, die ins TV-Programm eingewoben ist, wird online mit Targeting ausgeliefert. Und die Nutzer werden die Chance bekommen, Werbespots zu bewerten und auszuwählen. Die meisten Zuschauer haben ja nichts gegen Werbung generell, sondern nur gegen schlechte Werbung.

Zattoo bietet Unternehmen verschiedene Werbeformen an. Welche läuft am besten?

Knecht: Extrem beliebt ist unsere Kanalwechselwerbung, die wir den Usern beim Umschalten von einem Sender zum anderen zeigen. In der Schweiz ist dieses Format oft ausverkauft, denn die Klickraten liegen zehnmal höher als bei Standardbannern. Das liegt auch daran, dass wir die Nutzer nicht mit Werbung überfrachten. Von den 600 Minuten, die ein Schweizer Zattoo-Nutzer durchschnittlich im Monat bei uns verbringt, haben Werbeclips nur einen Anteil von zehn Minuten. In Deutschland sind die Zahlen ähnlich.

Lohnt sich Ihr Geschäftsmodell?

Knecht: Wir sind in der Schweiz profitabel und rechnen damit, dass wir in den kommenden zwölf Monaten auch im Ausland soweit sein werden.

Mit den deutschen ARD-Rundfunkanstalten haben Sie bisher nur einen Jahresvertrag.

Knecht: Wir sind die Einzigen, die deren Angebot überhaupt live im Internet übertragen dürfen. Schließlich ist es ein völlig neues rechtliches Gebiet, die Tarife müssen zum Teil erst erfunden werden.

Junge Internetnutzer sehen mehr Filme und Videos auf Youtube als im Fernsehen. Sehen Sie das Videoportal als Konkurrenz?

Knecht: Ich denke, wir sind ziemlich anders: Wir machen Live-TV im Netz – und wir zahlen für die Rechte der professionellen Inhalte. Youtube hat zwar die Welt verändert, aber die Verluste hätten jedes andere Unternehmen umgebracht, das kann sich nur Google leisten.

Eine persönliche Frage zum Abschluss: Wie sehen Sie selbst fern?

Knecht: Über Kabel – und natürlich über Zattoo, wenn ich unterwegs bin. Wir haben Zattoo als Zweit-TV konzipiert, das genutzt wird, wenn das erste Gerät belegt ist, stellen jedoch inzwischen fest, dass oft Zattoo statt Fernseher genutzt wird. Das liegt daran, dass die TV-Monitore inzwischen so groß sind, dass sie das ganze Zimmer beherrschen. Zattoo ist da neutraler, da kann ein Kind auch mal eine Serie sehen, ohne alle anderen zu stören.

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