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Michael Jaschke, Gründer glomex "Wir schaffen eine Alternative zu YouTube und Facebook"

Michael Jaschke, CEO und Gründer glomex

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Michael Jaschke, CEO und Gründer glomex

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Vor gut einem Jahr ging glomex an den Start - weltweiter Marktplatz für Video und ProSiebenSat.1-Tochter. Wir sprachen mit Gründer und CEO Michael Jaschke über die Anfänge, die Schwierigkeiten und das Duopol YouTube und Facebook.

Es gibt kaum einen Player in der Branche, der nicht in irgendeiner Weise mit Video-Content arbeitet, ihn bereitstellt, vermarktet, einbindet oder ähnliches. Diese Wertschöpfungskette in der Online-Verbreitung von Videos will die ProSiebenSat.1 Group seit Mai 2016 mit ihrem technischen Dienstleister glomex abdecken.

glomex steht für Global Media Exchange und agiert als weltweiter Marktplatz für Bewegtbild. Er richtet sich an Content-Owner (Lizenzgeber), Publisher (Website-Betreiber) und Vermarkter, die sich auf der webbasierten Plattform anmelden. Dort können sie ihre Inhalte hochladen und vermarkten beziehungsweise die Plattform nach für sie relevanten Inhalten durchsuchen und diese direkt in ihre Website oder App einbinden.

Die ProSieben-Tochter stellt in Form einer Cloud-basierten Transaktionsplattform die nötige technische Infrastruktur zur Verfügung. glomex sorgt für die gesamte Abwicklung der Transaktion, inklusive Abrechnung, Rechtemanagement sowie technischer Realisierung (Streaming, Player etc.). 

Zum einjährigen Jubiläum sprachen wir mit Gründer und CEO Michael Jaschke über die Anfänge, die Schwierigkeiten und das Duopol YouTube und Facebook.

Wie sieht das Résümé nach einem Jahr glomex aus?
Michael Jaschke: Wir sind mit der Entwicklung des ersten Jahres sehr zufrieden. Die Beta-Phase des zur dmexco 2016 gelaunchten Marktplatzes haben wir erfolgreich hinter uns gebracht und verzeichnen heute rund 200 Publisher und 40 renommierte Lizenzgeber auf der Plattform. Auf diesem Fundament werden wir aufbauen und sowohl die Zahl der Märkte, der Marktplatzteilnehmer als auch die "Produkte" - also Videos sowie neue, marktrelevante Features und Innovationen - weiter steigern.
 
Was waren die größten Hürden, bei welchen Marktplatz-Teilnehmern mussten Sie am meisten Überzeugungsarbeit leisten?
Jaschke: Die Hürden sind recht unterschiedlich. Auf Seiten der Publisher richtet sich der Marktplatz zugleich an die Redaktionen und das Management. Unsere Ansprechpartner haben also teilweise unterschiedliche Prioritäten, das heißt, inhaltliche Qualität einerseits und finanzielle Ziele sowie Ressourcen andererseits. Hier arbeiten wir daran, ein Umdenken zu erzeugen, denn mit glomex schließt das eine das andere nicht mehr aus. Mit unserem Marktplatz bieten wir eine einfache wie relevante Lösung. Wir ermöglichen jedem Publisher den Eintritt in das Videogeschäft und stellen zudem noch sicher, dass das Werbeinventar auch verkauft wird. Dabei gilt unser Qualitätsversprechen: Brandsafe, Viewable, Prime Content. Dies erscheint zunächst zu gut um wahr zu sein. Das macht skeptisch und diese Skepsis müssen wir nehmen. Bei den Lizenzgebern ist die Herausforderung anders gelagert. Viele von ihnen kommen aus der "klassischen" Denkweise, das heißt, entweder den eigenen Content "schützen" zu wollen oder Minimum-Garantien dafür zu verlangen. Hier müssen wir Vertrauen schaffen, Argumente haben wir genug.
 
Wenn es um Video geht dominieren in Deutschland US-Anbieter wie Googles YouTube und Facebook...
Jaschke: Ja, knapp die Hälfte aller Video Views in Deutschland erfolgen bereits jetzt auf YouTube und Facebook - ein Duopol, das nicht nur die Online-Werbewirtschaft bedroht. Lizenzgeber verlieren die Kontrolle über die Verbreitung der eigenen Inhalte sowie über die Bewerbung und deren Preis. Dazu schaffen wir eine Alternative.

Mit welchen USPs wollen Sie sich gegen die beiden Player behaupten?
Jaschke:
Zum einen bieten wir Werbetreibenden kontrollierbare Werbeumfelder, indem glomex-Inhalte in jede von uns geprüfte Websites eingebunden werden können und damit den User dort erreichen, wo er ohnehin schon mit zielgerichtetem Interesse surft. Zum anderen bieten die hochwertigen Seiten, die die glomex-Inhalte einbinden, dem User journalistische Orientierung statt algorithmischer Blase. Unser erklärtes Ziel ist es, maximale Reichweite bei den gewünschten Zielgruppen zu erreichen und dafür müssen wir auf allen relevanten Ausspielkanälen vorkommen.
 
Sie besitzen Inhalte diverser Anbieter, naturgemäß aber natürlich viel ProSiebenSat.1-Content. Wie hoch ist dessen Anteil aktuell?
Jaschke: Derzeit liegen wir noch bei rund 70 Prozent. Dieser Anteil verschiebt sich aber konstant in Richtung externer Lizenzgeber. Und das ist uns auch wichtig, denn wir sind ein unabhängiger Marktplatz.
 
Sie versprechen Werbungtreibenden Brand Safety und kontrollieren die Publisher: Wie prüfen Sie aber die Inhalte der Content-Inhaber?
Jaschke: Wir prüfen grundsätzlich, ob ein Lizenzgeber professionelle Inhalte anbietet. User-Generated-Content akzeptieren wir nicht. Ansonsten sind wir ein neutraler Marktplatz. Die Beurteilung der inhaltlichen Qualität der Videos überlassen wir unserem eigenen Redaktionsteam, das die kuratierten Playlisten erstellt und unseren Publishern sowie den Redaktionen der Publisher Empfehlungen ausspricht. Unser Versprechen auch hier: Brandsafe, Viewable, Prime Content. Daneben garantieren wir eine ideale Ausspielqualität der Videos. Das ist für alle Beteiligten enorm wichtig.
 
Was sind die nächsten Ausbaustufen?
Jaschke: Neben unseren kuratierten Playlisten - hier nehmen wir den Redaktionsteams enormen Aufwand ab und sorgen zugleich für eine bessere User Experience und Monetarisierung - arbeiten wir an weiteren spannenden Features. Diese werden wir zur dmexco vorstellen. Lassen Sie sich überraschen. Außerdem setzen wir unseren Expansionskurs ins europäische Ausland fort.

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