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Nach Deal mit Time Warner AT&T bringt neues Netflix - und sorgt für Daten-Skandal

shutterstock.com/wavebreakmedia
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AT&T will Time Warner kaufen. Bereits wenige Tage nach Verkündung gibt es schon erste Pläne zur Content-Verarbeitung. Überschattet wird der Deal durch schwere Vorwürfe: AT&T soll Nutzerdaten an US-Ermittler geliefert haben.

All eyes on AT&T: Vergangenes Wochenende gab der Telekom-Dienstleister bekannt, für 85 Milliarden US-Dollar Time Warner übernehmen zu wollen. Jetzt werden erste Einzelheiten zu den gemeinsamen Plänen bekannt.

Zu Time Warner gehören unter anderem der Pay-TV-Sender HBO ("Game of Thrones"), der Nachrichtenkanal CNN und das Hollywood-Studio Warner Bros. Damit kommen Produktion und Übermittlung von Medieninhalten in großem Stil unter ein Dach. Wenig verwunderlich also, dass AT&T vor allem den Content für sich nutzen möchte. Geplant ist offenbar eine eigene Plattform für Filme und Videos, um Netflix Konkurrenz zu machen, berichtet die FAZ.

Konkret betonte Randall Stephenson, Vorstandsvorsitzender von AT&T, die Inhalte von Time Warner, vor allem die des Fernsehsenders HBO und des Filmstudios Warner Bros, würde es ermöglichen, eine neue Plattform für Filme und Videos schnell auf den Markt zu bringen.

Daten-Skandal

Aber wie es so ist, kaum im Fokus der Medien, werden auch schon die ersten Skandale bekannt. Wie das US-Portal The Daily Beast unter Berufung auf bislang unveröffentlichte interne Dokumente berichtet, soll AT&T mit seiner eigenen Software Hemisphere ein Überwachungsinstrument für US-Ermittler entwickelt haben. Konkret sollen damit die Daten der eigenen Kunden durchsuchbar gemacht worden sein, um die Ergebnisse gegen Bezahlung an Behörden weiterzugeben.

AT&T ist Anbieter von Mobilfunkdiensten, Internetzugängen und TV-Anschlüssen. Die Masse an Daten, auf der der Konzern sitzt, ist also gigantisch. Mit Hemisphere soll das Unternehmen diese gezielt nach bestimmten Geräten oder Personen durchsucht haben. Diese Dienstleistung wurde dann von anfragenden US-Behörden bezahlt, angeblich soll das zwischen 100.000 und einer Million US-Dollar pro Jahr bringen.

Die Ermittler sollen von AT&T verpflichtet worden sein, die Daten und Ergebnisse nicht vor Gericht zu verwenden. Das heißt, sollte die Polizei jemandem dank Hemisphere auf die Schliche kommen, kann das nicht als offizielle Überführungsmethode genannt werden.

AT&T selbst hat die Vorwürfe und die Schlussfolgerung bereits zurückgewiesen und erklärt, man arbeite mit den Behörden zusammen, wenn dies gesetzlich vorgeschrieben sei. Wie Christopher Soghoian von der American Civil Liberties Union aber treffend erklärt, müssen "Unternehmen Daten an Strafverfolger übergeben, wenn diese das fordern. AT&T muss aber nicht seine eigenen Datenbanken durchforsten, um den Ermittlern zu helfen, neue Indizien zu finden."

Es bleibt abzuwarten, wie sehr der Skandal den Deal mit Time Warner beeinflussen wird. Ein ähnlicher Fall ist die Verizon-Yahoo-Kooperation. Der US-Telekom-Konzern und AT&T-Konkurrent wollte den angeschlagenen Internetpionier für 4,8 Milliarden US-Dollar übernehmen. Dann wurde aber bekannt, dass Yahoo Opfer eines großen Hackerangriffs geworden war und, dass der Konzern unter Druck mit der NSA kooperierte. Nun ist fraglich, ob das Geschäft noch zustande kommt.

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