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Mobile Geräte mit Apps

Mobile Marketing Qualitätstests für mobile Websites

shutterstock/mark-oleksiy
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Mobile Websites müssen perfekt sein, um den Kunden zu begeistern. Bei der Optimierung helfen Agenturen mit unterschiedlichen Tests. Doch wer kann was?

Abbruchrate 71,4 Prozent - mit diesem erschreckend hohen Wert sah sich die Allianz bei der Registrierung ihrer ­Kunden über das Portal My.Allianz.ch konfrontiert. Vor allem Smartphone-Nutzer brachen den Registrierungsprozess ab, meist nachdem sie mehrfach versucht hatten, ihr Geburtsdatum korrekt einzugeben.

Was war passiert? In der mobilen Website des Portals wurde das Eingabefeld für das Geburtsdatum verkürzt dargestellt: Aus der Ausfüllhilfe mit dem Formathinweis "TT.MM.JJJJ“ wurde "TT.MM“. Die Eingabe musste so zwangsläufig scheitern.

Fehler auf mobilen Websites frustrieren und kosten Kunden

Solche Fehler auf mobilen Websites führen schnell zu großem Frust bei den Kunden und kosten im schlechtesten Fall Neukunden und damit auch Umsatz. Jeder Shop-Betreiber sollte daher sorgsam darauf achten, sie zu vermeiden.

Jan Wolter, Europa-Geschäftsführer der Agentur Applause, weiß: "Nutzer erwarten von Anfang an nichts weniger als Perfektion. Laden mobile Websites oder Apps nicht innerhalb von drei Sekunden, erfüllen sie nicht die Ansprüche an Optik, Design und Handhabung, oder funktionieren sie schlicht nicht richtig, sehen sich User zügig nach Alternativen um."

Georg Hansbauer, Gründer und Geschäftsführer des Münchner Unternehmens Testbirds, bestätigt: "Angesichts der großen Konkurrenz werden Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität zu den entscheidenden Erfolgskriterien. Nur wer bei seiner mobilen Website Qualität bietet, kann sich auf lange Sicht in diesem Haifischbecken behaupten."

Dabei ist die Qualitätsoptimierung ­sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich essenziell. Schlecht gemachte mobile Websites können sich außer auf die ­Reputation auch negativ auf den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens oder auf die Kundenbindung auswirken. Das gilt sowohl für große, bekannte Marken als auch für junge Start-ups gleichermaßen.

Um mobile Websites zu testen, bieten Dienstleister und Agenturen verschiedene Tools und Services an. Das US-Unternehmen Applause mit Deutschlandsitz in Berlin verspricht beispielsweise Qualitätstests über den gesamten Lebenszyklus mobiler Anwendungen.

Das Angebot reicht von der Unterstützung in der ersten Entwicklungsphase einer App, über die Möglichkeit von Crowd-basiertem Testen unter realen Bedingungen vor dem Launch, bis hin zur Bereitstellung von Analysedaten nach dem Launch. Diese sollen zeigen, was Nutzern gefällt und was nicht. Zudem hat das Unternehmen das Tool "Mobile SDK“ entwickelt.

Es soll die unveröffentlichte App schnell und einfach auf die Geräte der Tester übertragen und nach dem Test automatische Fehler- und Absturzberichte der mobilen Website sowie ein Nutzer-Feedback liefern. Die Kosten für die Applause-Angebote sind sehr unterschiedlich. Während das Basisangebot bei 2.000 Euro startet, können bei der Nutzung erweiterter Funktionen auch Kosten im sechsstelligen Euro-Bereich zusammenkommen.

Mensch und Maschine testen mobile Websites gleichzeitig

Hand mit Ball Qualität
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 Auch der 2011 in Berlin gegründete Wettbewerber Testcloud.de hat sich das kontinuierliche Testen während des gesamten Entwicklungsprozesses auf die Fahnen ­geschrieben. Im Unterschied zu Applause kombiniert das Test-Management-System (TMS) von Testcloud automatisierte Testing Tools mit realen Software-Testern.

Der Vorteil laut Testcloud: Während automatisiertes Testing im Projekt dafür sorgt, schnell und vollautomatisch funktionale Fehler aufzudecken, sollen die Menschen unbekannte Macken auf der mobilen Website aufspüren und unentdeckte Potenziale erkennen.

Auch bei Testcloud variieren die Preise stark. Als Self-Service-Test ist die Expert-Version mit Einbindung von Profi-Testern und zwei User Accounts ab 750 Euro im Monat zu haben. Für größere Entwickler-Teams oder für Kunden mit dem Wunsch nach einem umfangreichen Support für ihre mobile Website bietet die Berliner Agentur einen Enterprise Service.

Ein Projektmanager begleitet dann das Testing und kümmert sich auch um Dinge wie Media Monitoring, um bei ­negativen Bewertungen in den App Stores einschreiten zu können. Der Preis für solche Services wird individuell verhandelt.

Testbirds wiederum konzentriert sich ganz auf das Crowd-basierte Testen mit Menschen. Die Münchner haben dafür nach eigenem Bekunden einen Pool aus weltweit mehr als 50.000 registrierten Nutzern aufgebaut, die mit über 100.000 Geräten mobile Websites oder Apps testen.

Laut Testbirds können hier genau die Personen für einen Test ausgewählt werden, die den Merkmalen der Zielgruppe entsprechen. Für B2B-Tests hat Testbirds den Ansatz "Bring Your Own Crowd" entwickelt. ­Dabei fungieren die unternehmenseigenen Leute als Test-Crowd, betriebsfremde Tester sind ausgeschlossen.
Am kostengünstigsten ist auch bei Testbirds der Self Test. Er ist für etwa 1.000 ­Euro zu haben.

Bei einem Managed Service, bei dem ein Projektmanager den Test begleitet und die Ergebnisse auswertet, hängen die Kosten von der individuellen Testgestaltung ab. Sie sind daher von Fall zu Fall unterschiedlich. Bestandskunden, die ihre Apps und mobilen Websites kontinuierlich testen lassen, bekommen ein sogenanntes Unit-Modell, wodurch die einzelnen Tests günstiger werden.

Analyse von Interaktionen offenbart Usability-Probleme

Einen etwas anderen Ansatz hat M-Pathy gewählt. Die Dresdner Agentur analysiert nach eigenen Angaben die Interaktions­daten von Nutzern, die sich in ihrer natürlichen Umgebung, also etwa mit dem Smartphone unterwegs oder mit dem Tablet auf dem Sofa, befinden.

Dabei werden sämtliche Gesten wie Touch, Zoom oder Wischen aufgezeichnet und als Film in Echtzeit wiedergegeben. Auf diese Weise soll sichtbar werden, welche Nutzungsprobleme Conversions behindern.

Ein Beispiel verdeutlicht das Vorgehen von M-Pathy: Der Kunde Immobilien­scout24 hatte auf der Startseite seiner ­mobilen Website für die Umkreissuche ­einer Immobilie einen Schieberegler inte­griert. In den Sessions zeigte sich, dass dieser im mobilen Kontext nur schwer bedient werden konnte. Die Besucher hatten Probleme, den Slider exakt mit einem Fingerdruck anzusteuern.

Außerdem reagierte das Element zu sensibel auf den Touch. Schließlich ersetzte Immobilienscout24 den Slider auf der mobilen Website durch eine Auswahl der Umkreiskilometer aus einer angezeigten Liste.

M-Pathy arbeitet nicht mit einer festen Preisliste, da der Agentur zufolge alle Projekte individuell geplant und durchgeführt werden. Vom Prinzip her setzt sich der Preis für ein Projekt aber aus den Lizenzkosten, dem Setup und dem Analyseaufwand zusammen.

Drei Tipps für die perfekte mobile Website  hat Testcloud zusammengestellt.

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