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WAZ und Gruner + Jahr sind wieder Freunde

Streit um kostenlose Applikationen WAZ und Gruner + Jahr sind wieder Freunde

Hatte den Streit ausgelöst: Hombach

Hatte den Streit ausgelöst: Hombach

Bodo Hombach, Geschäftsführer der WAZ-Gruppe, und Bernd Buchholz, Vorstandschef von Gruner + Jahr, haben ihren Streit um kostenlose iPhone-Apps beigelegt - und kämpfen jetzt gemeinsam gegen die Gratisanwendung der Tagesschau.

Höhepunkt der neuen Einigkeit ist eine gemeinsame Erklärung, die heute veröffentlicht wurde: „Der Schulterschluss der Verlage muss klar sein und in diesem Punkt sind sich die Verlage WAZ-Gruppe und G+J völlig einig: Das Angebot tagesschau.de mit allen weiteren Angeboten wie auch den Apps ist über eine 'Zwangsabgabe' finanziert", heißt es in der Stellungnahme. "Daher sollten alle, die den Marktgesetzen unterworfen sind, unabhängig davon für welches Businessmodell sie sich entscheiden, gegen gebührenfinanzierte Apps im Schulterschluss vorgehen." Die Gratiskultur im Netz könne nicht die Zukunft für Qualitätsjournalismus sein.

Den Streit ausgelöst hatte Hombach mit einer Aussage im Spiegel zur ebenfalls kostenlosen Anwendung der Financial Times Deutschland: "Es ist für mich ein erklärungsbedürftiger Widerspruch, wenn Gruner + Jahr ankündigt, gegen kostenlose Tagesschau-Angebote zu klagen und zur gleichen Zeit selbst ein solches Gratisangebot macht."

Im Dezember hatte die ARD angekündigt, die Tagesschau als kostenlose Applikation für das iPhone anbieten zu wollen. Dies löste beim Axel Springer Verlag Befremden aus, da der Medienkonzern selbst kostenpflichtige Anwendungen lancieren will.

In dem Vorhaben sah auch der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) eine Verzerrung des Wettbewerbs. Zu der Frage ob die ARD als gebührenfinanzierter Sender ein solches Nachrichtenangebot starten darf, meldeten sich auch einige Politiker zu Wort. So meinte der Kulturminister Bernd Naumann, dass die ARD mit der iPhone-App nicht unnötig die neuen Geschäftsmodelle der privaten Anbieter gefährden sollte.

Auch andere Politiker äußerten sich skeptisch gegenüber dem Vorhaben. ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke hielt dagegen, dass das Vorhaben auch rechtlich unbedenklich und vom Rundfunkstaatsvertrag gedeckt sei. Schließlich gab der NDR-Rundfunkrat Anfang Februar grünes Licht für die Applikation.

Der Rat begründete seine Entscheidung damit, dass der qualitative publizistische Beitrag von Tagesschau.de die negativen Auswirkungen auf die Wettbewerber deutlich überwiege. Dietmar Wolff vom BDZV erklärte diese Entscheidung zu einem absolut unglaublichen Vorgang, wodurch wichtige Vorgaben des Rundfunkänderungsstaatsvertrags unterlaufen würden.

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