INTERNET WORLD Business Logo Abo
Innovationstag

Innovationstag 2017 bei Serviceplan Virtuelle BHs, Fake News und Promi-Politiker

Serviceplan lud mit Partnern zum 13. Mal zum Innovationstag.

Michaela Handrek-Rehle

Serviceplan lud mit Partnern zum 13. Mal zum Innovationstag.

Michaela Handrek-Rehle

Künstliche Intelligenz, Fake News und Snapchat: Beim 13. Innovationstag im Haus der Kommunikation von Serviceplan ging es einen Tag lang um die digitale Gegenwart und die kognitive Zukunft.

Bereits zum 13. Mal veranstaltete die Serviceplan Gruppe gemeinsam mit den Partnern IP Deutschland, Frankfurter Allgemeine Zeitung, G+J e|MS, Red Bull Media House und Samsung den Innovationstag im Haus der Kommunikation in München. Rund 300 Entscheider aus Wirtschaft und Medien waren vor Ort, um mit Referenten Themen wie Fake News, Künstliche Intelligenz, Kreativität und natürlich Innovation zu diskutieren.

Für Belustigung sorgte gleich zu Beginn die Augmented Reality App "tomato ovations", mit der die Zuschauer die Redner virtuell bewerten und mit Tomaten, Blumen, Teddybären oder BHs bewerfen konnten.

Im Anschluss an die Präsentation des mobilen Gamification-Spaß ging es dann um die digitale Gegenwart und Zukunft. "Wir sind die Akteure einer der mächtigsten Revolutionen der Geschichte, der digitalen Revolution", meinte der schwedische Cyber-Philosoph und Autor Alexander Bard. Er skizzierte in seiner Keynote wie es dazu kam und mahnte, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie wir mit der Welt verbunden sind. Den Mensch sieht Bard als die Konstante in der Geschichte, die Technologie als die Variable. Das belegte der Wirtschaftswissenschaftler, Autor und Musikproduzent mit einem Streifzug durch die menschliche Evolution - von den ersten gesprochenen Sprachen über die Erfindung des Buchdrucks bis hin zu Napoleon und Descartes.

Bard zufolge fehlt es aktuell an Autoritäten, es gebe im Internet-Zeitalter keine wirkliche Audience mehr, alle verlassen die Zuhörer-Rolle und werden selbst zum Akteur. Jeder produziere nur noch Content - die physikalische Welt würde so zum Nebenprodukt des Internets, denn der Konsument würde keine einzige Handlung mehr vollziehen ohne vorher zu googeln.

Etwas optimistischer ging es dann im "KI-Panel" mit dem Münchner Philosophen und Kulturstaatsministers a.D. Prof. Julian Nida-Rümelin und der Vorsitzenden der Geschäftsführung IBM Deutschland, Martina Koederitz, zu. Zwar mahnte man auch hier, die neuen kognitiven Technologien mit Bedacht und zweckgebunden einzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und Transparenz zu gewährleisten. Daneben aber überwog der Glaube an Daten-getriebende Modelle und man war sich einig: Der Mensch alleine entscheidet, ob eine Technologie gut oder schlecht ist und ob sie zum Einsatz kommt. Künstliche Intelligenz bringt lediglich Entscheidungs- und Assistenzsysteme und keinen Ersatz für den Menschen.

Fake versus Fakten

In einem Podiumsgespräch über Qualitätsjournalismus im digitalen Zeitalter widmeten sich anschließend Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Christoph Kucklick, GEO-Chefredakteur, und Sebastian Matthes, Chefredakteur der Huffington Post Deutschland, der Frage: "Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, Blogger - wer sagt die Wahrheit?"

Eine eindeutige Antwort darauf gab es nicht, was wohl auch an der zum Teil sehr unterschiedlichen journalistischen Ausrichtung der Publisher und deren Definition von "Qualität" lag. Klar wurde jedoch: Einfacher wird es für die Verlage und den (Online-)Journalismus nicht, auch wenn wiederholt die Vorteile von Paid Content, neuen Metriken (weg vom Klick, hin zur Verweildauer) und neuen Traffic-Bringern wie Facebook betont wurden.

Futuristisch wurde es dann mit Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop Transportation Technologies. Er will für Tesla-Chef Elon Musk den Hyperloop, einen Highspeed-Superzug bauen und damit neue Maßstäbe in Sachen Mobilität setzen. Ob damit Passagiere wirklich in 30 Minuten von München nach Berlin transportiert werden können, bleibt abzuwarten, dass die Idee aber nicht nur die Art des Reisens, sondern das ganze Leben beeinflussen wird, steht schon fest.

Wie bringt man seine Botschaften treffsicher zu jedem einzelnen Menschen? Antworten darauf gab Alexander Nix, Star-Marketingstratege und CEO von Cambridge Analytica. Er setzte im US-Wahlkampf auf Big Data - und gewann: Er gilt als Präsidenten-Macher und wird aktuell als einer der meist gehypten Marketingstrategen weltweit gehandelt. In seinem Vortrag und im Gespräch mit Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur Digitale Medien F.A.Z., erklärte der Brite, was diese Entwicklungen für die Zukunft der Gesellschaft und des Marketings bedeuten.

Geister und Politiker

Ein eher seltener Gast auf Bühnen ist Marianne Bullwinkel, Country Manager DACH Snap. Sie sprach über den Deutschlandstart der App Snapchat, die Herausforderungen und Fragen wie: Wie behauptet man sich auf einem hochdynamischen Markt gegen weit größere Konkurrenten und besteht im Kampf um Werbebudgets? Wie überzeugt man User und Marketer, der App mit dem Geist-Logo auch auf Dauer die Treue zu halten?

Fragen beantworten musste auch der letzte Gast des Tages, der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. Er bewertete den Ausgang der Bundestagswahl, schilderte seine Erfahrungen hinsichtlich der kriselnden Beziehungen zwischen den USA und Europa und warf einen Blick in die Zukunft Europas.

CMO of the year

Den Abschluss bildete die Auszeichnung des "CMO of the Year". Gewinner in diesem Jahr ist Eric Liedtke, Executive Board Member responsible for Global Brands bei adidas.

Er wurde am Abend im Rahmen einer feierlichen Gala in der Alten Bayerischen Staatsbank in München geehrt. Laudator war Florian Haller, CEO der Serviceplan Gruppe, Moderator des Abends war Wolfram Kons von RTL.

Das könnte Sie auch interessieren