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Foodsharing

Foodsharing Neues Portal für die Wegwerf-Gesellschaft

50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen, bevor Sie den Konsumenten erreichen. Das ergaben Recherchen für den Dokumentarfilm "Taste the Waste". Jetzt starten die Macher des Films eine Online-Tauschbörse für Lebensmittel. Von der Plattform gegen die Verschwendung könnten auch Kleinbetriebe profitieren.

Die Grundidee von Foodsharing.de lautet: Menschen teilen Essen. Die Plattform soll Händlern, Erzeugern und Privathaushalten dabei helfen, ihre überschüssigen Lebensmittel anderen Menschen anzubieten. Dabei soll kein Geld fließen, denn Teilen habe auch eine ethische Dimension. Es gehe darum, "einen mentalen Wandel in dem Kopf der Leute in Gang zu setzen, dass Wertschätzung für Lebensmittel wieder weiter verbreitet wird und dass das Teilen von Lebensmitteln wieder etwas ganz Normales wird", erläutert Mitinitiator Valentin Thurn, der mit seinem vielbeachteten Dokumentarfilm "Taste the Waste" die weltweite Verschwendung von Lebensmitteln wieder stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hat. 

Zwei Drittel des Abfalls könnten vermieden werden

Wer Essen übrig hat, zum Beispiel von einer Party oder weil er in den Urlaub fährt, soll die Lebensmittel per PC oder Smartphone auf der Online-Tauschbörse anbieten können. Im Jahresdurchschnitt werfe jeder Deutsche Lebensmittel im Wert von 300 Euro weg. Hinzu kämen jährlich mehrere Millionen Tonnen Lebensmittel, die von Lebensmittelfabriken und gastronomischen Betrieben weggeworfen werden. Zwei Drittel des Abfalls wären dabei vermeidbar, weil die weggeworfenen Lebensmittel noch genießbar sind, behaupten die Initiatoren.

Die Foodsharing-App soll als Kommunikationszentrale dabei helfen. "Ich selbst nutze Communities wie Carsharing oder Couchsurfing, um neue Menschen zu treffen und Bekanntschaften zu schließen und auf Gleichgesinnte zu treffen", sagt Projekmanager Sebastian Engbrocks, der die Social-Media-Kampagne von "Taste the Waste" verantwortete: "Deshalb lag für mich der Gedanke auch nahe, Essen zu teilen".

Obwohl das Angebot dezidiert unkommerziell ist, könnten Kleinbetriebe beispielsweise mit Kostproben auf sich aufmerksam machen - und so beim Verschenken von Lebensmitteln auch Eigenmarketing betreiben. Um sich zu einem Massentrend zu entwickeln, steht die Idee des Foodsharings allerdings vor einigen Herausforderungen: "Knackpunkt dürfte sein, den faulen Durchschnittsbürger dazu zu bewegen, seine überschüssigen Lebensmittel einzeln aufzulisten und online zu stellen. Notwendig ist außerdem nicht weniger als ein Umdenken in der Bevölkerung", schreibt Jürgen Vielmeier auf dem Blog Netzwertig.com: "Anderen Menschen die eigenen Lebensmittel anzubieten, ohne etwas dafür als Gegenleistung zu erhalten, wird nicht jedem Konsumenten direkt einleuchten. Noch größer dürfte die Hemmschwelle sein, Essensgeschenke von fremden Leuten anzunehmen."

Am 12. Dezember 2012 soll der Crowdfunding-finanzierte Dienst bundesweit starten, danach sollen Österreich und die Schweiz folgen. Auch weitere Länder sind geplant, sobald die Seite auf Englisch übersetzt ist. 

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