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Dr Ed startet erste deutsche Videosprechstunde Hilfe vom Arzt im Netz

Feigwarzen im Genitalbereich oder hässliche Hautausschläge: Die Liste der Krankheiten, die Menschen aus Angst und Scham von einem Arztbesuch abhalten, ist lang. Das Internetportal DrEd.com will mit dieser Scheu vor "normalen" Ärzten nun Schluss machen und bietet ab heute die erste deutsche Videosprechstunde an. Das Verbot der Ferndiagnose umgeht das Start-up von London aus.

Eigentlich sind Ferndiagnosen in Deutschland verboten. Dennoch betreibt das britische Start-up DrEd.com seit dem 1. Dezember 2011 die erste Online-Arztpraxis in Deutschland. Patienten konnten dort bislang mithilfe von Fotos, E-Mails und Telefonaten ihre Leiden beschreiben – die Diagnose erfolgt ebenfalls online von real praktizierenden Ärzten.

Nun geht das Start-up einen Schritt weiter: Ab heute startet Dr Ed die erste Onlinesprechstunde via Videokamera für deutsche Patienten, so die "ferndiagnose-der-24-stunden-doktor-aus-dem-internet/70116548.html:Financial Times Deutschland". Möglich ist die Arztpraxis 2.0 durch den Unternehmenssitz von Dr Ed in London und das EU-Recht, wonach sich Patienten ihren Arzt europaweit aussuchen dürfen. Da in Großbritannien die Ferndiagnose nicht verboten ist, können die Online-Ärzte ihre Dienste auch hierzulande anbieten.

Die Patienten müssen vorab per Kreditkarte oder Paypal bezahlen – damit soll gewährleistet werden, dass sich der Nutzer auch an den Termin hält. 29 Euro kostet die Videosprechstunde bei Dr Ed - im Vergleich zum Arztbesuch, bei dem der Patient nichts zahlt, durchaus eine stolze Summe - zumal die Praxisgebühr ab 2013 wegfallen soll.

David Meinertz, der Gründer von Dr Ed, ist vom Konzept überzeugt. Er will eine Alternative zum lästigen Warten in Arztpraxen anbieten: "Wir verbessern den Zugang zu ärztlicher Versorgung für Menschen, die wenig Zeit oder eine Scheu haben, einen 'normalen' Arzt aufzusuchen", so Meinertz gegenüber der FTD. Kommendes Jahr soll Dr Ed profitabel sein.

Die Deutsche Ärztezunft lehnt die Online-Konkurrenten ab. Die Risiken für falsche Diagnosen sowie falsche Angaben seien zu hoch. Dass das Angebot keinen Schutz vor Betrügern bietet, muss auch Meinertz zugeben: "Wer unser System missbrauchen will, der kann das natürlich". Schutz dagegen sollen Hürden wie gezielte Fragebögen bieten. Außerdem verschreibe das Portal keine Diätpillen, Schmerzmittel oder Psychopharmaka und würde die Videopatienten bei Notfällen und Schmerzen zum Arzt vor Ort schicken. Dr Ed wolle sich eher um Krankheiten kümmern, die ein "Schattendasein" führen: Den größten Umsatz macht das Portal nach eigenen Angaben bislang mit dem Verschreiben von Viagra und der Pille.

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