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Wirtschaftszeitung vor dem Aus "Financial Times Deutschland" soll eingestellt werden

Das Zeitungssterben erreicht einen neuen Höhepunkt: Die Printausgabe der "Financial Times Deutschland" soll ab heute eingestellt, die Zeitschriften "Impulse" und "Börse Online" verkauft werden. Nur das Magazin "Capital" will Gruner + Jahr behalten. Unklar ist derweilen noch die Zukunft des Online-Portals der Wirtschaftszeitung – eine endgültige Entscheidung fällt heute der Aufsichtsrat.

Es scheint eine beschlossene Sache zu sein: Nach der "Frankfurter Rundschau" ist jetzt offenbar die "Financial Times Deutschland" an der Reihe: Der Vorstand des Hamburger Verlags- und Druckhauses Gruner + Jahr (G+J) habe sich nach Informationen des Spiegels dazu entschieden, die Zeitung einzustellen und weitestgehend auf Wirtschaftsmedien zu verzichten.

Während die Printausgabe der "FTD" komplett eingestellt werden soll, würden die Zeitschriften "Impulse" und "Börse Online" verkauft werden. Das Wirtschaftsmagazin "Capital" wolle G + J selbst behalten, es soll von Berlin aus fortgeführt werden. Was mit dem Online-Portal der Zeitung geschieht und ob es eine digitale Ausgabe per E-Mail geben könnte, ist derweilen noch unklar.

Ausschlaggebend für die Aufgabe des Blatts sei die schlechte Ertragslage in dem Geschäft, so die FAZ. Sinkende Anzeigenerlöse und fallende Auflagen würden demnach in diesem Jahr zu einem Verlust von rund 15 Millionen Euro führen. Davon entfielen gut zehn Millionen Euro auf die "FTD".

Die "FTD" war im Februar 2000 erstmals erschienen und verzeichnet seitdem gut 100.000 Leser am Tag. Trotzdem macht die Zeitung seit ihrer Gründung Verluste. Insgesamt soll die Ausgabe in zwölf Jahren ein Defizit von 250 Millionen Euro eingefahren haben. 

Die heutige Mittwochsausgabe soll die letzte Printveröffentlichung sein, eine endgültige Entscheidung wird allerdings erst heute fallen, wenn sich der Aufsichtsrat von Gruner + Jahr über die Zukunft der Financial Times Deutschland berät. 350 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Kündigungen sollen dem Spiegel nach allerdings nicht mehr im Jahr 2012, sondern erst 2013 ausgesprochen werden.

Ein Unternehmenssprecher von Gruner + Jahr wollte den Plan zur Einstellung der "FTD" nicht kommentieren. Allerdings gibt der Chefredakteur Steffen Klusmann auf der FTD-Website ein Statement: "Unser Verlag Gruner + Jahr prüft angesichts der Verluste, die diese Zeitung schreibt, verschiedene Optionen. Wir erwarten eine Entscheidung dazu in den kommenden Tagen."

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