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Julius van de Laar im internetworld.de-Interview

Julius van de Laar im internetworld.de-Interview "Das Ziel einer Kampagne muss klar sein"

Wie funktionieren politische Kampagnen und was kann die Werbung von ihnen lernen? internetworld.de sprach mit Julius van de Laar, der hauptamtlicher Wahlkämpfer für US-Präsident Barack Obama war und heute als Berater in Berlin lebt.

Mit Twitter zur Weltherrschaft - wie gelingt das?

Julius van de Laar: Überhaupt nicht. Onlinekampagnen und digitale Kommunikationskanäle können in der politischen Kommunikation hilfreich sein - im Endeffekt ist es jedoch immer der Inhalt beziehungsweise die Botschaft eines Politikers oder einer Organisation, die den Ausschlag gibt. Tools transportieren den Inhalt, die Botschaft mobilisiert.

Als wie wirkungsvoll schätzen Sie Onlinemarketing im Verhältnis zu Werbung in anderen Medien ein?

van de Laar: Es ist entscheidend zu wissen, was die Kampagne bezwecken soll beziehungsweise welche Zielgruppe erreicht werden soll. Onlinekampagnen sind besonders effektiv, wenn es darum geht Unterstützer zu einer konkreten Handlung aufzufordern. Die interaktiven Möglichkeiten, die das Internet bietet, sind kaum zu schlagen.

Was ist nötig, damit eine Kampagne wirkt?

van de Laar: Es muss ein klares Target beziehungsweise ein Ziel geben, auf das hingearbeitet wird. In der politischen Kommunikation bietet es sich an, auf ein Entscheidungsmoment wie zum Beispiel eine Wahl, eine umstrittene Abstimmung im Parlament oder einen internationaler Gipfel hinzuarbeiten. Um eine Mobilisierung von Unterstützern zu erzielen, muss zudem eine niedrigschwellige und konkrete Handlungsmöglichkeit angeboten werden, die es dem einzelnen ermöglicht, einen Unterschied in der politischen Debatte zu machen.

Lassen sich diese Erkenntnisse auch auf die Werbung anwenden?

van de Laar: Es gibt sehr viele Parallelen. Die Tools sind oft ähnlich. In der politische Kommunikation sowie in der Werbung werden Taktiken aus dem Direktmarketing verwendet, unter anderem E-Mail-Marketing. Im Obama-Wahlkampf ist es uns gelungen, zwölf Millionen Unterstützer über Monate hinweg direkt per E-Mail ansprechen und zum Mitmachen zu mobilisieren. Rigorose Analyse, ständige Tests und das Auswerten der Statistiken waren mit ausschlaggebend für den Erfolg.

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