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Google Ads

Auch Ikea und Co. ziehen Reißleine Google beendet Werbegeschäft in Russland

Shutterstock/Big Tuna Online
Shutterstock/Big Tuna Online

Seit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine überdenken immer mehr Händler und andere Player der Digitalwirtschaft ihre Geschäfte mit und in Russland. Jetzt hat Google mitgeteilt, dass der Konzern bis auf Weiteres keine Werbeanzeigen in Russland mehr ausspielen wird.

Der Suchmaschinenkonzern Google stoppt ab sofort sämtliche Werbeausspielungen in Russland. Nach einem Bericht der "New York Times" betrifft dies sowohl Paid Search als auch Werbung in YouTube und Display Ads. In einer schriftlichen Erklärung dazu hieß es: "Vor dem Hintergrund außerordentlicher Umstände setzen wir Google Ads in Russland aus. Die Lage verändert sich schnell, wir werden bei Bedarf weitere Updates kommunizieren."

Forderungen der Medienaufsicht

Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" hatten offenbar Forderungen der russischen Medienaufsicht Roskomnazdor den Suchmaschinenkonzern zu diesem Schritt bewogen. Roskomnazdor hatte Google aufgefordert, Videos mit Inhalten, die die Behörde als politische Falschmeldungen über die Ukraine einstuft, nicht mehr zu zeigen. Konkret wurde YouTube beschuldigt, bezahlte Anzeigenkampagnen zur Desinformation der russischen Bevölkerung über die aktuellen Ereignisse zu fahren. Bereits zuvor hatte Google Anzeigen mit Bezug auf den Ukraine-Konflikt blockiert, mit dem Hinweis, man wolle nicht, dass jemand Nutzen aus diesem Krieg ziehe.

Nach Angaben der "New York Times" hat Google mehr als 100 Mitarbeiter in Russland und geht aus Sorge um deren Wohl vergleichsweise vorsichtig mit den russischen Behörden um. Es stünden Drohungen im Raum, einzelne Mitarbeiter direkt strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen, wenn Google gegen Anordnungen des russischen Staates verstößt, schreibt das Blatt.

Dennoch hatte Google in den vergangenen Tagen bereits Staats-finanzierte Propaganda-Programme wie RT (Russia Today) und Sputnik in Europa von YouTube ausgeschlossen. Auf Bitte der ukrainischen Regierung, so teilte der Konzern mit, werde man auch den Zugang zu den YouTube-Kanälen dieser Programme in der Ukraine einschränken.

Ikea, H&M und S.Oliver ziehen Reißleine

Der Stopp des Google-Werbegeschäftes in Russland ist nur eine Business-Entscheidung von vielen, die westliche Unternehmen im Moment vor dem Hintergrund des Überfalls auf die Ukraine treffen.

So hat der schwedische Möbelkonzern Ikea angekündigt, alle Möbelhäuser in Russland und Weißrussland bis auf Weiteres zu schließen. Auch die Produktion für Ikea in beiden Ländern soll eingestellt werden. Davon betroffen sind rund 15.000 Mitarbeiter. Die schwedische Fashion-Kette H&M will ebenfalls alle Shops in Russland schließen. Auch der Fashion-Retailer S.Oliver hat die Belieferung Russlands eingestellt.

Apple stoppt Apple Pay

Apple hat sich zu einem Russland-Boykott entschlossen, und das auf mehreren Ebenen. Der Konzern aus Cupertino stellte auf Bitten der ukrainischen Regierung nicht nur den Verkauf von Apple-Hardware in Russland ein, auch der Payment-Service Apple Pay funktioniert in Russland nicht mehr. Zudem flogen die Apps russischer Staatssender weltweit aus dem iTunes App Store, sie sind nur noch in Russland verfügbar.

Eine Änderung im Apple-Kartendienst Maps soll der Ukraine im Krieg gegen Russland helfen: Die App zeigt für die Ukraine keine Echtzeit-Informationen zur Verkehrslage mehr an, aus der Rückschlüsse auf Truppenbewegungen gezogen werden können. Google hatte eine entsprechende Funktion in Google Maps ebenfalls deaktiviert. 

eBay nimmt keine Bestellungen mehr an

Eher der Not gehorchend, stellt auch eBay sein Geschäft in Russland und der Ukraine ein. Da inzwischen sämtliche Paketdienste die Belieferung der beiden Länder eingestellt hätten, können Kunden aus Russland und der Ukraine derzeit keine Bestellungen auf eBay aufgeben, teilte das Unternehmen mit.

Waren, die sich bereits auf dem Versandweg befänden, würden höchstwahrscheinlich nicht ausgeliefert, sondern an den Absender zurückgeschickt. Rückwirkend bis zum 21. Februar 2022 sollen zudem negative Bewertungen, die sich aus verzögerten oder gescheiterten Transaktionen aus Russland und der Ukraine ergeben, keine negativen Folgen auf den Service-Status gewerblicher Verkäufer haben. 

Metro bleibt weiterhin offen

Doch nicht alle Handelsunternehmen fahren ihr Russland-Geschäft herunter. Während westliche Supermarktketten damit begonnen haben, russische Produkte auszulisten, will die Handelskette Metro ihre Filialen in Russland weiterhin betreiben. Bis heute hat die russische Metro-Sparte eigenen Angaben zufolge 93 Einkaufszentren in 51 Regionen des Landes eröffnet. Metro beschäftigt in Russland etwa 12.000 Personen. Zugleich ist Metro allerdings auch in der Ukraine präsent, wo der Konzern eigenen Angaben zufolge 26 Märkte mit etwa 3400 Mitarbeitern betreibt.

Nach einem Bericht des "manager magazin" soll dies vorerst auch so bleiben. Das Wirtschaftsmedium zitiert einen Sprecher mit den Worten "Wir empfinden auch eine Verantwortung für unsere mehr als 10.000 Mitarbeiter in Russland, die keine persönliche Verantwortung für die Aggression gegen die Ukraine tragen."

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