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Youtube und die Konkurrenz Mit ungleichen Waffen

Pro Sieben, Sat.1 und RTL dürfen kein gemeinsamen Videoportal starten, weil sie sonst den Markt beherrschen würden. In der Folge kann Marktführer Youtube ungehindert auch diesen Markt dominieren - obwohl ein Gegengewicht überfällig wäre, findet INTERNET WORLD Business-Redakteur Dominik Grollmann.

"TV is the next beaf", hat Verleger Hubert Burda kürzlich gemahnt. Damit hat er nicht unrecht: Nachdem das Internet die Verlagswelt erheblich durcheinander gewirbelt hat, wird nun die Fernsehlandschaft neu sortiert. Ganz vorn dabei: Natürlich Google. Gerade erst kündigte das Unternehmen an, auf Youtube nun auch abendfüllende Spielfilme streamen zu wollen. Ganz legal und auf deutsch. Selbst ein eigenes Programm soll bald folgen. Derzeit laufen Verhandlungen mit verschiedenen Produzenten, die eigene Youtube-Channels befüllen sollen.

Das ist nicht weniger als ein Frontalangriff auf deutsche Fernsehsender, die derzeit noch nach ihrer Rolle im Internet-Zeitalter suchen. Entsprechend verschnupft war die Reaktion. Youtube agiere "zunehmend aggressiv", schimpft Pro Sieben Sat.1-Vorstand Conrad Albert. Gerade erst hat ihm das Düsseldorfer Oberlandesgericht erneut aus Wettbewerbsgründen verboten, gemeinsam mit RTL ein Online-Video-Angebot auf die Beine zu stellen. Die beiden Fernseh-Gruppen würden ihre marktbeherrschende Stellung sonst betonieren.

Daraus folgt schon eine recht absurde Situation: Ausgerechnet der einzige Online-Videoanbieter, dem mit Fug und Recht sogar weltweit eine marktbeherrschende Stellung nachgesagt werden kann, wird durch die Entscheidung der Kartellwächter davor geschützt, dass ihm ein nationaler Wettbewerber auf Augenhöhe entgegentreten könnte. In der rein nationalen Betrachtung der Wettbewerbshüter kommt offenbar gar nicht vor, dass Monopole im Internet-Zeitalter eine viel größere, globale Dimension erreicht haben. Gerade unter dem Gesichtspunkt der Medien- und Meinungsvielfalt wäre es im Internet inzwischen äußerst wünschenswert, wenn die Informationsaufbereitung nicht weitgehend alleine von einem einzigen privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen erledigt würde.

Denn selbst der heilige Google-Gral - der legendäre, unbestechliche Suchindex - unterliegt in Wahrheit schon längst nicht mehr nur dem "Don't-be-evil"-Motto, sondern knallharten wirtschaftlichen Interessen. Längst habe sich - von Google Maps über Google+ bis Google Shopping - eigene Dienste in den Index geschlichen, die prominent platziert werden. Und nun will der Konzern auch noch Web-Seiten, auf denen Urheberrechtsverletzungen begangen werden, im Ranking benachteiligt. Was dabei konkret eine Copyrightverletzung ist und wann sie als erwiesen gilt, muss jetzt kein Gericht mehr entscheiden. Das erledigt Google in Zukunft gleich mit. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Gerade, wenn der selbsternannte Richter zugleich selber Medienanbieter ist und seine medienpolitischen Interessen wahren will.

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