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Kooperation mit Flattr Bezahlfunktion für Adblock Plus

Shutterstock.com/Ismagilov
Shutterstock.com/Ismagilov

Eine Kooperation mit der Mikropayment-Plattform Flattr soll es ermöglichen: Adblock Plus bringt eine Bezahlfunktion, über die User des Werbeblockers Webseiten-Betreiber finanziell unterstützen können.

Es ist eine News, die paradoxer nicht sein könnte: Adblock Plus, populärer Werbeblocker und mitverantwortlich dafür, dass vielen Webseiten-Betreibern Werbeeinahmen flöten gehen, will nun ein neues Finanzierungsmodell für eben diese ins Leben rufen. Wie das Unternehmen auf der re:publica bekannt gab, kooperiert Adblock Plus ab sofort mit der Mikropayment-Plattform Flattr. Die beiden rufen dafür das neue Projekt Flattr Plus ins Leben. Es soll "das Bezahlen für digitalen Content radikal vereinfachen".

Am Selbstbewusstsein mangelt es wie gewöhnlich nicht: "Flattr Plus wird damit genau die integrierte Bezahlfunktion bieten, die dem Internet seit seiner Entwicklung vor 27 Jahren fehlt." Denn eine Zahlungsfunktion sei eigentlich von Anfang als Teil des Internets angedacht gewesen. Sie sollte Usern ermöglichen, Autoren jeglicher Inhalte für ihre Arbeit zu entlohnen. Zur Zeit der ersten Browser sei dies jedoch technisch noch nicht umsetzbar gewesen, so Adblock Plus.

Algorithmus mit vorab definiertem Budget

Mit Flattr Plus können nun User Online-Content, der ihnen gefällt, finanzieren - "ohne die Abhängigkeit von Werbeanzeigen und ohne für jede Webseite einen eigenen Bezahlvorgang durchlaufen zu müssen." Die User bestimmen selbst einen monatlichen Betrag, mit dem sie nahezu alles, was das Internet bietet, "flattern" können: Ein Blog, einen Musiker, eine Künstlerin, eine Nachrichtenseite und so weiter.

Flattr Plus basiert auf einem Algorithmus, der automatisch ein vorab definiertes Budget verteilt, entsprechend der tatsächlichen Interaktion mit den besuchten Seiten. Es soll allen Website-Betreibern zur Verfügung stehen. Voraussetzung ist ein Account bei Flattr.

"Die Idee von großartigen Inhalten ist untergegangen in Clickbait-Schlagzeilen und Artikeln in Form von Slide-Shows. Das übergeordnete Ziel ist es, Werbeeinnahmen zu generieren. Wenn wir diesen Trend umkehren wollen, brauchen wir ein Finanzierungsmodell, welches auf Interaktion und echtem Interesse basiert, nicht
nur auf Seitenaufrufen", meint Linus Olsson, Mitgründer von Flattr und leitender Entwickler von Flattr Plus.

"Ich bin der festen Überzeugung, dass die wachsende Bereitschaft der Menschen, für gute Inhalte zu bezahlen, das nächste große Ding im Internet ist. Und es wird Realität werden, wenn wir diesen Menschen eine einfache, nutzerfreundliche Lösung bieten, um Journalismus, Kunst oder Musik, die sie lieben, zu finanzieren. Deshalb entwickeln wir genau diese Lösung,” so Olsson weiter.

Flattr Plus basiert auf Flattr, das 2010 von Peter Sunde und Linus Olsson gegründet wurde. Nutzer können damit Online-Content direkt mit Spenden unterstützen. Flattr Plus soll weltweit noch innerhalb dieses Jahres gelauncht werden.

"Eyeo macht schon mit Adblock Plus seit jeher seinen Profit auf Kosten der Publisher, Vermarkter und Konsumenten -Flattr Plus treibt das nun auf die Spitze", meint OVK-Sprecher Oliver von Wersch. "Eyeo versucht damit ein weiteres Mal, Reichweite und Qualitäts-Content zu vermarkten, obwohl sie nicht Urheber dessen sind. Nach dem dubiosen Adblocker-Modell ist Flattr Plus nur der nächste vollkommen unseriöse Ansatz von Eyeo, den kein Premium-Publisher in Deutschland in irgendeiner Weise unterstützen wird."

Weitere Stimmen aus der Branche

Schahab Hosseiny, CEO, MSO Digital
"Micropayments sind keine neue Errungenschaft, auch wenn sie gerade als solche kommuniziert werden. In der Vergangenheit war diese Art der Bezahlung zumindest für aufwendigere Portale keine Option, um entsprechende Umsätze zu generieren. Spannend wird dieser Ansatz nun durch die Zusammenarbeit von Flattr mit Eyeo und deren Produkt AdBlock Plus. Als Platzhirsch auf dem Markt der Werbeblocker hat AdBlock Plus die Marktmacht zusammen mit Flattr ein Umdenken in Bezug auf die Werbedarstellung zu erzwingen. Zweifelhaft bleibt jedoch, ob die Nutzer dieser Marktmacht erliegen, denn die Konkurrenz für AdBlock Plus wächst, warum also nicht einfach das Plug-in wechseln? Das Plädoyer an das Marketing ist aber vielmehr: Wenn der User das Marketing überholt, dann wandern die Werbe-Euros über Umwege an Unternehmen wie Flattr oder eben AdBlock Plus."

Thomas Kabke-Sommer, Geschäftsführer, Kontor Digital Media
"'Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.' Der Ansatz von Flattr und Abblock Plus fällt in diese Kategorie - also nicht zu laut lachen und das Modell abtun. Der Ansatz, für eine als wertig empfundene Nutzung zu zahlen, ist dann nicht von der Hand zu weisen, wenn eine zusätzliche Motivation dahinter stünde, die bedient werden könnte: Beispielszenarien wären: Der User kann die Nutzung an Dritte verschenken und sich gut fühlen (kognitive Zufriedenheit), der User kann Dritten zeigen, was ihm etwas wert ist (Statusstreben) oder der User könnte die Nutzung von der Steuer absetzen (Schnäppchen-Mentalität)."

Marc Hoeft, Commercial Director Germany, Marin Software
"In der Theorie ein schöner Plan, der nach dem bisherigen Wettrüsten zwischen AdBlockern und Anti-AdBlocker-Tools einem Friedensangebot gleichkommt. Aber ob alle für den Erfolg notwendigen Parteien mitspielen? Verlage wollen ja gerade nicht auf Almosen angewiesen sein, sondern selber entscheiden, welche Inhalte werbefinanziert und damit für die Nutzer kostenlos angeboten werden. Ob Publisher auf dieses Angebot eingehen werden, hängt von einer entscheidenden Frage ab: Wie sollen Nutzer dazu bewegt werden, fünf oder zehn Euro monatlich an Flattr zu zahlen, die das Geld dann nach einem unbekannten Schlüssel an besuchte Webseiten verteilen? AdBlocker werden weiterhin kostenlos sein und an das Gewissen zu appellieren, ist in der Anonymität des Internets bisher selten erfolgreich gewesen."

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