INTERNET WORLD Logo Abo
CE-Kennzeichen
Logistik 04.06.2021
Logistik 04.06.2021

EU-Verordnung Was Händler über das CE-Kennzeichen wissen müssen

Frank Kemper
Frank Kemper

Nahezu jedes Elektrogerät, das in der EU verkauft wird, trägt es - oder muss es tragen: Das CE-Kennzeichen. Händler müssen über die Pflichten und Verantwortlichkeiten Bescheid wissen, die mit dem unscheinbaren Siegel einhergehen, sonst droht teurer juristischer Ärger.

Egal ob simpler USB-Speicherkartenleser (wie im Bild oben), Herzschrittmacher oder Seilbahn: Nahezu jedes elektrisch betriebene Gerät, das innerhalb der EU verkauft wird, muss das CE-Zeichen tragen, entweder auf der Verpackung aufgedruckt oder direkt auf dem Gehäuse aufgebracht.

Die Abkürzung CE stand ursprünglich für "Communautés Européennes" (= "Europäische Gemeinschaften"), wird aber inzwischen, auch durch die europäischen Normungsinstitute, als Conformité Européenne (= "europäische Konformität") übersetzt. Mit dem CE-Zeichen bestätigt der Hersteller, dass das Produkt allen relevanten Vorschriften innerhalb der EU genügt, wobei es da das Logo allein nicht tut: Beigefügt werden muss auch noch eine Konformitätserklärung. Sie ist meist entweder in der Bedienungsanleitung eingedruckt oder liegt dem Produkt als separates Dokument bei.

Der Hersteller eines Produktes ist dafür verantwortlich, die EU-Konformität seines Produktes sicherzustellen. Entsprechende technische Unterlagen muss er zehn Jahre lang aufbewahren und Behörden auf Verlangen vorweisen. Die Besonderheit: Das CE-Zeichen ist kein Testsiegel (wie etwa das GS-Prüfsiegel des TÜV) sondern der Hinweis darauf, dass der Hersteller die EU-Konformität bescheinigt.

Nicht mit CE-Zeichen werben

Das hat für den Händler Konsequenzen: Er darf zum Beispiel nicht damit werben, dass ein Produkt das CE-Zeichen trägt, denn das ist eine Selbstverständlichkeit - ohne dürfte er es gar nicht verkaufen. Und er muss überprüfen, ob die Waren, die er einkauft, das Siegel tragen, ob die Konformitätserklärung beigefügt ist und ob der Hersteller und/oder der Importeur mit Adresse aufgeführt ist. Überprüfen, ob das Produkt tatsächlich alle EU-Bestimmungen erfüllt, muss und kann der Händler nicht. Dafür sind neben dem Zoll verschiedene Behörden zuständig, die Produkte regelmäßig überprüfen.

Allerdings: Lässt ein Händler Waren in seinem Auftrag fertigen oder versieht er White-Label-Produkte lediglich mit seinem Markennamen, wird er selbst zu Hersteller - mit allen Konsequenzen.

Änderungen nach dem Brexit

Das CE-Zeichen ist übrigens nicht nur innerhalb der EU gültig, sondern auch in den Ländern der EFTA (Norwegen, Schweiz, Liechtenstein, Island) sowie anderen europäischen Ländern wie der Türkei, die mit der EU entsprechende Verträge abgeschlossen haben. Nicht mehr gilt es dagegen in UK: Seit Januar 2021 ist in Großbritannien (England, Schottland und Wales) statt dem CE-Zeichen nun das UKCA-Zeichen möglich und ab 1. Januar 2022 verpflichtend. In Nordirland gilt dagegen nach wie vor das CE-Zeichen bzw. das UKNI-Zeichen.

Der ITK-Branchenverband Bitkom hat für alle Akteure, die mit dem CE-Zeichen und seinen Bedingungen zu tun haben, einen kostenlosen Leitfaden mit dem Titel "Neun Schritte zur CE-Kennzeichnung" erstellt. Er zeigt auf, welche Produkte gekennzeichnet werden müssen und wie man dabei am besten vorgeht.

Das könnte Sie auch interessieren