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Lastzug aus der Ukraine
Logistik 03.03.2022
Logistik 03.03.2022

Ukraine Logistik-Gruppe ELVIS sieht Lieferketten durch Fahrermangel akut bedroht

Shutterstock / Alexandra Lange
Shutterstock / Alexandra Lange

Die Situation in der Ukraine hat unmittelbare Auswirkungen auf die internationale Warenlogistik. Nach Ansicht der Logistik-Gruppe ELVIS könnte der Konflikt den Fahrermangel in der Branche drastisch verstärken und so auch im Westen die Lieferketten stören.

Die Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure AG ("ELVIS") und der Mittelstandsverband Mittelstand ("BVMW") sehen immense Probleme für die Logistikbranche in Deutschland und Europa aufziehen. Das teilte ELVIS in einer Presseerklärung mit.

Bis zu 100.000 Fahrer könnten fehlen

Nach Ansicht der Verbundgruppe, die Transportaufträge an über 230 Partnerspeditionen vermittelt, könnte die Situation in der Ukraine den bereits existierenden Fahrermangel in einem Ausmaß verschärfen, dem viele Lieferketten nicht standhalten werden. Diese Befürchtung teilt auch der Branchenverband BVMV. Bis zu 100.000 Fahrer aus der Ukraine, die bislang auf deutschen Straßen unterwegs sind, könnten wegfallen, weil sie in ihrem Heimatland zur Landesverteidigung einberufen werden.

Nach den Aussagen der beiden Organisationen drohe ein Versorgungsengpass, der Industrie, Handel und Bevölkerung nachhaltig und empfindlich treffen könne. Die Spediteure und Logistik-Unternehmen seien daher dringend dazu aufgerufen, sich unverzüglich und bestmöglich auf die zu erwartenden Kapazitätsengpässe am Transportmarkt vorzubereiten.

"Mobilitätspaket verschärft die Lage"

ELVIS-Vorstand Nikolja Grabowski sieht ein dringendes Problem, das durch aktuelle gesetzliche Regelungen noch verschärft wird: "Dass wir in Deutschland seit Jahren mit einem eklatanten Fahrermangel zu kämpfen haben, ist hinlänglich bekannt. Dennoch gibt es bis heute keine belastbaren Lösungskonzepte für dieses Problem. Im Gegenteil: Die Regelungen des Mobilitätspakets, insbesondere die Rückkehrpflicht der eingesetzten Fahrzeuge an den Ort der Niederlassung haben die Lage eher noch verschärft. Das könnte uns jetzt zum Verhängnis werden."

Maut-Erhebungen hätten gezeigt, dass ein signifikanter Teil aller Lkw-Transporte in Deutschland heute von osteuropäischen Unternehmen abgewickelt werde, so die Pressemitteilung. 17,5 Prozent aller Transportkilometer würden demnach von polnischen Unternehmen erbracht, rund die Hälfte der Transportleistung, die von ausländischen Unternehmen auf deutschen Straßen abgewickelt wird.

Auch wenn es statistisch nicht erfasst würde, wie viele Fahrer aus der Ukraine in der EU unterwegs seien, gehen ELVIS und die BVMV davon aus, dass vor allem polnische Speditionen viele ukrainische Fahrer beschäftigen. Klaus Meyer, Vorsitzender der Fachkommission Logistik und Mobilität im BVMW, warnt: "Wir reden hier von geschätzt 100.000 ukrainischen Fahrern, die sich aktuell allein in Polen aufhalten und den Transportunternehmen schon bald nicht mehr zur Verfügung stehen könnten. Das käme einem Aderlass gleich, der sich kaum kompensieren ließe."

Die beiden Logistikverbände fordern die Wirtschaft auf, engeren Kontakt mit ihren Lieferanten aufzunehmen, um Konzepte für eine sich verschärfende Lage zu erarbeiten und sich auf Lieferengpässe vorzubereiten. An die Politik richten die beiden Partner die Forderung, das Mobilitätspaket zeitweilig auszusetzen. Vor allem die momentane Verpflichtung, dass alle eingesetzten Fahrzeuge in regelmäßigen Abständen in ihre Niederlassungen zurückkehren müssen, erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse problematisch.

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