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Logistik 23.03.2022
Logistik 23.03.2022

Portokosten Neue Briefporto-Strategie der Post sorgt für Diskussionen

Paketda.de
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Zum 1. Januar 2022 stieg das Porto für einen Standardbrief von 80 auf 85 Cent. Neue Rabatte für Business-Kunden sollen diese Erhöhung jedoch kompensieren helfen. Dies bringt Wettbewerbshüter und Konkurrenten auf den Plan.

Alles wird teurer, so auch das Briefporto. Seit 1. Januar 2022 müssen Verbraucher für einen Standard-Brief fünf Cent mehr bezahlen als bisher, was einer Erhöhung um rund sechs Prozent entspricht. Business-Kunden, die große Mengen an Briefen versenden, räumt die Deutsche Post bereits seit jeher große Rabatte ein.

Diese Rabatte, so berichtet die "Frankfurter Allegemeine Zeitung" (FAZ), sollen ab nächstem Jahr neu gestaltet und erweitert werden, mit dem Ziel, dass die Portokosten für Business-Kunden gar nicht steigen oder sogar sinken.

Was sich zunächst einmal nach einer guten Nachricht anhört, stößt vor allem bei Konkurrenten der Deutschen Post auf Kritik. Denn anders als die Tarife und Preise für Privatkunden muss sich die Post die Konditionen im Geschäftskundenbereich nicht von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Sie kann also, so befürchten Wettbewerber, ihre behördlich genehmigten, höheren Einnahmen aus dem Privatkundengeschäft dazu nutzen, um ihre marktbeherrschende Stellung im erheblich umfangreicheren Business-Segment durch Kampfpreise zu stärken.

Konkurrenten sind auf Post angewiesen

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Post-Konkurrenten einerseits auf Teildienstleistungen der Post angewiesen sind, andererseits genau hier mit der Post in Konkurrenz treten. Die "FAZ" nennt als Beispiel dafür Dienstleistungen wie das Einsammeln und Vorsortieren der Briefsendungen bei verschiedenen Filialen und daran anschließend das Einspeisen in den Postversand. Diesen Service bietet die Deutsche Post auch selbst an.

Einen Zusatzrabatt verspricht die Deutsche Post denjenigen Kunden, die bei ihren Briefsendungen eine längere Laufzeit akzeptieren. Dann müsste nur die Hälfte der Briefe am nächsten Tag ankommen, statt der vom Konzern üblicherweise versprochenen 80 Prozent. Der gelbe Konzern argumentiert, dass sich so zum Beispiel Nachtflüge einsparen ließen, was direkt Energie und Kosten spart.

Bundesnetzagentur ermittelt bereits

Die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde stuft die Deutsche Post als marktbeherrschend ein, deshalb unterliegt ihre Preisgestaltung einer Beobachtung. Insbesondere verboten sind ihr sogenannte "Preis-Kosten-Scheren", also das bewusste Unterbieten von Dienstleistungen der Konkurrenz. Die Deutsche Post muss ihre Teildienstleistungen auch der Konkurrenz zu Tarifen anbieten, die ihr ein auskömmliches Geschäft ermöglicht. Daran haben Wettbewerber erhebliche Zweifel.

Bereits 2021 hatte die Bundesnetzagentur deshalb entsprechende Untersuchungen eingeleitet, Ergebnisse werden in diesem Jahr erwartet. Dass die Post mitten während laufender Untersuchungen eine Erhöhung der Rabatte in Aussicht stellt, sorgt für Verwunderung. 

Nicht wenige Marktteilnehmer sorgen sich, dass die jetzt angekündigten Konditionen der Deutschen Post einerseits einer Überprüfung der Bundesnetzagentur nicht standhalten könnten, dies andererseits bei anstehenden Verlagsverlängerungen mit Geschäftskunden noch keine Rolle spielt, sodass die Post einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten aufgrund von Konditionen hat, die sie später nicht halten kann. Gewerbliche Kunden sollten dies bei der Vertragsgestaltung berücksichtigen.

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