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Rechtssichere E-Mail Ende nach fast 10 Jahren: Telekom zieht sich aus De-Mail zurück

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Sie sollte rechtssichere, digitale Kommunikation mit Unternehmen und Behörden ermöglichen, litt aber von Anfang an unter Akzeptanzproblemen. Jetzt beendet nach Medienberichten die Deutsche Telekom ihr Engagement bei der De-Mail - das Projekt ist damit quasi tot.

Die deutsche Telekom verabschiedet sich aus dem Projekt De-Mail, einer rechtssicheren E-Mail. Das geht aus Äußerungen hevor, die Telekom CEO Timotheus Höttges im Interview mit dem Videoblogger und Journalisten Thilo Jung traf. In der aktuellen Episode des YouTube-Formates "Jung & Naiv" bezeichnet Höttges das Produkt De-Mail als "toten Gaul", trotz Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe habe es "nie jemanden gegeben, der dieses Produkt genutzt hat."

Niemals Gewinn

Obwohl De-Mail auf der Website der Telekom noch auftaucht, wird das Produkt nach Darstellung der Telekom nicht mehr aktiv vermarktet. Wie der "Spiegel" berichtet, habe sich De-Mail nie in dem ursprünglich erwarteten Umfang entwickelt und auch nie Gewinn abgeworfen.

Mit dem Ausstieg der Telekom bleiben von den ursprünglich vier Joint-Venture-Partnern für das Projekt De-Mail nur noch zwei übrig, nämlich 1&1 mit seinen Marken 1&1, Web.de und GMX sowie der Internet Service Provider Mentana-Claimsoft aus Niedersachsen, der auf digitale Signaturlösungen und Behördenkommunikation spezialisiert ist. Damit dürfte die kritische Masse für dieses System endgültig unterschritten sein. Die Deutsche Post hatte ursprünglich ihren eigenen E-Post-Brief präferiert, war dann aber 2011 auf Druck des Bundes dem De-Mail-Konsortium beigetreten, nur um 2013 wieder auszutreten

Mangelnde Akzeptanz

Bereits vor seinem offiziellen Vermarktungsstart im Frühjahr 2013 war De-Mail umstritten. Datenschutz- und IT-Experten bemängelten, dass die Mails zwar verschlüsselt übertragen würden, aber auf den Versand- und Empfangsservern nicht verschlüsselt abgelegt seien. Viel gravierender war jedoch die mangelnde Akzeptanz der Privatnutzer.

Für einen De-Mail-Account benötigte man nämlich ein separates Postfach. Sendungen, die dorthin übermittelt wurden, galten nach dem De-Mail-Gesetz als offiziell zugestellt. Wer also ein De-Mail-Postfach hatte, musste auch regelmäßig überprüfen, ob nicht (im Zweifel unangenehme) Behördenpost darin liegt. Dafür auch noch zu zahlen, während üblicherweise E-Mail-Accounts gratis zu haben sind, das stieß bei den Verbrauchern auf wenig Gegenliebe. 

Die mangelnde Verbreitung von De-Mail-Postfächern in Consumer-Hand machte De-Mail auch für Unternehmen unattraktiv. Das IT-Portal "Golem" notierte zudem bereits vor zwei Jahren einen zunehmenden Rückzug von Behörden aus dem System. Nach dem Scheitern von De-Mail bleibt für den IT-Standort Deutschland ein unangenehmes Fazit: Während ein Service wie WhatsApp einfach so eine End-to-End-Verschlüsselung einführt und dafür von seinen Nutzern geliebt wird, verharrt die E-Mail hierzulande technisch immer noch auf dem Stand von vor 20 Jahren.  

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