Die neuen Kunden: So tickt die Generation Z

Der Preis ist das Wichtigste

Wenn es um die Produktauswahl geht, erweisen sich zumindest die Wattpad-Nutzer als erstaunlich wenig markenaffin. 60 Prozent von ihnen gaben in der Befragung an, dass sie sich beim Shoppen eher weniger von Markennamen leiten ließen. Wichtiger sind ihnen komfortable Kleidungsstücke zu einem günstigen Preis. 71 Prozent der Befragten gaben an, dass der Preis für sie den Haupttreiber für eine Kaufentscheidung darstellt.
Das ist natürlich auch dem Umstand geschuldet, dass die Gen Z einen Altersbereich zwischen Kindern und Erwachsenen umfasst - ein Drittel von ihnen trifft Kaufentscheidungen noch gemeinsam mit den Eltern. Und auch für die jungen Erwachsenen der Gen Z wachsen die Bäume finanziell noch nicht in den Himmel. Zwar beeinflusst die Gen Z laut Schätzungen von IBM allein in Nordamerika jedes Jahr Kaufentscheidungen im Wert einer Billion US-Dollar. Direkt zur Verfügung haben die Youngsters davon aber "nur" 200 Milliarden - und sie sind sehr preisbewusst, wenn es um ihr persönliches Einkaufsverhalten geht.
Dazu trägt nach Forschungsergebnissen der Barclays Bank noch ein weiterer Faktor bei: Die globale Bankenkrise von 2008 hat sich vielen der heute jungen Erwachsenen als einschneidendes Ereignis eingeprägt, das sie persönlich betroffen hat - etwa wenn ältere Geschwister ihren Job verloren.

Haltung zeigen!

Die Forscher von Barclays haben zudem noch einen weiteren wichtigen Unterschied zur vorherigen Generation der Millennials (geboren zwischen 1980 und 1994) ausgemacht: Während die Millennials sich eher auf das Heute konzentrieren, macht sich die Gen Z Gedanken um die Zukunft. Was das bedeutet, lässt sich derzeit an "Fridays for Future" ablesen, der vermutlich ersten globalen Protestbewegung der Gen Z.

Für Unternehmen lautet die Konsequenz aus dem verstärkten sozialen Bewusstsein dieser Generation: Haltung zeigen! Der Fachblog Millennial Marketing schätzt, dass 60 Prozent der Mitglieder der Gen Z Marken unterstützen, die bei Themen wie Gleichberechtigung, sexuelle Diversität oder Rassismus klar Position beziehen.

Diese Herausforderung, der sich Unternehmen stellen müssen, wird allerdings von einem anderen Unterschied erschwert: Die Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer. Beträgt sie bei einem Millennial im Schnitt noch zwölf Sekunden, so widmet sich ein Vertreter der Gen Z nur noch acht Sekunden einer ­Sache, bevor ihm langweilig wird. Bei Barclays Research gilt die Gen Z daher als "die hyperinformierten Schnellmerker"

Eine Stunde nach dem Aufstehen online

Dazu trägt auch der Medienkonsum der Gen Z bei. Nach Erkenntnissen des Kleinanzeigenportals Autotrader sind knapp drei Viertel der Gen Z innerhalb der ersten Stunde nach dem Aufstehen "aktiv online", das heißt, sie nutzen einen Online-Dienst. Wattpad hat als zentrale Inspirationsquelle für diese Generation Youtube ausgemacht. Bei 84 Prozent der Befragten ist dies das Portal, mit dem sie die meiste Zeit ihres Social-Media-Konsums verbringen, mit deutlichem Abstand gefolgt von Instagram (51 Prozent) und Snapchat (51 Prozent). Wenn es um die bevorzugte Quelle für Musik geht, muss sich Youtube mit 33 Prozent knapp dem Streaming-Service Spotify geschlagen gegeben, der auf einen Prozentpunkt mehr kommt.

Abkehr vom klassischen Fernsehen

41 Prozent der Gen Z hat sich vom linearen Fernsehen weitgehend abgewandt und nutzt stattdessen Streaming-Angebote von Netflix (76 Prozent), Amazon Prime (30 Prozent) und Hulu (28 Prozent). Wenngleich diese Zahlen für Deutschland mit Vorsicht zu genießen sind - die Befragung fand in den USA statt -, zeigen sie doch einen deutlichen Trend auf. Dass für 93 Prozent aller Wattpad-Nutzer "Unterhaltung" die wichtigste Medienkategorie ist, muss hingegen nicht verwundern - da waren sich Teens schon immer weitgehend einig.
 
Die große Affinität der Gen Z zu Streaming Media wirkt sich auch auf das Einkaufsverhalten aus. So gaben die Wattpad-Nutzer an, Inspirationen für den Kauf von Schönheitsprodukten vor allem auf Youtube zu finden (66 Prozent), dicht gefolgt von Instagram (56 Prozent). Klassische Kanäle wie TV (29 Prozent), Kino (26 Prozent) oder Zeitschriften (22 Prozent) verlieren demgegenüber dramatisch an Relevanz.

Onlinechannel als Selbstverständlichkeit

Das gilt auch für den klassischen Einzelhandel. Zwar melden alle Studien, egal ob aus Deutschland oder aus den USA, dass die Gen Z auch gern im stationären Handel einkauft, allerdings liegt der Online-Anteil bei den Käufen mit rund der Hälfte deutlich über dem derzeitigen Gesamtschnitt von 20 bis 25 Prozent. Und die Gen Z ist schon dort, wo ein Großteil des Handels noch hin muss - für sie ist eine Kanalverschmelzung zwischen Off- und Online nicht nur etwas, was sie gern hätte, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Hiral Patel, eine der Autorinnen der Studie "Step aside Millennials", fasst diese Erwartung in Worte: "Wenn Millennials digitale Pioniere waren, dann sind die Mitglieder der Generation Z die ersten echten Digital Natives - sie kennen keine Zeit ohne entsprechende Technik zu ihrer ständigen Verfügung. Das hat dazu geführt, dass sie eine nahtlose, immer verfügbare Ansprechbarkeit erwarten, etwas, was Unternehmen heute sicherstellen müssen."



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